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Artikel zum
Thema Tauschringe
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Radikalismus ist kein Weg von Michael Wünstel
Radikalismus ist kein Weg Dieser Text wendet sich gegen jede Form von Gewalt (in Wort, Schrift und Tat sowie durch politische und wirtschaftliche Systeme) und tritt für eine bedingungslose Menschlichkeit ein. Doch genügt es nicht, Gewalt nur zu bekämpfen. Die Hintergründe der Gewalt, warum und wie sie entsteht, müssen betrachtet werden, um zu verhindern, daß es überhaupt zu Gewalt kommen kann. Dagegen zu sein genügt nicht Jedem Radikalismus liegt mehr oder minder eine Ideologie zugrunde. In ihrer erstarrten Form sind diese Weltanschauungen Ausdruck einer geistigen Krise, die im engen Zusammenhang mit den heute weltweit vorherrschenden Krisen gesehen werden muß. Zu den heutigen Krisen gehören die Umweltzerstörung, Arbeitslosigkeit, Hunger, Bevölkerungsdruck, Überschuldung, Rüstung, Gewalt und Kriege. Die geistige (Sinn-)Krise hat ihre Wurzeln im wesentlichen in dem bestehenden materialistischen und auch sozialdarwinistischen Denken. Es muß notwendigerweise auch der materielle Anteil, deren Ursprung in den Lebensbedingungen des Menschen zu suchen ist, betrachtet werden. Trotz aller Betonung von Unterschieden haben alle Ideologien aber noch weitere Gemeinsamkeiten. So brauchen sie ein Feindbild: der Kommunist braucht den Kapitalisten, der Faschist den Juden, der Kapitalist den Sozialisten als Gegner, von dem er sich distanzieren kann und den er mitunter bis zum Tode bekämpft. Zwar werden mit Ideologien auch Ideale vertreten, doch ist zur Durchsetzung dieser "Ideale" oft jedes Mittel recht - auch solche Mittel, die den Idealen widersprechen. Am Ende radikaler Entwicklungen steht fast immer Gewalt. Sie richtet sich gegen jeden, dessen Meinung von der vertreten ideologischen Richtung abweicht. Gewalt hat immer Gründe, aber nie eine Rechtfertigung Würde Gewalt auch nur etwas die Not auf unserer Erde lindern, wäre sie sicher gerechtfertigt. Das Gegenteil ist aber gerade der Fall. Gewalt erzeugt Not und Elend und bewirkt wiederum Gegengewalt. Ungerechte soziale Verhältnisse können durchaus Grund für die Anwendung von Gewalt sein. Gewalt löst aber die sozialen Konflikte nicht, sondern verschärft sie, indem neue Ungerechtigkeit entsteht. Gewalt führt in einen Teufelskreis. Die Anwendung von Gewalt, von wem auch immer, erfolgt jedoch nie ohne einen konkreten Grund. Wer nur die Bekämpfung von Gewalttätern fordert, nimmt, ohne sich dessen bewußt zu sein, widerspruchslos den Grund für das gewalttätige Verhalten anderer hin. Ohne nach den Ursachen der Gewalt zu suchen und ohne den Versuch, diese Ursachen zu beseitigen, wird er zum Mittäter (ohne dies zu wissen). Wie kann Gewalt, wenn sie keine Lösung darstellt, überwunden oder bereits im Ansatz verhindert werden? Probleme sind ohne die Kenntnis der Ursachen nicht lösbar. Dies gilt auch für die Anwendung von Gewalt. Wo liegen deren Ursachen? Warum wenden Menschen Gewalt an? Was wollen sie damit erreichen? Diesen Fragen müssen wir gründlich nachgehen, um nicht, wie heute meist üblich, in eine ausschließlichen Symptomenbetrachtung zu verfallen. Die Ursachen liegen im wirtschaftlichen Bereich Machtstreben und krasse Gegensätze zwischen Arm und Reich sind die häufigsten Gründe für Auseinandersetzungen zwischen den Menschen. Machtstreben ergibt nur Sinn, wenn Macht anhäufbar ist. In erster Linie handelt es sich dabei um wirtschaftliche Macht. Besonders die Wirtschaftsmittel Boden und Geld sind durch die heutige weltweit bestehende Wirtschaftsordnung dazu geeignet, wirtschaftliche Macht anzuhäufen und damit entscheidenden Einfluß auf das Wirtschaftsgeschehen zu nehmen. Die Konzentration von Wirtschaftsmitteln in den Händen weniger schafft auch den Gegensatz zwischen Armen und Reichen. Da Boden und Geld für jeden von uns existentiell notwendige Wirtschaftsmittel sind und niemand auf Nahrung, Kleidung, Wohnung et cetera verzichten kann, die nur mit diesen Wirtschaftsmitteln hergestellt und getauscht werden können, bewirkt eine Konzentration dieser Mittel zum Leben unweigerlich Spannungen zwischen den Menschen, die bis hin zu Gewalt, Terror und Kriegen ausarten können. Hätte es in der Weimarer Republik nicht die durch eine falsche Finanz- und Wirtschaftspolitik bewirkten wirtschaftlichen Mißstände bis hin zu über sieben Millionen Arbeitslosen gegeben, Hitler und der Nationalsozialismus wären der Menschheit sicher erspart geblieben. Nur auf der Grundlage von wirtschaftlicher und sozialer Not kann sich Radikalismus entwickeln. Wir müssen eine gerechtere Wirtschaftsordnung für alle Menschen schaffen Unabhängig von Geschlecht, Hautfarbe, Rasse, Nationalität, Religion, Weltanschauung oder der politischen Einstellung sollte jeder Mensch über unveräußerliche Existenzgrundrechte verfügen, die ihm die Möglichkeit zur gleichberechtigten Nutzung der natürlichen Ressourcen des Bodens und der ausbeutungsfreien Teilnahme an der Arbeitsteilung durch das Tauschmittel Geld garantieren. Der Erhalt der Umwelt auch für die kommenden Generationen muß dabei vorrangigstes wirtschaftliches Prinzip sein. Die Existenzgrundrechte als wesentliche Menschenrechte sollten in die Verfassungen der Staaten aufgenommen werden. Vorschläge, wie die Existenzgrundrechte des Menschen verwirklicht werden können, hat neben anderen der Wirtschafts- und Sozialreformer Silvio Gesell (1862 bis 1930) bereits vor über 80 Jahren in seinem Buch "Die Natürliche Wirtschaftsordnung (NWO)" gemacht. Verschiedentlich wurde in der Vergangenheit und wird auch heute noch versucht, Gesells
Thesen - vor allem von Rechts - zu vereinnahmen und zu mißbrauchen. Auch gibt es
sicherlich streitbare Punkte in seiner Weltanschauung. Dies sollte aber nichts an der
Richtigkeit seiner Kernthesen schmälern. Dieser Text erschien erstmals 1990 als Faltblatt in einer Auflage von zirka 20.000t. |
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