Reader zum Tauschring-Bundestreffen 2000
Vollversion, Stand 10.9.00
Stand 21.9.00 neu: Sabine Wacker, LA21-Förderung der Stadt Karlsruhe
Inhalt
(wer html online liest, geht besser über das Programm
zu den Themen)
Eröffnungsvorträge
1. Lokale Ökonomie im vereinten
Europa
2. Bewertung der Arbeit im sozialen
Miteinander
3. Womit sind wir angetreten? Was
geht gemeinsam weiter?
4. Tauschring-Praxis
5. Sonstige Themen
6. Professionelle Schulungsangebote
auf Talent-Basis
Ziele des Tauschring Bundestreffens 2000
Föderale Organisation der Tauschringe - bundesweite
Aufgabenverteilung -
Eigenverantwortung und soziales Engagement
Modell des SRI in Italien
Report on the SINTRAL Congress in Playas, Ecuador
Potentiale des Tauschringprinzips zur Schaffung
von Arbeit
Tauschring-Konsens von München
Positionspapier deutscher Tauschsysteme
Die BAG - Arbeitsgemeinschaft bundesdeutsche Tauschsysteme
Bundestreffen – was soll's?
Womit sind wir angetreten? Was geht gemeinsam
weiter?
Das Recht zu tauschen
Literaturliste
Gewerbe im Tauschring
Ressourcen-Tauschring
Tauschkonten – Anreiz oder Bremse beim Tauschen
Tauschring-Software-Übersicht
Integration von Betrieben in Tauschringe,
Vorschlag W.Almenritter
"Das Patentrezept"
Schreibwerkstatt
Erkenntnisse und Lehren für die
Gegenwart
Tauschringe – Warum sie wirklich entstanden
sind
Vision Internet
Das Selbstverständnis der Tauschringe im Boom
lokaler Netzwerke
Einladung zum Tauschring-Bundestreffen
Anmeldung zumTauschring-Bundestreffen 2000
Fragebogen zum Tauschring-Bundestreffen 200
Programm zum Bundestreffen der Tauschsysteme
Die genaue Zeitplanung und Änderungen werden kurzfristig
im Internet unter www.tauschring.de veröffentlicht.
Freitag, ab 11:00h: professionelle Kursangebote (wenn genügend
Anmeldungen vorliegen)
Freitag, 20:00h: Eröffnungsvorträge
Ende: Sonntag, 13:00, nach dem Abschlußplenum
Freitag, 20:00h: Eröffnungsvorträge
| Nr |
Referent, Organisation |
Thema / Titel |
Zeit |
| 1 |
Regine Hildebrand, Berlin
ehem. Sozialministerin in Brandenburg |
Tauschringe - ein Markt neben der "Marktwirtschaft"
In der Marktwirtschaft gilt die Regel: "Wer nichts hat,
der ist auch nichts wert". Die Folge ist soziale Ausgrenzung.
Es ist zutiefst inhuman, den Wert eines Menschen allein
an seiner ökonomischen Leistungsfähigkeit zu messen - außerdem
ist es falsch.
Tauschringe helfen hier in mehrfacher Hinsicht weiter:
zum einen kann sich auch der etwas "leisten", der nur wenig Geld hat. Zum
zweiten kann sich beispielsweise ein Arbeitsloder oder Sozialhilfeempfänger
selbst beweisen, daß er durchaus etwas leisten kann. Und zum dritten
sind Tauschringe auf Kommunikation und Zusammenarbeit angelegt, sie bewirken
soziale Integration der Teilnehmer. |
Fr 20:15 |
| 2 |
Dr. Hugo Godschalk
Paysys Frankfurt |
Lokale Nebenwährungen; Chancen
und Perspektiven im vereinten Euro-Europa
E-Geld-Revolution, Aktuelle Beispiele lokaler Währungen
im Einzelhandel auf Chipkarten; Privatwährungen im Internet; legale
Stolpersteine; Perspektiven für Tauschringe |
Fr 20:45 |
| 3 |
Dr. Monika Schillat
TU Berlin |
Tauschringe als innovative Kraft im
3. System |
Fr 21:15 |
Themenschwerpunkte
1. Lokale Ökonomie im vereinten Europa
Welche Möglichkeiten erwachsen aus den lokalen Nebenwährungen
der Tauschsysteme im vereinten Euro-Europa?
Welche Rolle haben Tauschringe im Prozeß der Agenda
21?
| Nr |
Referent, Organisation |
Thema / Titel |
Zeit |
| 1.2 |
Ute Anaker & Pantaleo Rizzo, Italien
Rebecca + Mauricio Wild,
Marie-Anges Dumas, France |
Wie sieht es im Ausland aus?
Bericht vom SRI Italien
Bericht aus Süd-America
Bericht aus Frankreich |
Sa 9:30 |
| 1.3 |
Dr. Hugo Godschalk, Frankfurt |
Andere Geldformen
"Local currency in Papiergeldform" |
verhindert |
| 1.4 |
Norbert Baier, Freiburg |
Einführung in die Lokale Agenda 21
Was können Tauschringe der LA21 bieten?
Was haben Tauschringe von der LA21? |
Sa 11:30 |
2. Bewertung der Arbeit
im sozialen Miteinander
Die klassische Lohn-Arbeitsgesellschaft mit "Vollbeschäftigung"
ist nicht mehr erreichbar. Gleichzeitig nimmt
die täglich zu verrichtende Arbeit weiter zu. Unbezahlte
Arbeit ist nach wie vor schlechter angesehen.
Welchen sozialpolitischen Entwicklungen wird durch die
Tauschsysteme Vorschub geleistet?
Welche anderen Wertsysteme können in Tauschringen
erfahren und ausprobiert werden?
3. Womit sind wir
angetreten? Was geht gemeinsam weiter?
Das Selbstverständnis der Tauschringe:
Wir möchten Positionen
der Tauschsysteme bestimmen, die uns in der politischen und gesellschaftlichen
Auseinandersetzung mehr Kraft geben. Dabei geht es u.a.
um Begriffsbestimmungen.
- Welchen Ökonomiebegriff haben Tauschsysteme, wo
sind die Unterschiede zur "normalen" Ökonomie?
- Was ist sozial an Tauschsystemen?
- Wie schätzen wir die Tauschring-Bewegung ein im
Verhältnis zu anderen (sozialen) Bewegungen?
- Wo sind unsere Schnittstellen zu anderen sozialen Bewegungen?
- Was sind unsere Stärken und was sind unsere Schwächen?
- Wie soll unsere bisherige föderale Organisationsstruktur
auf Bundesebene weiterentwickelt werden?
- Was kann auf Tauschring-Bundestreffen beschlossen werden?
- Wie sieht ein erfolgreicher "Tauschkodex" aus? Was
sind Grundforderungen an Tauschethik und Tauschökonomie?
Die Fragestellungen zu diesem Themenbereich sollen bis
zum Bundestreffen noch konkretisiert werden, um sinnlose Diskussionen zu
vermeiden. Der Letzte Stand in Rostock war ein Positionspapier
der BAG.
4. Tauschring-Praxis
Natürlich soll es auch wieder Arbeitsgruppen zu den
"Dauerthemen" der Tauschring-Szene geben (Vernetzung, Gründung, rechtliche
Situation usw.).
| Nr |
Referent, Organisation |
Thema / Titel |
Status |
| 4.1 |
Klaus Kleffmann, Osnabrück, Tauschring-Archiv |
Überregionaler Tausch, Ressourcen-Tauschring |
Sa 15:00 |
| 4.2 |
Stefan Purwin, Berlin/ Kreuzberg |
Zur Rechtslage der
Tauschringe
Was sagen Finanz-, Arbeits- und Sozialamt zum Ringtausch? |
Sa 9:30 |
| 4.3 |
Ursula Kisse, Hamburg-Nord |
Öffentlichkeitsarbeit |
Vorschlag |
| 4.4 |
? |
Konfliktlösung in Tauschringen |
Vorschlag |
| 4.5 |
? |
Büroorganisation: Kostenkalkulation
und Abrechnung, Software, Internet-Kommunikation |
Vorschlag |
| 4.6 |
Klaus Kleffmann, Osnabrück |
Literatur
und wissenschaftliche Arbeiten über Tauschringe |
Sa 15:00 |
| 4.7 |
Norbert Baier, Freiburg |
Gewerbe in Tauschringen. |
So 9:00 |
| 4.8 |
Dr. Regine Deschle, Rostock |
Tauschkonten -
Anreiz und Bremse beim Tauschen
Wie gehen wir mit hohen und niedrigen Kontoständen
um? Was machen wir mit unserem Sammelkonto? |
Sa 11:30 |
| 4.9 |
Dietzenbach |
Senioren-Selbsthilfe |
So 9:00 |
| 4.10 |
Helge Ruben |
Tauschring-Verwaltungssoftware |
Vorschlag |
| 4.11 |
Ursula Kisse, Hamburg-Nord |
Wie gründe ich einen Tauschring |
Vorschlag |
| 4.12 |
Wolfgang Almenritter, Flensburg |
Ein Vorschlag zur Gewerbeintegration |
Vorschlag |
| 4.13 |
Sabine Wacker, Heidelberg |
Zusammenarbeit mit Initiativen, Institutionen
und Behörden |
Sa 9:00 |
| 4.14 |
Helfried Lohmann |
Auswertung des Fragebogens zur TR-Entwicklung |
Sa 17:00 |
5. Sonstige Themen
6. Professionelle Schulungsangebote auf Talent-Basis
Am Freitag vor Beginn der Tagung von 11:00 bis 16:00 Uhr
möchten wir verschiedene Schulungen anbieten. Von professionellen
Tauschring-Mitgliedern auf Tauschbasis mit Themen, die für Tauschring-Mitglieder
und Freunde interessant sein können.
Wenn die Themen auch als berufliche Weiterbildung interessant
sind, können sich einige schon eher treffen und mit gutem Gewissen
einen Tag Bildungsurlaub und evtl. sogar Fahrtkostenzuschüsse ihrer
Arbeitgeber mitnehmen.
| Nr |
Referent, Organisation |
Thema / Titel |
Status |
| 6.3 |
Helfried
Lohmann, Karlsruhe |
Qualitätsmanagement
Grundlagen des QM in Organisationen
Der kontinuierliche Verbesserungsprozess |
Fr 11:00 |
| 6.7 |
Syncos-GmbH,
Karlsruhe |
Kommunikation im Internet
Wie benutze ich eMail und www? |
Fr 11:00 |
| 6.8 |
Klaus
Günzel, Karlsruhe |
Wie bekomme ich die Marktzeitung ins Internet? |
Fr 14:00 |
Ziele des Tauschring Bundestreffens 2000
Diskussionsbeitrag von Helfried Lohmann, Karlsruhe
Welche Ziele können für das Bundestreffen gesteckt werden?
Es sind nur ein Teil der Tauschringe vertreten.
Die Delegierten haben nur eingeschränkte Kompetenzen für
ihre Tauschringe.
Realistische Ziele können sein:
- Anregungen in die Tauschringe mitnehmen.
- Neue Menschen für Aufgaben auf Bundesebene gewinnen.
- Menschen, die Aufgaben auf Bundesebene übernommen haben, den
Rücken stärken.
- In der Öffentlichkeit auftreten
Was können wir nicht erwarten?
Große gemeinsame Ziele und politische Erklärungen. Wir müssen
mit dem Pluralismus leben und die Stärken entwicklen. Die Standortbestimmung
vom Bundestreffen in München wird weiter Bestand haben - mehr nicht.
Als Ergebnis des Treffens und der Aufgabenverteilung auf Bundesebene
wünsche ich mir eine komplexe Informationssammlung, die immer aktuell
gehalten wird. Nicht einzelne machen in mühevoller Arbeit ein Buch,
welches nach dem Druck veraltet, sondern viele halten die Information aktuell.
Für jedes Thema gibt es eindeutige Ansprechpartner und ein Netz von
Leuten, die weiterhelfen.
Als Medium sollten wir das Internet benutzen, wo von einer Zentralen
Seite zu den verschiedenen Themengebieten verzeigert wird. Wenn jemand
seine übernommenen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, so kann
die bisherige Arbeit an den nächsten übergeben werden.
Damit wir diese Ziele erreichen können, brauchen wir Menschen,
die mitarbeiten möchten. Jeder möge sich fragen, was er oder
sie zu übernehmen könnte. Detaillierte Aufgabenbeschreibungen
stehen im Reader.
| Adressliste |
Kreuzberger Tauschring |
| Internet-Adressen, Linkliste |
? |
| Archiv |
Tauschring-Archiv, Klaus Kleffmann |
| Bundestreffen 2001 |
? |
| Zeitschrift als Diskussionsforen |
Tauschsystem-Nachrichten, Klaus Kleffmann u.a. |
| Mailing-Liste als Diskussionsforum |
Klaus Kleffmann |
| Integration von Gewerbetreibe |
Norbert Baier, Freiburg |
| Tauschring-Gründung |
? |
| Haftungsrecht |
? |
| Internationale Kontakte |
? |
| Verbindung nach Österreich |
Reinhard Pichler |
| Verbindung in die Schweiz |
Renato Pichler |
| Zusammenarbeit mit Städten / Gemeinden |
? |
| Literaturliste |
? |
| Lobby-Arbeit |
? |
| Softwareliste |
Klaus Günzel, Karlsruhe |
| Sozialrecht |
Stefan Purwin, Kreuzberg |
| Statistik |
? |
| Steuerrecht |
? |
| Vereinsrecht |
? |
| Pressearbeit |
? |
| Überregionaler Tausch |
Ressourcen-Tauschring, Klaus Kleffmann |
| Bundes-Coach (Pflege dieser Liste) |
Helfried Lohmann, Karlsruhe |
| Lokale Agenda 21 |
Uta Hermel - Baden-Baden, Klaus Fournell - Freiburg |
| Termine |
TSN, Mailing-Liste |
Föderale Organisation
der Tauschringe
- bundesweite Aufgabenverteilung -
ENTWURF zur Beschlußfassung auf dem Abschlußplenum.
Jeder möge sich im voraus überlegen,
ob er oder sie eine Aufgabe übernehmen möchte.
Diskussionsbeitrag von Helfried Lohmann
zum Tauschring-Bundestreffen 2000
aktueller Stand: 13.9.2000
Wie wird zusammengearbeitet?
Welche Aufgaben?
Motivation
Die bundesweite Organisation der Tauschringe krankt an verschiedenen Enden.
Ein Dachverband wurde immer wieder abgelehnt. Die BAG hat ihren anfänglichen
Schwung verloren. Wir können aber nicht einfach auf jede Bundesorganisation
verzichten, weil das ein Vakuum schafft, in dem sich Einzelne oder Gruppen
zu Bundessprechern aufschwingen.
Ich möchte den Gedanken der föderalen Organisation der Tauschringe
wieder aufnehmen, das heißt eine Verteilung der Aufgaben auf verschiedene
Menschen/Organisationen im Bundesgebiet .
Was wir brauchen, sind Menschen, die für eine bestimmte Zeit bestimmte
Aufgaben auf Bundesebene übernehmen. Nach einem Jahr (auf dem
nächsten Bundestreffen) kann die Aufgabe an einen anderen übergeben
werden. Diese Menschen müssen wissen, was von ihnen erwartet wird
und wieviel Arbeit das bedeutet.
Also versuche ich mal eine Aufgabenbeschreibung zu entwerfen. Diese
Aufzählung erhebt noch keinen Anspruch auf Vollständigkeit und
Korrektheit. Die Aufgaben sollten bis zum Ende des Bundestreffens so konkretisiert
und abgeändert werden, daß diejenigen, die die Aufgabe übernehmen,
die Arbeit auch machen können und wollen.
Wie wird zusammen gearbeitet?
Die Verantwortlichen stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Ob
sie die Aufgabe allein oder in einer Gruppe erledigen, spielt keine Rolle.
Alle, die eine Bundesaufgabe übernommen haben, bilden zusammen
ein Team. Sie sollen zusammenarbeiten und sich gegenseitig bestärken.
Auf den Bundestreffen wird die Bereitschaftserklärung der Einzelnen
(durch Abstimmung?) bestätigt. Für jede Aufgabe werden ein Verantwortlicher
und eine Vertretung benannt werden.
Damit die Verantwortlichen (und natürlich auch die Vertretungen)
sich als Team entwicklen können, kommuniziert jeder seine wichtigsten
Aktivitäten an alle anderen, z.B. über einen eMail-Verteiler
auf dem nur die Informationen der Bundesorganisation verteilt werden (und
keine langwierigen Diskussionen über Gott und die Welt)
Die Aufgabenverteilung entsteht durch freiwillige Selbstverpflichtung
der genannten Leute (für ihren Tauschring). Wenn Kritik an den Leuten
oder der Qualität ihrer Arbeit besteht, sollten wir in einen solidarischen
und kritischen Dialog mit den Betroffenen eintreten, bessere Lösungen
vorschlagen oder im beiderseitigen Einvernehmen die Aufgaben an eine andere
(Tauschring-Organisation oder Person) weitergeben.
Generell gilt:
-
Alle Gruppen und Leute, die wichtige Informationen zu dem jeweiligen Thema
haben, sollen diese von sich aus an die Verantwortlichen schicken.
-
Die Verantwortlichen recherchieren selbständig nach neuen und geänderten
Informationen.
-
Die Information muß auch für außenstehende Leser aufbereitet
werden.
-
Ein einfacher und kostengünstiger Zugriff wird per WWW/Internet für
alle ermöglicht. Neben dem Web-Design wird auch eine druckbare Version
zum Herunterladen bereit gestellt.
Die Arbeitsbereiche sind:
Aufgaben und Verantwortliche
Adressliste
Adressenliste der Tauschringe in Deutschland pflegen und gesammelt
zur Verfügung stellen.
- Allen Änderungen nachgehen und in die Liste eintragen.
- Wer eine Adressänderunge bemerkt, soll sie den Verantwortlichen
mitteilen.
- Liste mindestens 2 mal im Jahr aktuell veröffentlichen.
Siehe http://www.nachbarschaftshaus.de/tausch/tausch.html |
Kreuzberger Tauschring -
c/o Nachbarschaftsheim,
Urbanstr. 21, D-10961 Berlin,
Tel. 030/6922351
Kreuzberger.tauschring@gmx.de |
Internet-Adressen
Linkliste von Tauschring-Homepages erstellen und pflegen. - Aus der
Adressliste können Web-Adressen entnommen werden. Beim Testen der
Verbindung sollten Fehler auch an die Verantwortlichen der Adressliste
weitergegeben werden.
- Liste zwei mal im Jahr prüfen, ergänzen und aktualisieren.
Ergebniss >> http://www.tauschring.de/links.
?? |
? |
Archiv
Allgemeine Informationssammlung und Recherche über Tauschringe.
Periodische Veröffentlichungen über Entwicklungen in der Tauschringbewegung.
- Sammlung von Presseartikeln
- Sammlung von Diplomarbeiten
- Sammlung von ...
- Veröffentlichung der Listen wo? |
Tauschring-Archiv
Klaus Kleffmann (Tauschring Osnabrück)
Hasenkamp 30, D-49504 Lotte
Tel. 05404/6197, Fax 05404/4822
archiv@tauschring-archiv.de
www.tauschring-archiv.de |
Bundestreffen
Vorbereitungsgruppe für das nächste bundesweite Tauschringtreffen |
wechselnde Tauschringe
1996 Halle
1997 Kassel
1998 München
1999 Rostock
2000 Karlsruhe, Baden-Baden, Wettersbach |
Zeitschrift, Tauschsystem-Nachrichten
als Diskussionsforen
- Herausgabe mindestens 4x im Jahr
- Diskussionsbeiträge ohne Zensur drucken
- Zusammenfassung bekannter Diskussionsstände z.B: aus dem Internet
? |
Klaus Kleffmann, Tauschring-Archiv
Elisabeth Hollerbach (LETS München) ? |
Mailing-Liste als Diskussionsforum
technische Organisation, Hilfe für Interessierte
tauschsysteme@egroups.de |
Klaus Kleffmann |
Integration von Gewerbetreibenden
Information zu
- Integration von Gewerbetreibenden
- Steuererklärung in Talenten (Modelle und Erfahrungen)
- Preisgestaltung in Talenten (Modelle und Erfahrungen)
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
? |
Tauschring-Gründung
Information (Modelle und Erfahrungen)
- Wie gründe ich einen Tauschring?
- Welche Vorüberlegungen (Ziele, Selbstverständnis, ...)?
- Welche Rechtsform (Satzung, ...)?
- Welche Grundlagenentscheidungen (Spielregeln)?
- Welche Förderungsmöglichkeiten?
- Wie kann das Büro organisiert werden?
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen. |
? |
Haftungsrecht
Information
- Zivilrecht, Haftungsrecht Grundlagen
- Wichtige Urteile bei Nachbarschaftshilfe
- Information über Haftpflichtversicherungen (welche Erfahrungen
gibt es bei Haftpflichtfällen in Tauschring-aktivitäten?)
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
? |
Internationale Kontakte
Verbindungen zu Tauschringen im Ausland, internationale LETS-Systeme.
Was tut sich im Ausland?
- Information sammeln
- Information über Deutschland an ander schicken.
- Kontakte halten und aufbauen.
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
? |
Verbindung nach Österreich
- Was tut sich im Ausland?
- Was tut sich bei uns?
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
Reinhard Pichler
TKS-TauschKreis Service, Saileräckergasse 40/2/8,
A-1190 Wien
Tel. 0043-4213-2046 39
Fax 0043-4213-2046 46
pichler@bildungshaus.at
ww.tauschrkreise.at |
Verbindung in die Schweiz
- Was tut sich im Ausland?
- Was tut sich bei uns?
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
Renato Pichler
INWO Schweiz
Postfach
CH-5001 Aarau
http://www.talent.ch |
Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden
Information
- Zusammenarbeit mit Städten und Gemeinden
- Mitgliedschaft von öffentlichen Institutionen in Tauschringen.
(Modelle und Erfahrungen)
Ansprechbar sein und Kontakte vermitteln für Fragen von Seiten
der öffentlichen Institutionen über die Mitgliedschaft im TR.
Texte zu diesen Themen 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
? |
Literaturliste
Liste mit Büchern und Veröffentlichungen über Tauschringe.
2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen. |
? |
Lobby-Arbeit
- Beobachtung politischer Aktivitäten in Bonn/Berlin.
- Informationssammlung über politische Aktivitäten der TR
- Ansprechbar für Politiker (3 Namen)
- Information bereitstellen, welcher Politiker/Entscheider wollte wann
was wissen und was wurde ihm gesagt?
- Liste der Aktivitäten 2x im Jahr aktualisieren und im Internet
veröffentlichen.
Jeder arbeitet auf eigene Verantwortung und teilt den anderen mit,
was er/sie gemacht hat. |
? |
Software
Information über Software für Tauschringe
- Liste 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen
http://home.t-online.de/home/tauschring.ka/tr_softw.htm. |
Helfried Lohmann, Tauschring Karlsruhe, Hardtstr. 37a, D-76185 Karlsruhe,
Tel./Fax 0721-9553541, eMail: tauschring.ka@t-online.de. |
Sozialrecht
Information über Rechtsfragen im Zusammenhang mit Tauschringen.
- Was sagen die Sozialämter zum Mitmachen im TR?
- Was sagen die Arbeitsämter zum Mitmachen im TR?
- Was sagen die Sozialversicherer zum TR?
Texte 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
Ansprechpartner: Stefan Purwin, Kreuzberger Tauschring, c/o Nachbarschaftsheim,
Urbanstr. 21, D-10961 Berlin, Tel. 030/6922351 o. 6904970, eMail: dillqeag@sp.zrz.TU-Berlin.de. |
Statistik
Auswertung von bekannten Zahlen und Sammlung von Statistiken zum Thema.
Veröffentlichung der Auswertung von Umfragen im Internet
(z.B. von den Bundestreffen) |
? |
Steuerrecht
Information zu Rechtsfragen im Zusammenhang mit Tauschringen.
- Wieviel Tauschhandel ist auf jeden Fall legal?
- Ab wieviel Tauschumsatz kann es Streit geben?
- Welche Pflichten haben Gewerbetreibende im TR?
Texte 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
? |
Vereinsrecht
Information zu Rechtsfragen im Zusammenhang mit Tauschringen. Informationen
zu Organisationsformen, öffentlichen Fördermitteln und Zuschüsse.
Texte 2x im Jahr aktualisieren und im Internet veröffentlichen.
Thema ständig verfolgen. |
? |
Pressearbeit
- Ansprechbar für Pressefragen sein
- Kontakte der Presse zu kompetenten Leuten vermitteln
- ?... |
? |
Überregionaler Tausch
Information über die Möglichkeiten, überregional zu
tauschen.
- Handhabung von überreginalen Tauschgeschäften ohne den
Ressourcentauschring mit einzelnen oder allgemeinen Außenkonten (Modelle
und Erfahrungen veröffentlichen).
- Verrechnung/Clearing von Tauschleistungen zwischen TR
- Überregionale Marktzeitung |
Ressourcen-Tauschring
? |
"Bundes-Coach"
Kontakt halten zu allen Verantwortlichen auf Bundesebene.
- 4x im Jahr diese Liste durchgehen und die Adressen prüfen und
aktualisieren. Wenn Verantwortliche nicht mehr erreichbar sind, die Vertretung
ansprechen und aktivieren.? |
Helfried Lohmann, Karlsruhe |
Lokale Agenda 21
Information
- Die Rolle von Tauschringen im Prozess der LA21 (Modelle und Erfahrungen)
- In welcher Stadt macht der Tauschring wie in der LA21 mit?
Texte zwei mal im Jahr aktualisieren. Thema ständig verfolgen. |
Uta Hermel, Baden-Baden
Klaus Fournell, Freiburg |
Termine
- Wo findest wann was überreginales statt ?
- kurzfristiges Termine über eGroups.
Liste im Internet einmal pro Monat akutalisieren. |
TSN, Mailing-Liste |
Eigenverantwortung und soziales Engagement
Diskussionsbeitrag zum Titel-Thema des TR Bundestreffens
gehalten auf dem Markttag der TR-Ka von Helfried Lohmann, 13.9.00
Worin besteht der Zusammenhang von Eigenverantwortung und Sozialem Engagement
in Tauschringen?
Das im TR eigenververantwortung gefragt ist, ist offensichtlich. Nur
so funktioniert der Tauschring. Nicht nur, daß wir Verantwortung
für unser Handeln übernehmen müssen - das sollten wir immer
tun. Es ist eine besondere Form von Eigenverantwortung gefragt, nämlich
selbständiges unternehmerisches Handeln. Und das wird in unserer Kultur
meist nicht mit sozialem Engagement in Zusammenhang gebracht. Aber unter
bestimmten Bedingungen gibt es den Zusammenhang eben doch; z.B. in Tauschringen.
Gemeinhin bringen wir soziales Engagement mit karitativem oder selbstlosem
Handeln in Verbindung. Die Fragen stellen sich: wer das auf Dauer aushält
und wem das zu nutze kommt. Das soziales Engagement gegenüber Schwachen
und Hilfsbedürftigen Geschöpfen richtug ist und für ein
Lebenswertes Leben nützlich, das steht außer Frage. Die Frage,
wem welche Art von Hilfe zu welchem Zeitpunkt wie weit nützt, läßt
sich nicht im allgemeinen Behandeln, sondern nur im Detail.
Die andere Frage (wer selbstloses Handeln auf Dauer aushält?) ist
für uns in den Tauschringen sehr interessant. Ich unterstelle, daß
nur sehr wenige Menschen auf dauer selbstlos handeln. Aber es gibt eine
Fülle von Gegeleistungen verschiedener Art, die als solche (teilweise
unausgesprochen) akzeptiert werden.
Geld - soziale Anerkennung - Bewunderung - Dankbarkeit - Selbstverwirklichung
- Kontaktmöglichkeiten - zärtliche Berührung - Erleuchtung
- Erfahrung - spätere Zuwendung - spätere Arbeitserleichterung
- Erkenntnisgewinn - Identifikationsmöglichkeit.
Im Tauschring kommt die "Zeit" als ein "Gegenwert" dazu. Die Zeit als
Gegenwert ist weniger emotional besetzt, wie die meisten anderen genannten
Werte. Die Zeit ist auch ein objektiverer Wert als Geld, weil der Geldwert
von Leistungen bei uns durch kapitalistische Marktgesetze (ich meine das
hier nicht abwertend sondern beschreibend) verzerrt ist.
Und was hat das mit sozialem Engagement zu tun?
Jeder, der im TR aktiv ist, kennt die sozialen Aspekte dieser Arbeit.
Die Kontaktmöglichkeiten entlang direkter persönlicher Bedürfnisse
der Hilfe in bestimmten Situationen. Nicht über die Kneipe oder den
Verein, in denen man ganz andere Dinge zusammen macht, als die, die man
vielleicht grade braucht. Aber ich möchte hier auf einen anderen Aspekt
abheben. Die Grenze von sozialem Engagement ist da erreicht, wo man sich
ausgenutzt fühlt. Niemand wird sich auf Dauer einer Situation aussetzen,
in der das Gefühl des ausgenutzt werdens aufkommt. Ich sage nicht,
daß sich niemand auf Dauer ausnutzen ließe; in ökonomische
Hinsicht, aber auch emotional gibt es das sehr wohl. Aber das Gefühl
des Ausgenutzt werdens verhinder soziales Engagement - selbst da, wo
es dringend angebracht wäre.
Vielleicht hat es etwas mit Selbstwert zu tun; wahrscheinlich ist es
ein Gemisch von Gefühlen und Wertesystemen, das entscheidet, ob ich
z.B. das zusammenleben mit Kindern als belastende Arbeit oder beglückende
Selbstverwirktlichung empfinde (um im Beispiel zwei extreme zu nennen).
In Tauschringen können mit der Zeitwährung (oder ganz freien
Verrechnungssystemen) andere Wertesysteme ausprobiert werden. Sich ausprobieren
im Zusammensein mit Menschen, die ähnliche Ideen teilen und i.d.R.
Vertrauensvorschuß geben, aber außerhalb des ganz persönlichen
Rahmens wo möglicher Weise Empfindlichkeiten berücksichtig weden
müssen und die Menschen sich nicht unbedingt ganz frei entscheiden
können, an einem Experiment mitzuwirken. Die gemachten Erfahrungen
aus dem Tauschring können helfen, sich selbst und die eigenen Wertesysteme
besser kennen zu lernen, zu hinterfragen und zu verändern.
Wenn es sich komisch anfühlt, eine Hilfeleistung z.B. gegen ein
Lächeln einzutauschen, dann gilt immer noch die Zeitwährung und
ich kann nach getaner Arbeit die Zeit aufschreiben. Dann war es wenigstens
keine Vertane Zeit.
Modell des SRI in Italien
Name: Sistema di reciprocità Indiretta – "SRI" (System Indirekter
Gegenseitigkeit = "Wechselseitigkeit"). Das SRI ist ein "Interinformations-System",
ähnlich wie die LETS, SEL, TR., REL u.s.w.
Entstehung: Die Bezeichnung SRI entsteht am 6. Mai 1997, die Initiative
gibt es aber schon seit dem 7. Oktober 1996 unter dem damaligen Namen "System
lokalen Austauschs" (SSL – Sistema di Scambio Locale), das aus juristischen
Gründen unter der Bezeichnung "Verband für Gesellschaftliche
und Wirtschaftliche Entwicklung von Martano"– ASSEM (Associazione per lo
Sviluppo Sociale ed Economico di Martano) operativ wurde.
Adressen: Genau wie bei den LETS, SEL usw. hat das SRI keinen festen
Sitz. Das SRI untergliedert sich in einige lokal arbeitende Gruppen. Einige
Teilnehmer vom SRI arbeiten in einer thematischen Gruppe namens "Asterisco"
(â Sternchen) mit, die sich mit den
theoretischen Aspekten der "Interinformations-Systeme" und der "multilateralen
Einbindungen (multilateralen - Rileanza)" (s.u.) befassen. Die Gruppen
stehen ständig in Interinformation. Es folgen einige Adressen.
Thematische Gruppe "Asterisco": pantaleorizzo@mail.clio.it
; gianbianco@libero.it;
Via Costantino 54, I-73025 Martano (Lecce) Italia. Tel. 0039 0836 575772
Territoriale Gruppe Sogliano Cavour: Via Pascoli 55, I-73010 Sogliano
Cavour (Lecce)
Territoriale Gruppe von Martano: Via Costantino 54, I-73025 Martano
(Lecce)
Territoriale Gruppe " CaSe": Via Tripoli 5 (Serrano),I-73020 Carpignano
Salentino (Lecce)
Vertreter: Das SRI hat keine eigene "Organisationsform", darum existiert
auch kein "offizieller Vertreter". Jeder Teilnehmer interpretiert in den
anderen seine eigene Pluralität . Nach außen hin vertritt jeder
Teilnehmer des SRI alltäglich zwei Aspekte - einmal eine multilaterale
Vorstellung, wie sie typisch ist zwischen Freunden und guten Nachbarn,
und zum anderen eine organisatorische Vorstellung der konkreten Arbeitsteilung.
Erfahrungsbericht: Die Initiative wurde im Mai’96 in Martano (Lecce)
von Dr. Pantaleo Rizzo ins Leben gerufen, mit der Zielsetzung, die Bedingungen
zu schaffen, unter denen verschiedene Teilnehmergruppen entstehen konnten;
die notwendige Grundlage für ein Projekt von Einbindung (Rileanza)
in Respekt vor Verschiedenheit. Freunde und Nachbarn interessierten sich
für das Projekt, so dass, mit der Einführung der Interinformation,
eine Vorstellung von Freundschaft und guter Nachbarschaft erweckt wurde,
die sich mit Hilfe einer Verrechnungseinheit, die nicht dem herkömmlichen
Geld entspricht, konkretisierte. Bei der ersten Versammlung wurde befürwortet,
diese Idee allen Mitbürgern zugänglich zu machen. So begann der
Versuch, die Vorstellung von Freundschaft und die Vorstellung von Organisation
in Differenzierung zu vereinigen, indem die "ASSEM" (s.o.) gegründet
wurde. Nach zwei Jahren ist der Versuch "ASSEM" jedoch gescheitert, infolge
einer Reihe von kontroversen Auseinandersetzungen bezüglich der Notwendigkeit
einer offiziellen Vertretung. Die Vorstellung von Freundschaft, konstituiert
im SRI, blieb jedoch in einigen territorialen Gruppen aktiv. Fünf
Teilnehmer, darunter auch der ehemalige Koordinator (Pantaleo Rizzo), nahmen
die Auflösung der ASSEM zum Anlass, am 26.2.99 die thematische Gruppe
"Asterisco" zu gründen, um die "Interinformations-Systeme" und die
"multilaterale Einbindung (Rileanza)" genauer zu erforschen. Drei territoriale
Gruppen haben sich schon dem "Asterisco" angeschlossen, eine vierte, die
sich noch im Aufbau befindet, wird bald dazu stoßen. Die alltäglichen
Beobachtungen und deren Austausch in den wöchentlichen Treffen haben
dazu beigetragen, dass die Gruppe "Asterisco" gelernt hat, die Vorstellung
von Freundschaft und guter Nachbarschaft als multilaterale Vorstellung
zu begreifen. Wir versuchen, dies in den folgenden vier Abbildungen darzustellen.
In der ersten Abbildung sieht man die Teilnehmer im Kreis angeordnet: jeder
Teilnehmer sieht sich allen anderen Teilnehmern gegenüber, zu denen
er in einem gleichberechtigten Verhältnis steht, weil der Kreis es
nicht zulässt, dass Machtverhältnisse entstehen. In der zweiten
Abbildung sieht man die Durchführung der Transfers (wir nennen es
nicht Tausch), die nur innerhalb des Teilnehmerkreises stattfinden; jeder
Teilnehmer ist selbst dafür zuständig, eine Initiative zu ergreifen.
Jeder ist ein "Autor" (im Sinne von Urheber) der den Trasfer bewegt, ob,
wann, wie, wie viel, wo, was und mit wem er will. In der dritten Abbildung
sieht man die Teilnehmer in Interinformation (jeder gibt, bearbeitet und
bekommt alle bearbeiteten Informationen). Nach jedem Transfer füllt
der Teilnehmer, der bekommt, ein "Informativ" aus, das eine Verrechnungseinheit
darstellt (im Sinne der Göttin Moneta : "diejenige, die wahr-nimmt"),
die nicht gleichzusetzen ist mit den herkömmlichen Banknoten. Dieses
"Geld" wird ausgestellt im Sinne einer eigenen Pluralität (unter dem
Aspekt der "Metonymie" überträgt der Teilnehmer seine Pluralität
auf seinen Partner, mit dem er transferiert; unter dem Aspekt der "Metapher"
kann jeder Teilnehmer jede Pluralität interpretieren, mit Ausnahme
seiner eigenen). Es wird niemals von einem Zentralorgan ausgestellt, wie
im Falle des herkömmlichen Geldes. Aus den Buchungen aller Informative
entsteht eine "multilaterale Symmetrie", weil das Guthaben jedes persönlichen
Kontos sich symmetrisch zu der algebraischen Summe der Pluralität
der anderen Konten verhält. Das führt dazu, dass aus der direkten
Gegenseitigkeit, wie bei Freundschaft und guter Nachbarschaft, durch das
Zwischenschalten der Interinformation eine indirekte Gegenseitigkeit (Wechselseitigkeit)
wird, weil sich zwischen den Teilnehmer und seine Pluralität eine
"Kreuzung" schiebt. "Pluralität" ist hier zu verstehen wie eine nicht-organisierte
Vielheit. Auf der "Kreuzung" befindet sich kein Teilnehmer (Nichtvorhandensein
einer Vertretung), denn nur so kann jeder Teilnehmer jederzeit jeden anderen
direkt erreichen. In der vierten Abbildung sieht man die emotionalen Bindungen
der Teilnehmer: die Anordnung dieser emotionalen Bindungen bildet einen
"Asterisco" ( â Stern); an den Zacken
befinden sich die Teilnehmer, die kreisförmig angeordnet sind, und
im Zentrum ist die "Kreuzung". So entsteht die "multilaterale Einbindung
(multilaterale-Rileanza)". Diese Einbindung unterscheidet sich von der
sozialen Solidarität oder einer organisatorischen Einbindung durch
die Bindung des Teilnehmers an seine eigene Pluralität, niemals an
eine soziale Institution oder eine Behörde. Die Bindung Teilnehmer-Pluralität
ist individuell und von emotionaler Art, niemals kollektiv oder funktional.
Durch die multilaterale Vorstellung kann man einem Teilnehmer etwas geben
und von einem anderen etwas bekommen, ohne in die organisatorische Vorstellung
von Arbeitsteilung zurück zu fallen (eine unmögliche Vorstellung
im herkömmlichen Bereich von Freundschaft und guter Nachbarschaft).
1. Anordnung im Kreis 2. Transfer 3. System von Interinformation
4.Multilaterale Einbindung
Was wird transferiert: Im SRI werden Gefälligkeiten, Wissen und
Gegenstände transferiert. Diese Bewegungen werden als "Transfers"
bezeichnet, nicht als "Tausch". Wir reden von "Gefälligkeiten" und
nicht von "Dienstleistungen", weil ein Transfer sich hauptsächlich
durch eine emotional positive Einstellung kennzeichnet und nicht hauptsächlich
wegen eines funktionalen Vertrags. Der Status des Transfers ist "Gabe"
und nicht "Ware".
Verrechnungseinheit: Im SRI gibt es zwei Verrechnungseinheiten: den
"Misthòs" und die "Lebenszeit". Der Misthòs wird benötigt,
um den subjektiven Gefühlswert auszudrücken und betrifft den
"Grad der Freiheit der Geste des Gebens, so wie es vom Empfänger verstanden
wird". Die Lebensstunde (bzw. die entsprechenden Teilzeiten) braucht man,
um objektiv den zeitmäßig messbaren Wert auszudrücken,
sie betrifft die Zeit, die der Geber benötigt, bis der Transfer zu
Ende gebracht ist. Durch die Umrechnung von einer Lebensstunde in zehn
Misthòs ergibt sich, bei Addition der beiden Summen, die einzige
Verrechnungseinheit des SRI: der Misthòs. In der Summe der beiden
Tauscheinheiten drückt sich dann der "Anerkennungswert" aus. (1 Stunde
= 10 Misthòs)
Mitteilungen: Nach außen wird mit dem "InfoSRI" kommuniziert.
Dieser besteht aus einem "illustrierten Faltblatt", "Beispiele für
Transfers", " Regeln des SRI", "Heftchen mit allen Informationen zum Aufbau
eines SRI", "Geschichte des SRI", " Vorstellungen : die organisatorische
und die multilaterale Vorstellung". Der jeweils aktualisierte InfoSRI kann
bei der thematischen Gruppe "Asterisco" angefordert werden.
Veröffentlichungen: Unsere Erfahrung wurde in Examens- und Doktorarbeiten
ausgewertet, in Zeitungen behandelt, es wurden Dokumentationen in Radio
und Fernsehen gesendet ( unter anderen in "Speciale del TG1 vom 1.2 1997"),
auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.
1) Dokumentation des internationalen Treffens: "Die lokalen Systeme
der Indirekten
Gegenseitigkeit"; 11. - 12. August 1998, Martano (Lecce).
- einige der Beiträge sind als Artikel publiziert in: "Dossier:
autours des SEL", Silence,
Nr.246/247-1999, Frankreich
- alle Beiträge sind im Internet unter der folgenden Adresse abrufbar:
http://www.regione.emilia-romagna.it/ass
psociali/btempo/index.htm
- alle Beiträge und die gesamte Debatte können ( auf italienisch
und französisch) bei der thematischen Gruppe "Asterisco" angefordert
werden.
2) Pantaleo Rizzo <Réciprocitè Indirecte et Symétrie
: l’émergence d’une nouvelle forme de solidarité, in: Jean-Michel
Servet (Hrsg.), Exclusion et Liens financiers, Paris, Ed. Economica, 1999.
3) Ute Anacker und Pantaleo Rizzo (Bearbeitung), " InfoSRI Nr.1, Jahr
2000", anzufordern bei der thematischen Gruppe "Asterisco".
REPORT ON THE SINTRAL CONGRESS IN PLAYAS, ECUADOR.
Mauricio Wild, 2.07.2000. Übersetzung von Katharina Stiffel, TR-Wettersbach
Angesichts dessen, was hier in Ecuador, besonders bei
den Tauschringen passiert ist, scheint es mir lange her, daß ich
unsere Erfahrungen mit dir geteilt habe. Trotz allem Streß und intensiver
Arbeit sind wir gesund und hoffen, daß das bei Euch auch der Fall
ist.
Als wir im Mai Tauschring Gruppen in den indianischen
Gemeinden in der Provinz Chimborazo begannen, spürte ich in den Unterhaltungen
mit den Indianern deutlich, daß wir einen Weg finden mußten,
um eine Begegnung der verschiedenen Gruppen zu ermöglichen. Deshalb
entschlossen wir uns, einen Kongreß zu organisieren für alle
Koordinatoren der Tauschring Gruppen in Ecuador. Die zeitliche Koordinierung
machte gewisse Probleme. Ich spürte, daß wir im Tauschring unbedingt
Gruppen brauchten, die Reis anbauen. Seit zwei Monaten bemühen wir
uns um Kontakte mit diesen. Aber es wurde nichts daraus. Die Kontakte,
die ich hatte, bestanden zu Organisationsleitern und ich habe den Eindruck,
daß viele von ihnen unter dem Deckmantel der Hilfe für die Armen
nur ihre Macht erhalten wollen. Einen Kontakt mit den richtigen Personen
ließen sie einfach nicht zu.
Ein weiterer Faktor, den es zu bedenken gilt, ist das
Klima von Protest und womöglich politischer Gewalt im ganzen Land.
Der Kongreß fand vom 19.bis 22. Juni in Playas statt. Von 75 Gruppen
waren nur drei nicht vertreten. . Es stellte sich heraus, daß die
Ursache des Problems mit einem Projektleiter zusammenhing, der Schwierigkeiten
hat, Dinge zuzulassen, über die er keine Kontrolle hat. Mit den Gästen,
die Erfahrungen in alternativer Technologie haben, waren wir insgesamt
ungefähr 200 Teilnehmer.
Während der Vorbereitung der Kongreßtagesordnung
erkannten wir, daß wir nicht wie gewohnt vorgehen konnten d. h. Seminargruppen
organisieren, die Beschlüsse und Ergebnisse erarbeiten sollten. Wir
mußten eine Struktur finden, die es ermöglichte, daß etwas
ohne zuvor festgelegte Bestimmung entstehen konnte. Gleichzeitig mußten
wir ehrlich genug sein zu erkennen, daß wir doch Ergebnisse erwarteten,
obwohl wir spürten, daß wir das Vorgehen nicht lenken sollten.
In dieser Situation griffen wir auf unsere Pestalozzi Erfahrung zurück
und entschlossen uns, mit "vorbereiteten Umgebungen" zu arbeiten. Wir begannen
5 Felder vorzubereiten, die um die Grundelemente der Situation gruppiert
waren:
1. Information über die momentane Lage der Tauschringe
in Ecuador.
2. Eine Ecke, wo man mehr über die Hilfsmittel im
praktischen Umgang mit den Tauschringen in Ecuador erfahren konnte.
3. Aus dem Bewußtsein heraus daß es ums schlichte
Überleben geht, mußten wir unsere Bedürfnisse und Angebote
deutlich machen. Vorbereitet wurden hierfür die Grundinstrumentarien
wie Grundinformation, Listenerstellung und Formulare zum Ausfüllen.
Angeleitet wurden Leute, die bereit waren, die zu begleiten, die Interesse
zeigten, diese Vorgehensweise bei der Problemlösung kennenzulernen.
4. Eine Ecke, wo man sich mit den Erfordernissen der Kommunikation
und des Transports befaßte.
5. Eine Ecke, wo man einige Geräte der alternativen
Technologie kennenlernen konnte.
6. Ohne Vorbereitung einer besonderen Ecke waren wir von
Anfang an bereit, uns mit dem Thema zu befassen "Bedürfnis nach Selbstverwirklichung",
das sich in der Kreativität und in den Künsten ausdrückt.
Am letzten Tag kam Leben in diese Ecke, weil die Teilnehmer spontan die
Wichtigkeit dieses Aspektes des menschlichen Lebens erkannten.
Ein paar Teilnehmer hatten mit dieser Struktur Schwierigkeiten
und am ersten Tag beklagten sich viele, daß das Fehlen der traditionellen
Strukturen zu viel Verwirrung stifte. Aber bald wurde klar, daß sich
die Stimmung änderte, sobald die Teilnehmer sich mehr bewußt
wurden, daß sie verantwortlich waren für das, was passierte.
Nur die Leute, die mehr formell erzogen waren, beklagten sich weiterhin,
während die Ärmeren und Einfacheren anfingen, das zu tun, was
ihren Interessen entsprach und sich mit absoluter Konzentration bemühten,
etwas zu schaffen, was ihren Bedürfnissen entgegenkam. Ein Besucher
mit beachtlichen Erfahrungen von Kongreßveranstaltungen sagte, daß
er noch nie Arbeitsgruppen mit so viel Intensität und Konzentration
erlebt habe ohne daß Techniken zur Motivation eingesetzt wurden.
Es gab auch Konflikte, aber das Schöne daran war,
daß sie ausgedrückt und bearbeitet wurden. Bei einem bestimmten
Punkt entschieden sich zwei Teilnehmer früher zu gehen (einer war
kein Mitglied eines Tauschringes und war nicht eingeladen, erwartete aber
ein Vorgehen nach seinem Kopf).
So oft wie möglich spielten die Gruppen Musik und
tanzten - die typische Marimba von Esmeraldas, die Bomba von Chota oder
die andische Musik von Cotacachi. Niemand verstand, wie es möglich
war, Schwarze, Indianer und Mestizen so harmonisch und glücklich zu
vereinen. Und unter den indianischen Gruppen waren Protestanten und Katholiken
harmonisch zusammen ohne die Spannungen, die in manchen Provinzen zu erheblichen
Konflikten, Gewalt und Todesfällen geführt hatten.
Ohne die Notwendigkeit, den Prozeß zu lenken und
zu steuern, entstanden die gewünschten Ergebnisse. Die Menschen begegneten
einander, schlossen Freundschaften und beschlossen, sich gegenseitig in
ihren Bedürfnissen zu unterstützen. Man diskutierte eingehend,
wie man das machen könnte. Viele kreative Ideen wurden vorgetragen.
In ausführlichen Diskussionen wurde klar, daß niemand eine Institution
ins Leben rufen wollte. Einzelne sollten aus eigenem Antrieb sich entschließen,
sehr konkrete und sehr dringliche Aufgaben zu übernehmen. Drei Teilnehmer
fanden sich bereit, als nationale Koordinatoren zu fungieren. Eine Teilnehmerin
entschloß sich, mit Hilfe ihrer Studenten für soziale Kommunikation
die Verantwortung für die Organisation eines Kommunikationsnetzes
unter allen Gruppen zu übernehmen und ein monatliches Nachrichtenblatt
zu veröffentlichen. Ein anderer übernahm die Verantwortung, die
Bemühungen zur Unterstützung von alternativen Technologie-Geräten
zu koordinieren. Sicherlich müssen wir erst die wirklichen Ergebnisse
abwarten. Nach allem, was in den letzten drei Monaten passiert ist, und
weil ich erfahren habe, wie hoffnungsvoll und glücklich all diese
Menschen waren, zweifle ich nicht mehr daran, daß viele wichtige
und dringend nötige Schritte sich aus diesem Treffen ergeben werden.
Viele Gruppen in den Städten wie Esmeraldas und Loja
befinden sich in den Slums. Sie leben ohne Hoffnung, kaum eine Mahlzeit
pro Tag, ständig auf der Suche nach Arbeit, um ein Einkommen zu haben.
Wenn sie Glück haben und etwas Geld verdienen, ist es gewöhnlich
unter dem Minimum eines menschenwürdigen Überlebens. Das sind
Gebiete mit vielen sozialen Problemen. Der einzige Weg aus dieser Situation
herauszukommen ist, lokale, dezentralisierte, arbeitsintensive Produktionseinheiten
zu schaffen, um diesen Menschen irgendwie eine Teilnahme an dem Tauschring
Netzwerk zu ermöglichen. Aus diesem Grund legen wir Wert auf Information
über alternative Technologien wie z.B. die Herstellung von Seife,
Öl, Kleidung, Baumaterialien etc. Aber um solche Projekte zu starten,
brauchen wir Geld , denn momentan können wir uns keinen Stahl, Werkzeuge
und Maschinen mit unseren Methoden der alternativen Wirtschaft beschaffen.
Wir müssen Wege finden, die Kluft zwischen der monetären
Wirtschaft und der alternativen Wirtschaft zu überbrücken. Damit
vieles davon innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne geschehen kann,
brauchen wir Geld. Von fünf Institutionen, die wir mit dem Projektvorschlag
ansprachen, sagten uns drei, daß diese Projekte nicht in ihren Bereich
fielen. Das entmutigte mich sehr. In einigen Fällen hatte ich eine
negative Antwort für unmöglich gehalten. Ich bin nicht sicher,
ob ich geträumt habe oder ob ich träumend wach war, aber ich
sah mich selbst, wie ich auf dem Fußboden Geld fand.
Eine Frage, die sehr ausführlich besprochen wurde,
war, wie man die Ärmsten in den Armenvierteln der Großstädte,
die keine stützende Gemeinschaft haben, integrieren könne. Dies
könnte ein Risiko für das nationale Netzwerk der Tauschringe
bedeuten. Wir hatten schon solche Probleme in unserer Tauschring Gruppe
in Pestalozzi, wo Leute in einem anderen Stadtteil ihre eigene Gruppe gründeten.
Sie kannten sich nur flüchtig, und einige begannen, das System auszunutzen.
Normalerweise versuchen Menschen in solchen Fällen Kontrollmaßnahmen
einzuführen, hauptsächlich um die Verschuldung in Grenzen zu
halten. Aber wie können die Ärmsten der Armen in unserer Gesellschaft
etwas beisteuern, wenn sie wirklich gar nichts haben? Es wurde mal wieder
klar, daß, was bei anderen nicht gemacht wurde, bei den Ärmsten
als berechtigt angesehen wurde d. h. ihnen Grenzen setzen. In dieser Diskussion
kam folgender Gedankengang zum Ausdruck: Wenn wir Grenzen setzen müßten,
dann sollte es an Hand des niedrigsten Satzes zum Überleben, der als
unterste Grenze in Ecuador anerkannt wird, geschehen. Viele sahen ein,
daß , wenn das geschehe, all die anderen - ohne die Grenze - die
Forderung des Minimalsatzes nicht erfüllen konnten. Was kann man in
solch einer Situation machen? Auf dem Kongreß erhielten die Koordinatoren
Gruppen die Aufgabe, sich etwas einfallen zu lassen und allen Gruppen einen
Vorschlag zu unterbreiten.
Neben den heikelsten Fragen, wie man an die verschiedenen
Produkte kommt, die jeder braucht und die man nicht selbst herstellen kann,
tauchte immer wieder die Frage auf nach dem "Etwas- schuldig- sein" und
dem relativen Wert der Produkte oder Dienstleistungen
Da einer der Leitlinien des Tauschrings der Entschluß
ist, die Lebensprozesse zu achten, werden ständig Bilder, wie das
Leben abläuft, herangezogen. Ein stets wiederkehrendes Bild ist die
Frage: Können wir ohne Sonne leben? Sind wir der Sonne zu Dank verpflichtet?
Wann werden wir zurückzahlen? Wir empfangen das Leben umsonst. Wie
können wir damit umgehen? Ein anderes Bild, was gebraucht wurde, war:
Woher kommt das Brot? Ursprünglich von der Mutter Erde. Fühlen
wir uns der Mutter Erde für das Brot, das wir essen, zu Dank verpflichtet?
Diese Bilder halfen uns zu erkennen, daß all diese Vorstellungen
von Schulden und Schuldig-Sein sich auf gesellschaftliche Konventionen
und letztlich auf den Geldwert beziehen. Können wir diese Fragen von
einem anderen Paradigma aus behandeln? Wir versuchen es.
Wir spürten, daß man den Wert der Dinge von
dem Bedarf nach ihnen her definieren sollte. Wenn wir die Frage nach dem
Wert der Dinge von dem Gesichtspunkt des wirklichen Bedarfs danach angehen
können, können sich die Dinge verändern. Angenommen ich
möchte unbedingt Hähnchen essen. Ich zweifle, daß ich mehr
als eines pro Tag essen kann. Also ist es nicht sinnvoll, zehn Hähnchen
zu kaufen. Im Gegenteil, ich müßte sie füttern, was nicht
nur Unkosten verursacht, sondern auch viel Mühe macht. Wenn die Menschen
mehr kaufen oder erwerben als sie brauchen, dann deshalb, weil es die Möglichkeit
beinhaltet, damit Geschäfte zu machen, d. h. es in Geld umzuwandeln.
So besteht der Wert im Geld und nicht im wirklichen Bedarf.
Hinter diesen Gedankengängen spüre ich einen
möglichen Zugang zu einer nachhaltigen Entwicklung, der Achtung gegenüber
der Natur und dem Mitmenschen anstatt der Wertschätzung von Reichtum,
Vermögen und Macht. Natürlich sind das unkonventionelle Gedanken,
aber mit den heute gültigen Konventionen zerstören wir das Leben
auf unserem Planeten. Im Tauschring beziehen sich die zu zahlenden Beträge
auf den zuvor vereinbarten Wert der Transaktionen und sind nur wirksam
als Erinnerung an die Transaktion. Aber die Bedürfnisse werden nicht
gebraucht , um den Geldwert zu schaffen. Wenn wir weiterhin den Dingen
anstatt dem Leben, den Lebensprozessen und den Bedürfnissen den Wert
zuschreiben, können wir der Falle, in der das heutige System uns gefangenhält,
nicht entkommen.
Die Arbeitsbelastung ist nach dem Kongreß größer
geworden: ein Treffen nach dem anderen, dauernd der Druck, kein Geld und
immer noch keine Kontakte zu Reisbauern. Als ich den Bericht so weit geschrieben
hatte, spürte ich, daß es wichtig wäre, ihn sofort abzuschicken,
aber nach nochmaligem Spüren, war klar, daß es nicht OK war.
Deshalb schicke ich ihn erst jetzt.
Jetzt bin ich zurück von einer Reise in verschiedene
Dörfer in der Küstenregion von Ecuador und ich nahm Kontakt auf
zu den Reisbauern. Der erste Kontakt kam zustande durch einen Kongreßteilnehmer
in Playas, dessen Familie Reisbauern sind, in der Nähe des Dorfes,
wo ich als Kind einige Jahre verbrachte. Damals lag das Dorf am Rande des
Dschungels.
Diese Reise zeigte, daß harte Arbeit vor uns liegt.
Ohne genaue Adressen war es zuerst ziemlich schwierig , den Weg zu den
kleinen Familienbetrieben der Bauern zu finden. In Guarumal hatten wir
den Namen "recinto"(Gelände) und in diesem Fall zwei "recintos" mit
dem gleichen Namen, aber an verschiedenen Stellen. Als wir nach dem Weg
fragten, sagten uns viele, wir sollten vorsichtig sein, denn auf diesen
Straßen seien schon viele Autos überfallen worden. Wir kamen
mittwochs an, und obwohl wir von dem Sohn vorgestellt waren, war es schwierig,
das Mißtrauen der Leute aus dem Weg zu räumen. Die ewig wiederkehrenden
Schwierigkeiten tauchten auf: Wie könnt ihr ohne Geld leben? Unmöglich.
Wir verstehen es nicht. Wir müssen uns nochmals treffen. Aber unsere
Erfahrung ist es immer wieder: Je mehr man redet, ohne es wirklich zu machen,
desto unmöglicher ist es zu verstehen. Schließlich entschlossen
sie sich als Familie einen Tauschring zu beginnen, um die Erfahrung zu
machen, worüber sie dann mit ihren Nachbarn reden könnten. Es
wurde vereinbart, daß wir am Samstag zurückkommen sollten, um
mit den Nachbarn eine Gruppe aufzubauen.
Wir reisten in ein anderes Dorf ungefähr 300 Meilen
weiter südlich. Mit sehr ähnlichen Schwierigkeiten gründeten
wir dort eine Gruppe am Dienstag, kehrten am Freitag zurück, knüpften
andere Kontakte und am Samstag nachmittag waren wir wieder in Guarumal.
Bevor wir wirklich über die Arbeit sprechen konnten, saßen wir
länger als eine Stunde da. Wir fühlten uns ins Zeitgefühl
von Pflanzen versetzt, wo Zeit einen anderen Rhythmus hat. Als wir schließlich
auf das Thema kamen, hatten sie sich endgültig entschlossen, sich
nicht mehr einzulassen und aus dem Tauschring auszutreten. Der Grund: Sie
konnten sich nicht vorstellen, wie sie an die anderen Produkte, die sie
brauchten, kommen könnten, solange es nicht noch andere Gruppen in
der Region gab oder, wenn es nicht im nächsten Dorf ein Geschäft
gäbe, das dem Tauschring angegliedert sei. Nach vielen Wiederholungen
und einem Hin und Her wurde entschieden: wir würden in ungefähr
20 Tagen mit ihrem Sohn und Bruder, die die anfänglichen Kontakte
hergestellte hatten, wiederkommen und bis dann sollten sie einfach warten.
Wir selbst würden anfangen, den Transport der Güter von der Gebirgsregion
an die Küste und umgekehrt zu organisieren.
Die ganze Zeit versuchte ich, wirklich präsent zu
sein. Auf dem Heimweg versuchte ich zu verstehen, was geschehen war. Ich
spürte, es war sehr ermutigend und gleichzeitig eine große Herausforderung.
Ohne Zweifel leben sie mit der Möglichkeit, wirklich Mensch zu sein,
aber sie haben nicht mehr die Kraft, ständig zu kämpfen. Wenn
wir jedoch dieses Netz von Tauschringen aufbauen können, wo der materielle
Druck eines unmenschlichen Wirtschaftssystems irgendwie gemildert werden
kann, tritt eine Menschlichkeit zu Tage, die unglaublich ist.
Dies ist unsere Herausforderung. Bei solchen Chancen ist
es wirklich ein Privileg, die Möglichkeit zu haben, diese Arbeit zu
tun.
Dr. Monika Schillat
Potentiale des Tauschringprinzips zur Schaffung
von Arbeit
Was ist an den Tauschringen bzw. -systemen so innovativ? Auf diese Frage
wird wohl jede/r unterschiedliche Antworten geben, in Abhängigkeit
davon, aus welchen Motiven man/frau sich den Tauschringen zugewandt hat,
welche Erfahrungen in und mit diesen Zusammenhängen gesammelt, und
wie diese reflektiert werden. Diejenigen, die vor allem geld- und/oder
wirtschaftsreformerische An- und Absichten haben, "übersetzen" offenbar
bereits die vier Buchstaben "LETS" anders als diejenigen, die über
das Tauschringprinzip äquivalenten wechselseitigen Gebens und Nehmens
vor allem ein Mittel sehen, um dadurch neue, zusätzliche, notwendige
Arbeit zu generieren und so Bedürfnisse zu befriedigen und bestimmte
Aufgaben zu realisieren, die sonst unbefriedigt bzw. unerledigt blieben.
Wenn ich die Lage richtig einschätze, dann verstehen sich in der Bundesrepublik
die meisten Tauschringe als Selbsthilfeeinrichtungen zur Förderung
der erweiterten Nachbarschaftshilfe. Die Tatsache, daß sich beständig
solche Einrichtungen neu gründen, zeigt, dass es für diese Form
der "Tauscharbeit von Bürger zu Bürger" (Helmut Saiger) einen
wachsenden Bedarf gibt, und wenn sich diese Tauschformen zur Zufriedenheit
der Mitglieder nach innen qualifizieren, erhöht dies auch die Attraktivität
des Tauschringprinzips nach außen. Doch damit sind die Entwicklungspotentiale
dieses Prinzips in Bezug auf die Generierung von Arbeit, die "Erziehung"
zu neuen Verhaltensweisen bei der (Tausch)Arbeit und zur Erzielung zusätzlicher
Mittel zur Sicherung des Lebensunterhalts gewiß noch nicht erschöpft.
Es gibt Tauschringe und/oder einzelne Aktive, die theoretisch und /
oder praktisch eine Erweiterung des Aufgabenfeldes in verschiedenen Richtungen
andenken oder erproben, sei es in Richtung einer Alterssicherungsmöglichkeit
nach tauschringähnlichem Prinzip, der verstärkten Einbeziehung
von Gewerbetreibenden, der Kooperation mit gemeinnützigen Einrichtungen,
Beschäftigungsträgern u.a..
Mich – und wie ich vermute andere auch, die z.B. im Rahmen der Lokalen
Agenda "von unten" mitarbeiten – bewegen diese Fragen: Wie kommen Tauschringe
(die dies auch wollen) aus ihrer Privatheit heraus, wie kommen sie wirklich
in die lokale Gesellschaft? Wie kann ihre marginale Bedeutung, die sie
im lokalökonomischen Bereich haben, aufgebrochen werden. Wie kann
man mit Hilfe von Tauschringen dazu beitragen, zusätzliche, nicht-prekäre
Erwerbsarbeit zu schaffen und so sozialer Ausgrenzung begegnen?
Die in diesen Fragen enthaltenen Aufgaben lassen sich nicht bewältigen,
indem Tauschringe für sich an Attraktivität gewinnen, zahlreicher
und größer werden oder versuchen, z.B. Politiker, Medien, Gewerbetreibende
oder wen auch immer, zu missionieren.
An was es uns – der Tauschring-Bewegung – m.E. mangelt, sind nicht hehre
Ziele, Ideale und Absichten, sondern realistische Strategien zur Verwirklichung
dieser Ziele.
Ich plädiere dafür, in Karlsruhe nicht nur über papierne
Positionen, bloße Ansichten und unterschiedliche Erfahrungen zu diskutieren
(siehe TSN Nr. 10 und 11), sondern über trag- und konsensfähige
lokale Strategien, die transferierbar sind. Dazu wäre es sicher auch
nützlich, über Erfahrungen aus Modellprojekten zu reden, die
zusätzliche Arbeit in unterschiedlichen Formen schaffen wollen, die
aber stagnieren oder gescheitert sind (z.B. das Linzer Modell).
Mir wäre es ein Bedürfnis, über die Funktionen zu reden,
die die Tauschsysteme realisieren können, um im Dritten Sektor bzw.
System die Schaffung von Erwerbsarbeit(splätzen) zu unterstützen
bzw. in Kooperation mit Einrichtungen des Ersten (privaten) und Zweiten
(öffentlichen, staatlichen) Sektors diese Aufgabe zu erfüllen.
Vielleicht kann in diesem Zusammenhang das von der Interdisziplinären
Forschungsgruppe "Lokale Ökonomie" an der TU Berlin entwickelte Drei-Sektoren-Modell
bzw. die Darstellung über Formierungsperspektiven des Dritten System
hilfreich sein (siehe Grafiken), um sich darüber zu verständigen,
mit welchen Akteuren Lokale Partnerschaften sinnvollerweise geschlossen
werden können.
Da ich es für illusorisch halte, Arbeit völlig geldlos entlohnen
zu wollen (schon deshalb unmöglich, weil z.B. der Mietzins
kaum in "Talenten", "Batzen", "Punkten" usw. zu entrichten sein dürfte),
wäre zu überlegen, wie z.B. das über geldlosen Arbeits-
oder Ressourcentausch "gesparte" Geld in Fonds verwaltet und zur Finanzierung
von Arbeit auf lokaler Ebene verwendet werden kann. – Dies wäre eine
Idee, noch keine Strategie!
Natürlich fehlen zur Durchsetzung innovativer Projekte zur Schaffung
von Arbeit viele Rahmenbedingungen, möglicherweise rechtliche Absicherungen
oder veränderte Gesetzesgrundlagen, über die wir über längere
Zeiträume als nur in drei Tagen zum Bundestreffen kommunizieren müßten.
Hier bietet es sich an, bei der in Gründung befindlichen Arbeitsgemeinschaft
Drittes System Vorschläge zu unterbreiten, damit die Tauschringe auch
"ordnungspolitisch" verankert werden.
Dr. Monika Schillat
Interdisziplinären Forschungsgruppe
Lokale Ökonomie an der TU Berlin,
Mitglied im Tauschring Berlin-Marzahn
Konsens von München
Gesellschaftspolitische und ökonomische
Anliegen und Wirkungen der deutschen Tauschsysteme
(erarbeitet auf dem Bundestreffen vom 1. - 3. Mai 1998 in München)
1. Nachbarschaftshilfe - Kommunikation schaffen
-
Abbau von Schwellenangst und Mißtrauen, Isolation und Anonymität
in der Nachbarschaft
-
Austausch zwischen Menschen fördert die Kontakte untereinander
-
Treffpunkte entstehen
-
Kontakte zwischen unterschiedlichen sozialen Gruppen und Altersgruppen
2. Ökonomische und soziale Selbsthilfe - Selbstbestimmung - Selbstverwaltung
-
Versorgung mit Dienstleistungen und Produkten, die man sich mit dem vorhandenem
Einkommen nicht leisten will oder kann
-
alle Arbeiten und Entscheidungen erfolgen durch die Mitglieder der Tauschringe
selbst
3. Entfalten des Selbstwertgefühls, der Phantasie und Kreativität
-
Eigene Fähigkeiten und Stärken und deren Vielfalt werden entdeckt
und gefördert, vorhandene Ressourcen werden genutzt
-
Bei den Fähigkeiten ansetzen, nicht beim "Mangel"
-
Ermutigung zum aktiven Handeln, ökonomisch und sozial
-
Bieten die Möglichkeit, den Selbstwert nicht ausschließlich
über die Erwerbsarbeit zu definieren
4. Gleichberechtigung / gegenseitiger Respekt
-
Kein Gefälle zwischen Gebenden und Nehmenden (kein schlechtes Gewissen
bei Hilfebedürftigkeit)
-
Solidar- statt Konkurrenzökonomie
-
Fairer, gleichberechtigter Umgang miteinander, gegenseitiger Respekt
-
sich sowohl der eigenen Fähigkeiten als auch der eigenen Bedürfnisse
bewußt werden
5. Neubewertung von Arbeit und Leben
-
Kopf- und Handarbeit, Frauen- und Männerarbeit, angeblich weniger
qualifizierte Arbeit werden neu eingeordnet
-
Tauschringe als neue Möglichkeit zwischen bezahlter und ehrenamtlicher
Arbeit
-
Wert der eigenen Fähigkeiten entdecken und für sich und andere
nutzbar machen, unabhängig z.B. von bestehenden Kriterien des Arbeitsmarktes
6. Gemeinwesenentwicklung, lokale Ökonomie, Verbesserung der Lebensqualität
-
Entwicklung nachhaltigen Wirtschaftens
-
Erfüllen sozialer Grundbedürfnisse
-
Beitrag zur Entwicklung einer lokalen Agenda 21
-
Global denken, lokal handeln
-
Ökologie : Ressourcenschonung durch kurze Wege, Müllvermeidung,
Wiederverwerten und gemeinsames Nutzen von Gebrauchsgütern
-
Soziale Kompetenz der Gesellschaft erhöhen
-
Sinnvolle Arbeit im Gemeinwesen wird durch ein geeignetes Tauschmittel
ermöglicht
-
Vernetzung von Bewohnern, Projekten und Vereinen auf lokaler Ebene
-
Förderung lokaler Strukturen
-
Beitrag zur "Standortsicherung" durch Verbesserung sozialer Strukturen
7. Bildungsarbeit zum Zusammenhang zwischen Ökonomie und Leben
-
Verstehen von Wirkungs- und Funktionsweise des Geldes praktisch erfahrbar
machen
-
Ursachen gegenwärtiger Probleme verstehen, z.B. Arbeitslosigkeit,
Umweltstörung, soziale Ungerechtigkeit, Finanznot
8. Modellversuche für nachhaltiges Wirtschaften
-
Neue Kooperationsbeziehungen zwischen Privatpersonen, Unternehmen und anderen
Organisationen (z.B. der öffentlichen Hand, Vereine) eingehen
-
Modellhaftes Lernen im Erfahren von Versuch und Irrtum
9. ...außerdem macht Tauschen Spaß
Positionspapier deutscher Tauschsysteme
BAG, Arbeitsgemeinschaft bundesdeutsche Tauschsysteme
Liebe TauschfreundInnen, wie versprochen, nun endlich das angekündigte
Positionspapier vom Treffen in Rostock. Wir freuen uns über viele
Rückmeldungen!!! Klaus Reichenbach
Unsere Gesellschaft befindet sich in einer Krise. Der Wohlfahrtsstaat
leistet nicht mehr das, was er kostet. Der Gesellschaft geht die Lohnarbeit
aus, d.h.
die bezahlte Arbeit, während die Gewinne der Multis stetig steigen.
Die Staats- und Kommunalverschuldung wächst in gigantische Höhen,
und die kommunalen und staatlichen Institutionen können aufgrund ihrer
immer knapper werdenden Gelder ihren sozialen und kulturellen Aufgaben
nicht mehr gerecht werden.
Dennoch ist kein allgemeiner Niedergang festzustellen, sondern ein weltweiter
Umbruch, der neben großen Gefahren auch viele neue Chancen bietet.
Selbsthilfe, Kreativität und neues Denken ist erforderlich, um die
sozioökonomischen Anforderungen zu bewältigen, vor die sich die
Gemeinschaften gestellt sehen. Wie also organisieren wir uns und unsere
gesellschaftlichen Belange neu?
Es gibt immer mehr Bürger und Bürgerinnen, die das Füreinander
selbst in die Hände nehmen. Bürger mit Sinn für das Gemeinwohl
helfen anderen und sich selbst. Sie errichten eine Infrastruktur, die auf
dem Prinzip der gegenseitigen Hilfe und Anerkennung beruht, die eine reziproke,
eine neue Kultur des Gebens und Nehmens schafft.
Die über 350 Tauschsysteme (Tauschringe, Seniorengenossenschaften
u.a.) in Deutschland sehen sich als Teil dieser gesamtgesellschaftlichen
Umorientierung. Aus mindestens zwei ideengeschichtlichen Traditionen heraus,
den geld- und wirtschaftstheoretischen und den sozialreformerischen, entstanden
und entwickeln sich Selbsthilfeinitiativen, die den anwachsenden sozialpolitischen
und ökonomischen Defiziten in unserer Gesellschaft eine Fülle
von Handlungsmöglichkeiten, Talenten und Fähigkeiten entgegensetzen
- jenseits verordneter oder institutionalisierter Bürgerarbeit. Hier
werden die Einzelnen wieder dazu befähigt, Hauptakteure in ihrem Lebenszusammenhang
zu sein und verantwortlich in Gemeinschaft zu handeln. Sie erkennen den
Wert des Menschen, der Arbeit und der Umwelt als Basis allen Reichtums
an. Im Austausch der sozialen, geistigen und wirtschaftlichen Hilfe untereinander
entstehen neue Modelle für eine zukunftsfähige Gesellschaft.
Sie sind Experimentierfelder für Gemeinwesenarbeit, lokale, soziale
und nachhaltige Ökonomie, neue Arbeit und Neubewertung von Arbeit,
für Arbeit als lebensgestaltendes Element in einer neuen "Tätigkeitsgesellschaft".
Tauschsysteme sind lokale, oft private Zusammenschlüsse von Menschen,
die im Rahmen eines DM-unabhängigen Verrechnungs- bzw. alternativen
Wertsystems Leistungen und Sachen multiliteral tauschen. Das Tauschmittel
ist zumeist die Zeit, d.h. es wird in Stunden oder Minuten aufgewendeter
oder in Anspruch genommener Zeit ( = Lebenszeit) verrechnet. Alle Arbeit,
auch die sogenannte "Frauenarbeit" erfährt so die gleiche Bewertung.
Der Preis von Sachen, Lebensmitteln, von Leihen/Verleihen wird entsprechend
ausgehandelt.
Tauschsysteme haben unterschiedliche Organisationsformen, passen sich
den jeweiligen Bedürfnissen ihrer Teilnehmer/innen an. Sie sind keine
Dienstleistungsagenturen, keine Wirtschaftsunternehmen, auch kein profitorientiertes
Gewerbe. Sie organisieren sich in möglichst hierarchiefreien
(nicht machtbesetzten), demokratischen bis basisdemokratischen Strukturen.
Jeder/jedem wird damit die Möglichkeit zur aktiven Teilnahme am sozialen
Geschehen und an der Entwicklung der Gemeinschaften geboten.
Allen gemeinsam ist eine erweiterte Nachbarschaftshilfe und die Bildung
von lokalen, sozialen, ökonomischen Netzwerken mit häufig ökologischer
Orientierung. Sie setzen auf Eigeninitiative und Selbstverantwortung, Entfaltung
des Selbstwertgefühls durch Selbstbestimmung der Arbeit, durch Kreativität
und Phantasie, auf die Vielfalt menschlicher Fähigkeiten und Talente.
Tauschsysteme sind autonom, Teilnehmerinnen und Teilnehmer handeln sebstbestimmt
und eigenverantwortlich.
Die gesellschaftliche Wirkung und Relevanz zeigt sich in den folgenden
Zielen und Grundpositionen.
Deutsche Tauschsysteme wollen:
Ø die soziale Kompetenz des/der einzelnen, damit Eigenverantwortlichkeit
und Selbsthilfe und kommunikatives Handeln unterstützen.
In Tauschsystemen erfährt sich der/die Einzelne als ganzer Mensch,
der über eine Fülle von Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügt,
die von anderen gebraucht werden und von gesellschaftlichem Nutzen sind.
Durch die Entdeckung und Entfaltung eigener Talente und Kreativität/Phantasie,
gewinnt sie/er Freude, Selbstwertgefühl und Vertrauen, die sie/ihn
ermutigen, aktiv und kompetent zu handeln und sich in die Gemeinschaft
einzubringen.
Menschen unterschiedlichster Herkunft und aus verschiedenen Lebenssituationen
lernen sich über den Input: "Ich biete an, ich brauche" kennen und
üben sich darin, miteinander und mit Konflikten umzugehen. Sie agieren
in einem "geschützten Raum", in einem überschaubaren Netzwerk
von Gleichgesinnten, vertrauen in deren Anständigkeit und Verbindlichkeit.
Vertrauen und soziale Netze vermindern Angst und Isolation, setzen neue
Handlungsspielräume frei und die Bereitschaft, Zeit für sich
selbst und andere aufzubringen.
Sicherheit ersetzt Versicherung: Man weiß - nicht nur in Notfällen
- , wer aus dem Tauschnetz helfen kann.
Intakte Nachbarschaften und neue Beziehungsgeflechte fördern
Lebensfreude und individuelle Handlungskompetenz, mobilisieren gesundheitliche
Stabilisierung und Selbsthilfepotentiale, entlasten öffentliche Einrichtungen.
Ø soziale Netze und Nachbarschaften, solidarisches Engagement
und Gemeinschaft fördern
Der gesellschaftlich sanktionierte Grundsatz, vor allem den privaten
Nutzen zu maximieren, führt zu Vereinsamung und Isolierung, - also
zu all' den sozialen Schwächen, unter denen Gesellschaften heute leiden.
Bürgerinnen und Bürger, die sich in Tauschsystemen engagieren,
gehen jedoch davon aus, daß die Menschen aber, um ein "gutes
Leben" leben zu können, Glück und Zufriedenheit vor allem dann
finden, wenn sie Gemeinschaftsaufgaben erfüllen, in denen es um die
Verantwortung für andere Menschen und zukünftige Generationen,
um die Erhaltung unserer Mitwelt und gemeinsamen Güter geht.
Das Wissen über Bedürfnisse und Bedarf der Gemeinschaft wächst
durch Gemeinsamkeit, durch Feste, Gemeinschaftsveranstaltungen.
Tauschsysteme sind offen für alle und bilden so eine bunte soziale
Mischung, die neue Solidaritäten zuläßt, neue Gruppen und
soziale Netze, die auch Schwächere in der Gemeinschaft stützen.
Tauschsysteme fördern intakte Nachbarschaften, neue Beziehungsgeflechte,
fördern die Verwantwortung für das Gemeinwesen und demokratisches
Verhalten. Sie machen eine Wiederaneignung der sozialen und ökonomischen
Räume möglich.
Als soziale Netze können sie präventiv und gesundheitsfördernd
wirken und Kriminalität, Gewalt und Umweltzerstörung vorbeugen.
Eigen- und Mitverantwortlichkeit, Gleichberechtigung und Mitbestimmung
in offenen Organisationsstrukturen ermöglichen die Einübung in
politisches Handeln.
In Tauschsystemen werden neue Traditionen des Gemeinwesens möglich.
Ø eine gerechtere Verteilung von Arbeit und Werten erreichen,
neue Arbeitsformen erproben, Arbeit neu bewerten.
Wer bestimmt, was Arbeit ist? Was Tätigkeit, Beschäftigung
oder Spiel?
E.F.Schumacher hat von einer dreifachen Funktion der Arbeit gesprochen:
Sie gibt dem Menschen die Chance, seine Fähigkeiten auszuüben
und zu entfalten - sie vereinigt ihn mit anderen Menschen zu einer gemeinsamen
Aufgabe - und sie verschafft ihm die Mittel für ein menschenwürdiges
Dasein. Alle drei sind lebenswichtig, weil sie ihm zu einer sozialen Identität
verhelfen. Arbeit ist also mehr als Erwerbsarbeit. Arbeit ist das im Leben
mit am wichtigsten immaterielle Gut. Der tätige Mensch sucht sich
in dem, was er arbeitet, zu erfahren, seine Erfahrungen zu gestalten, das
Gestaltete zu verändern, um wieder neu zu erfahren .... Arbeit ist
also mehr als nur Broterwerb.
Arbeit ist Alltagsgestaltung, ist Eigenarbeit. In Tauschsystemen fragen
sich die Leute erst einmal, ob sie ihre Dinge nicht selber bzw. untereinander
geregelt bekommen.
Arbeit ist Dienst am Nächsten, ist Gemeinschaftsaufgabe, ist Kultur-
und Bildungsarbeit - und diese sollte nicht nur Ware sein.
"Um 3,6 Millionen Arbeitslose wieder zu beschäftigen, ist ein Wirtschaftswachstum
von 35 % nötig - eine illusorische Zahl, illusorisch auch deshalb,
weil in Deutschland seit 30 Jahren die Produktivität pro Arbeitsstunde
schneller steigt als das Bruttoinlandsprodukt."
Arbeitslosigkeit kann auf Dauer nicht durch Umverteilung von unten nach
oben, durch Investititionsförderung und Wachstum vertrieben werden,
durch Lohnersatz und Sozialhilfe.
Das Statistische Bundesamt hat ermittelt, daß nur 38 Prozent der
in Deutschland geleisteten Arbeit bezahlt, aber 62 Prozent unbezahlt geleistet
wird - vor allem von Frauen ( Stat. Bundesamt 1995). Gesellschaftlich notwendige
Arbeit muß aber in allen ihren Facetten und ihrem Wechselspiel angesehen
werden. Gesellschaftliche notwendige Arbeit ist also nicht nicht nur
"geldwerte", marktvermittelte Arbeit.
Selbstwertverlust entsteht durch den Verlust von sinngebenden und gesellschaftlich
anerkannten Tätigkeiten, die noch immer als "bezahlte Arbeit" im herkömmlichen
Verständnis definiert werden. Der Verlust von bezahlter Arbeit ist
Ursache der aktuellen sozialen und kulturellen Krise des Alltags.
Arbeit, gerade auch die nicht mit Geld bezahlte, muß im
Einklang stehen nicht nur mit den materiellen (existenzerhaltenen) Anforderungen,
sondern auch der inneren menschlichen Natur entsprechen. Gerade Tauschsysteme
entwickeln und praktizieren hier zukunftsfähige Modelle, in denen
alle Arbeit gleich bewertet und anerkannt wird. Sie schaffen in ihren Netzwerken
Räume für öffentliche Anerkennung und Bestätigung auch
der Non-Profit-Arbeit.
Tauschsysteme bieten Experimentierfelder für die "neue Arbeit",
für sinnstiftende Tätigkeiten im ganzen Lebenszusammenhang.
Ø alternatives Wirtschaften testen, lokale Ökonomie
fördern und ökonomisches Umdenken anregen.
Lokale Ökonomie betrachtet die Region oder den Ort nicht als beliebigen
wirtschaftlichen Standort, sondern als Einheit, als Lebenszusammenhang
einer bestimmten Bevölkerung mit ihrer natürlichen Umwelt und
der gewachsenen Kultur. Diese Diktion entspricht der Idee der Tauschringbewegung.
Die Auswirkungen der Globalisierung, die z.B. ganze Regionen verarmen
läßt, zwingen zum ökonomischen Umdenken. Lokale/regionale
Ökonomie, die auf den Bedürfnissen der Menschen und der Ressourcen
und Bedingungen vor Ort basiert, wird immer notwendiger.
Wir sehen es auch als Recht aller Menschen an, eine "angemessene
wirtschaftliche Entwicklung" verwirklichen zu können entsprechend
der Forderung der Brundtland-Kommission.
Tauschsysteme verhelfen dazu, die Ökonomie wieder einzubetten in
zukunftsfähige und lebenswerte soziale Bezüge. Ein Schritt dorthin
ist die Eigenversorgung mit Dienstleistungen und Produkten aus dem lokalen
Umfeld. Die hier erwirtschafteten Leistungen bleiben in der Verfügungsgewalt
der Beteiligten, machen unabhängiger von den Schwankungen der Weltwirtschaft.
Durch eigene Verrechnungssysteme können so Wissen, Fähigkeiten
und Kreativität der Menschen vor Ort aktiviert werden. Tauschsysteme
zeigen, dass dadurch Fülle und Lebensqualität entstehen, die
nicht durch künstliche Knappheiten begrenzt werden.
Ø mehr Unabhängigkeit von Arbeitsmarkt und Geld erlangen
Den Gesellschaften geht die bezahlte Arbeit aus, so dass es immer mehr
Menschen geben wird, die keine Möglichkeit haben, auf dem 1. Arbeitsmarkt
ihr notwendiges Einkommen zu verdienen. Statt dann aber von Sozialhilfe
und Arbeitslosengeld abhängig zu werden, auf die Versorgung "von oben"
zu warten, gibt es in Tauschsystemen Möglichkeiten, selbst tätig
zu werden und sich neuen sozialen Netzen anzuschließen.
Hier erfährt die/der Einzelne nicht nur Anerkennung und eine Wertschätzung
der eigenen Arbeit, sondern auch geldunabhängige Bezüge, die
jenseits von Konsum und Arbeitsmarkt neue und zukunftsweisende Lebensqualitäten
erschließen. Tauschsysteme gehen von gesellschaftlich notwendiger
und sinnstiftender Arbeit aus. In ihnen wird alle Arbeit gleich bewertet
und so organisiert, dass jeder seinen Beitrag leisten kann. Die Fülle
der gemeinschaftlichen Ressourcen führt zu immer mehr Selbstbestimmung
und Unabhängigkeit von den Zwängen des Arbeits- und Geldmarktes.
Ø eine neue Kultur des Gebens und Nehmens aufbauen
Wie sehr die Orientierung an der Maximierung des eigenen Nutzens und
der Vermarktung selbst noch des Seelenheils alle Bereiche unseres Lebens
beherrscht, zeigen die Diskussionen über Ethik, Gewalt und Verbrechen.
Auch bei Wirtschaftsverbrechen und Steuerdelikten entsteht oft der Eindruck,
dass es sich hierbei um lediglich "Kavaliersdelikte" handelt.
Die Praxis in den Tauschsystemen zeigt, dass ausgewogenes Geben und
Nehmen sowohl zu einem gesunden Selbstwertgefühl als auch zu
einem gesunden sozialen Netzwerk gehören, das "gute Leben" fördern,
neue Horizonte öffnen.
Tauschsysteme tragen dazu bei, den Zusammenhang von Ökonomie
und Leben, die Wirkungs- und Funktionsweisen von Geld und Geldkreisläufen
zu verstehen und damit die Ursachen von gesellschaftlichen Problemen zu
erkennen.
Ø neue Konsummuster und Lebensstile im Sinne der Agenda 21 entwerfen
Eine "angemessene wirtschaftliche Entwicklung" ist nicht vereinbar
mit den Konsumansprüchen der Durchschnittsbürger in den Industrienationen.
Um auf dieser Erde überleben zu können, brauchen wir einen massvolleren
Umgang mit unseren Ressourcen und eine Orientierung an Werten, die sich
zu leben "lohnen".
In Tauschsystemen geht es um Zeitwohlstand statt Güterreichtum,
werden Ressourcen geschont und Müll vermieden durch kurze Wege, Wiederverwertung
und gemeinsames Nutzen von Gebrauchsgütern.
In Tauschsystemen machen die unterschiedlichsten Menschen mit unterschiedlichsten
Biographien mit: Berufstätige, Teilerwerbstätige, Kleingewerbler,
Arbeitslose, Alleinerziehende, Selbständige, Rentner, Studenten und
Schüler, Hausfrauen, Akademiker, Angestellte - Tauschsysteme
sind für alle offen.
Tauschsysteme beteiligen sich an Gemeinwesenaufgaben und arbeiten zusammen
mit:
-
Bürgerhäusern, Häusern der Eigenarbeit oder entsprechenden
Einrichtungen
-
Alten- und Serviceeinrichtungen
-
Bildungseinrichtungen, VHS, Gewerkschaften, NGO's (Nichtregierungsorganisationen)
-
Frauenorganisationen
-
Agenda 21 Initiativen
-
Gründer- und Existenzaufbauzentren, Kleingewerbe, Produzenten,
Biobauern
-
Kommunalen und sozialen Einrichtungen
-
Arbeitsinitiativen, soweit sie nach neuen Wegen suchen
Tauschsysteme wenden sich gegen jede weltanschauliche, religiöse oder
politische Vereinnahmung, gegen jegliche Ausnutzung des Tauschsystems,
gegen autoritäre Verhaltensweisen und Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte.
Tauschsysteme fordern
· die Anerkennung der Tauschbewegung als eine gesellschaftlich
innovative und notwendige Kraft, die nicht behindert, sondern gefördert
werden muß.
· die Beteiligung an der Konzeptentwicklung für "Bürgerarbeitsmodelle".
("Tauscharbeit" ist auch bürgerschaftliches Engagement, wirkt sich
als soziale Vernetzungsarbeit aus und beruht auf freiwilligem Engagement,
muss deshalb von Staat und Kommunen unterstützt werden.)
· die Unterstützung durch Staat und Kommunen durch die
Schaffung von Rahmenbedingungen für Selbsthilfenetzwerke und Selbstorganisation
von Stadtteilinitiativen
· die Bereitstellung von räumlichen und personellen Ressourcen.
· flexibles Reagieren auf Ideen.
· Förderprogramme in Sachen Werteausgleich.
· Nichtanrechnung von Tauschwerten bei Sozialleistungen gerade
wegen der präventiven Wirkung von Aktivität in einem geschützten
Rahmen.
· Steuerfreiheit für Tauschleistungen von Privatpersonen
· Steuerfreiheit für Kleingewerbe im Rahmen einer Experimentierphase
zur Stärkung der lokalen Ökonomie und des Gemeinwesens.
· Hinzuziehung von Vertreterinnen und Vertretern von Tauschsystemen
zu Arbeitsmarkt- und sozialen Programmen.
· Wissenschaftliche Unterstützung zur Überwindung
"blinder Flecken".
· Runde Tische, Zusammenarbeit auf allen kommunalen Ebenen,
Fachforen.
Die Arbeitsgemeinschaft bundesdeutsche Tauschsysteme
Email: Zbkassel@aol.com
Postanschrift: c/o Zeitbörse, Kölnische Str. 99, 34119 Kassel
Tel. 0561 / 72885-47, Fax 0561 / 72885-58
News - Service aktuell, Kassel, 4.10.1999
Liebe TauschfreundInnen,
damit auch jeder weiß, was die AG Tausch so macht, haben wir
eine kleine
Informationsschrift über unsere Arbeit und die Personen, die dahinter
stehen,
verfasst. Auch hier wünschen wir uns viele Rückmeldungen
und Anregungen.
Viel Spaß beim lesen....
Klaus Reichenbach
Die "Arbeitsgemeinschaft bundesdeutsche Tauschsysteme" ist ein überregionaler
Zusammenschluß von Menschen, die in der Tauschbewegung aktiv
sind. Sie hat es
sich zur Aufgabe gemacht, die Tauschidee auf allen Ebenen zu fördern
und dazu
beizutragen, daß sie als notwendige Kraft in einem gesamtgesellschaftlichen
Veränderungsprozeß wahrgenommen und entwickelt wird.
Die Arbeitsgemeinschaft bundesdeutsche Tauschsysteme will:
· Integrativ wirken und ein Forum sein für den Ideenaustausch
zwischen Tauschsystemen aus dem In- und Ausland.
· Die inhaltliche Arbeit zwischen den Bundestreffen fortführen
und Erfahrungen aus den bisherigen weitergeben.
· Sich um tauschsystemübergreifende Aufgaben kümmern.
Hierzu gehören z.B. Steuer- und Rechtsfragen, die Einbeziehung von
Gewerbe, Beschäftigung von ABM-Kräften, Vor- und Nachteile von
Vereinsgründungen.
· Bildungsarbeit leisten - z.B. in Form von Seminarangeboten,
aber auch das "empowerment" der Einzelnen in den Tauschsystemen unterstützen,
durch "LETS-bzw. Tauschsystem-Akademien", Weiterbildung durch Zukunftswerkstätten
oder ganz neue Möglichkeiten.
· Tauschsysteme in die kommunalen Zusammenhänge und Gemeinwesenarbeit
integrieren.
· Mit anderen gesellschaftlichen Gruppierungen und Institutionen
Lösungen und Strategien - auch auf der politischen Ebene - entwickeln,
die die Defizite in unserer Gesellschaft abbauen oder vermeiden helfen.
· Die öffentliche Präsenz der Tauschsysteme stärken
Wir setzen uns ein:
Ø für eine Neubewertung von Arbeit.
Ø für ein menschengerechtes lokales und soziales Wirtschaften.
Ø für neue Formen des Gebens und Nehmens.
Ø für mehr Solidarität in unserer Gesellschaft.
Ø Für Nachhaltigkeit in allen Lebenszusammenhängen.
Ø für neue Konsummuster und Lebensstile.
Ø für eine natürliche kulturelle Vielfalt
Ø für die bewußte und gegenseitige Förderung
individueller Fähigkeiten und
Talente.
Kurz-Geschichte der Arbeitsgemeinschaft
Die Idee für eine überregionale Zusammenarbeit entstand auf
einem Seminar in Freudenstadt im Februar 1998. Auf einem ersten Treffen
in Berlin und dann im Mai 1998 beim 4. Bundestreffen in München begann
sie mit ihrer praktischen Arbeit.
-
Dort wurden "Gesellschaftspolitische und ökonomische Anliegen und
Wirkungen der deutschen Tauschsysteme" erarbeitet und vorgestellt.
-
Im Sommer 1998 wurden Wahlprüfsteine zu den Themen Verfügbarkeitsregelung,
Sozialleistungen, Steuern aufgestellt, verschickt und ausgewertet.
-
Im Herbst/Winter 1998 arbeitete die AG an ihrem Selbstverständnis
und gab sich einige vorläufige Grundsätze, um Formalien zu regeln.
-
Im September 1999 beim 5. Bundestreffen in Rostock stellt die Arbeitsgemeinschaft
ein Positionspapier für die Tauschsysteme vor.
Die Finanzierung der Arbeit erfolgt aus eigener oder der Kasse des jeweiligen
Tauschsystems. Für Einzelne sind diese Kosten auf Dauer nicht
tragbar.
Deshalb wird die Möglichkeit, einen Förderverein o.ä.
zu gründen, erwogen.
Persönliche Treffen finden gelegentlich - derzeit mit etwa einem
¼-jährlichen
Abstand statt. Der nächste Termin ist am 19./20. November vorgesehen.
Zur Mitarbeit eingeladen ist jede/jeder, die/der sich kontinuierlich
an den
Aufgaben beteiligt.
Derzeitige Teilnehmer/innen und deren Arbeits/Interessenschwerpunkte:
...
Womit sind wir angetreten?
Was geht gemeinsam weiter?
Thema 3 des Tauschring Bundestreffens 2000 in Karlsruhe
Diskussionsbeitrag von Helfried Lohmann,
gehalten auf dem Markttag des TR-Ka am 13.9.00
Die Tauschring-Bewegung hat im großen und ganzen drei Wurzeln.
1. Wiederbelebung der Nachbarschaftshilfe / Leistungsaustausch
2. Soziale Kontaktbedürfnisse
3. Geldtheoretische und Alternativ-Wirtschaftliche Überlegungen
Ich denke das kann von allen anerkannt werden, auch wenn der eine oder
andere Tauschring sich nur auf eine dieser Wurzeln bezieht oder eine andere
Wurzeln hat. Was gemeinsam weiter geht hängt mit davon ab, was überhaupt
weitergeht. Und wovon hängt ab, ob und was weiter geht? Diese Frage
möchte ich näher beleuchten.
Damit der Tausch weitergeht braucht es:
1. Menschen, die die Orga-Arbeit machen
2. Begeisterung und etwas, mit dem ich mich Identifizieren kann
3. einen interessanten "Markt".
1. Orga-Arbeit
Die Orga-Arbeit muß finanziert werden. Das heißt möglichst
wenig Aufwand (viel Effiziens) und Einnahmen entsprechend dem Aufwand.
Das ist eine frage guter Organisation und hängt auch davon ab, ob
die Motivation zum Tauschen von selbst da ist.
Das Orga-Team (jeder TR hat so etwas, egal wie es heist) trägt
verantwortung für demotivierende Faktoren. Es kann initiativen starten
und unterstützen, aber es kann nicht Aufgabe des Orga-Teams sein,
Motivation zu schaffen. Dann wären wir im kapitalistischen Markt,
wo (sinnlose) Bedürfnisse geschaffen werden, damit Arbeitsplätze
erhalten bleiben, oder Kapitalinteressen befriedigen werden.
Wenn nicht getauscht wird, ist es an der Zeit:
- Die Qualität des Orga-Teams auf demotivierende Schwachstellen
zu prüfen.
- Den Umfang der Orga-Arbeit auf eine vernünftige Relation zum
Tauschvolumen zu reduzieren.
- Sich über Personalwechsel gedanken zu machen. Ist das Orga-Team
ausgepowert oder zu sehr in sich verstrikt?
2. Begeisterung und Identifikation
Begeisterung kann nicht geschaffen werden - aber verhindert.
Ob beim Tauschen Begeisterung aufkommt, ist eine Frage von übereinstimmung
mit "Lebensenergie" und "im Fluß sein". Eine Frage, ob Bedürfnisse
richtig erkannt und treffend befriedigt werden können und ob es gelingt,
das bewußt zu machen.
Wenn ich mich und meine Ziele positiv verwirklichen kann, dann dann
ich mich auch mit der Gruppe oder Idee identifizieren, die das ermöglicht.
Begeisterung hat etwas mit Geist zu tun - also jenseits von materiellen
Bedürfnissen. Damit ich den Geist einer Idee oder Gruppe erkennen
kann, braucht es ein klares Profil. Es braucht auch Abgrenzung (nicht unbedingt
Ausgrenzung) und einen Fockus auf die Zentralen Themen. Damit ich weis,
welche Themen zentral sind, muß ich zuerst wissen, was ich will und
wünsche. Ohne die Kenntnis von mir selbst kann ich nicht begeistern
- allenfalls eine gewisse Euphorie verbreiten, die selten von Dauer ist.
Tauschringe sind i.d.R. pragmatisch auf gegenseitige Hilfe angelegt.
Sie befriedigen auch einige soziale Bedürfnisse sehr gut und schaffen
Kontakt. Aber sie bieten wenig Identifikationsmöglichkeit. Dezidiert
eigenständige Positionen, die sich von anderen Organisationen (und
deren Wertesystemen) unterscheiden lassen, finden sich nur bei der Frage
der Bewertung der Arbeit und bei der Geldkritik.
Weiter bieten Tauschsysteme eine praktische Unterstützung im Zusammenwirken
der Menschen aus einem bestimmten Kreis. Seniorengenossenschaften - Wohnprojekte
- Freie Schulen - Glaubensgemeinschaften - Szenekreise - Kundenkreise -
Internetgemeinschaften. Alle diese speziellen Tauschsysteme sind auch ein
Teil und eine Bereicherung der Tauschring-Bewegung - auch wenn ich
mit dem Glaubenssystem der Gruppe, die den Tauschring macht evtl. nicht
einverstanden bin. Es muß allerdings transparent gemacht werden,
wenn ein Tauschsystem zu einer bestimmten Gruppe gehört. Wenn ich
weis, aus welcher Motivation heraus die Teilnehmer eines bestimmten Tauschringes
sich zusammengeschlossen haben, dann kann ich mich mit diesem Tauschring
vernetzen (oder auch nicht). Z.B. haben wir in Karlsruhe eine Kooperation
zwischen dem Tauschring.KA und dem Tauschring "Geben und nehmen" an der
Waldorfschule beschlossen. So schaffen wir einen interessanteren Markt.
3. Ein interessanter Markt
Für einen interessanten Markt brauche ich viele Verschiedene Angebote,
die auch tatsächlich verfügbar sind. Damit sich viele einbringen
möchten, braucht es Motivation und Identifikation. Es müssen
sich also viele verschiedene Menschen mit ihren Zielen und Bedürfnissen
im TR wiederfinden können. Auf der anderen Seite bracht es dafür
ein klares Profil. Konsequenter Weise folgt daraus die Forderung, viele
kleine Tauschsysteme mit eigenen Profil zu bilden und zu vernetzen. So
entsteht ein interessanter Markt und viel Identifikationsmöglichkeit.
Es können auch einfach Stadtteilgruppen sein, die allerdings offen
für Menschen aus anderen Stadtteilen sein sollten. Mit einer guten
Büro-Organisation sollte der Verwaltungs-mehraufwand geschafft werden
können.
Bundestreffen – was soll's?
Regine Deschle
Ziele, Inhalte, Struktur von Bundestreffen – was erwarten wir?Im Vorfeld
des Bundestreffens 1999 hatten wir schon mal einige Gedanken entwickelt,
wie wir uns die Tauschringlandschaft und die bundesweiten Treffen vorstellen
(s. Heft 8/99 der Tausch-System-Nachrichten). Dazu kam es jedoch 1999 noch
zu keiner Diskussion. Da uns das Thema jedoch am Herzen liegt und auch
andere mitunter etwas anderes erwarten, als jeweils veranstaltet wird,
sollten wir darüber in Karlsruhe diskutieren.
Hier kurz zu unseren ersten Gedanken:
-
Was erwarten wir von einem Bundestreffen?
-
Wollen wir einen Grundkonsens über unser Selbstverständnis erreichen?
-
Welchen Charakter sollen die Bundestreffen haben?
-
Wollen wir Entscheidungen treffen, Beschlüsse fassen?
1. Ausgangspunkt
So wie wir innerhalb der meisten unserer Tauschringe miteinander
umgehen, so wollen wir es auch zwischen den Tauschringen halten. Wir wollen
unsere Autonomie und Basisdemokratie erhalten, wir wollen gleichberechtigt
sein, wir wollen Transparenz und Offenheit. Dazu gehört für uns
auch Toleranz gegenüber anderen Auffassungen. Vielseitigkeit und Verschiedenartigkeit
soll und darf es in unserer Landschaft geben.
2. Das Bundestreffen als Institution
An erster Stelle wünschen wir uns den Erfahrungsaustausch über
alle uns interessierenden Fragen. Darüber hinaus kann das Bundestreffen
zu einer gemeinsamen Plattform der Tauschringe werden, etwa so wie bereits
in Kassel (1997) und München (1998) begonnen wurde. Dazu müßten
wir uns über das Zustandekommen von Übereinkünften verständigen.
Es könnte aber auch die Form eines Weiterbildungsseminars annehmen
oder Teile davon integrieren. Dies könnte aber auch getrennt von den
Treffen – sozusagen dazwischen gesondert veranstaltet werden. Dazu könnten
wir einen Referent/innen-Pool bilden, in dem sich für die verschiedenen
Themen sachkundige Personen aus den TR oder von anderen Institutionen sammeln.
3. Veranstalter und Rahmen
Wir meinen, daß die Bundestreffen kontinuierlich jährlich
– wie bisher – von unterschiedlichen Tauschringen und damit in wechselnden
Städten veranstaltet werden, um Belastung und Verantwortung, aber
auch Gewinn an Aktivität und Ansehen auf viele Tauschringe zu verteilen.
Der veranstaltende Tauschring soll weitgehend autonom bei Themenwahl und
Gestaltung sein. Günstig ist, wenn sich der Veranstalter-Tauschring
bereits ein Jahr vorher – also dieses Jahr hier für das Treffen 2001
– bereit finden würde. Dazu müßte in den Tauschringen vorher
beraten worden sein. Dann könnten Erfahrungen bei der Vorbereitung
sowie Materialien, Checklisten o.ä. direkt am Ort an die Nachfolger
übergeben werden.
Allen Tauschringen muß die Teilnahme am Treffen möglich sein,
d.h. eine Begrenzung der Teilnehmer/innenzahl fänden wir nicht gut.
4. Entscheidungen
Verschiedene Arten von Entscheidungen sind denkbar: Beschlüsse,
Empfehlungen, Resolutionen, Stimmungsbilder, … Sie hängen vom Inhalt
und vom Zweck der jeweiligen Übereinkunft ab. Wenn wir damit z.B.
an die Politik oder an die Öffentlichkeit treten wollen, ist schon
ein bestimmtes Maß an Verbindlichkeit nötig, damit die Bundesarbeits-gemeinschaft,
die ja unsere Interessen nach außen vertreten soll, verläßlich
agieren kann.
Über Fragen, z.B. zur Rechtsform, zur inneren Organisation, Mitgliedschaft,
Vernetzung u.ä. sollten wir Empfehlungen geben. Am günstigsten
wird sein, zu jeder Entscheidung die jeweils geltende Verbindlichkeit zu
benennen. Das Prinzip der Freiwilligkeit (Autonomie) sollte auch hierbei
gelten, damit sich alle dazugehörig fühlen können.
Sehr wichtig finden wir, die Entscheidungen, die auf dem Bundestreffen
getroffen werden sollen, vorher in den einzelnen Tauschringen zu diskutieren.
Das bedeutet, daß die zur Entscheidung stehenden Fragen vorher in
den Tausch-System-Nachrichten allen zur Kenntnis gelangen. Dann können
sich auch die nicht anwesenden Tauschringe – vorher schriftlich – an der
Entscheidung beteiligen.
Damit sprechen wir zugleich die Frage nach der Legitimation der Teilnehmenden
an, die einen Konsens erreichen sollen oder mehrheitlich abstimmen. Über
diese "Mehrheiten" (der Anwesenden, Stimmen der Tauschringe, 2/3 Mehrheit,…)
sollten wir uns einigen, da ja erwartungsgemäß nicht alle Tauschringe
und zum Entscheidungsplenum nicht alle Teilnehmenden anwesend sein werden.
5. Information/Öffentlichkeit
Wir halten es für selbstverständlich, daß alle Beschlüsse,
Empfehlungen, Stimmungsbilder o.ä. in den Tausch-System-Nachrichten
und in der Dokumentation des jeweiligen Treffens veröffentlicht werden.
Damit gewährleisten wir zugleich, daß sich auch die nicht anwesenden
Tauschringe an der weiterführenden Diskussion beteiligen können.
Das sind unsere ersten Gedanken, die wir auch bei uns noch nicht umfassend
diskutiert haben.
Es wäre toll, wenn wir in einer Gruppe von Interessierten hier
darüber sprechen könnten, um dem Abschlußplenum dazu einen
Vorschlag zu unterbreiten.
Das Recht zu tauschen
Stefan Purwin
Aus: "Ohne Moos geht’s los - Tauschringe
in Deutschland", Sept. 1998
Hrsg: Kreuzberger Tauschring, Netzwerk
Selbsthilfe
Tauschringe in Deutschland sind neu. Sie
sind anders. Da soll auf einmal etwas, was unter Freunden üblich und
auf dem Dorf auch heute noch Gang und Gäbe ist, in einer größeren
Nachbarschaft möglich werden, der Tausch ohne Geld. Dieser Tausch
von Dienstleistungen in Taler, Prinzen, Kreuzer, Peanuts, Tiden u.s.w.,
basiert auf Vertrauen und kann nicht vor Gericht eingeklagt werden. Wie
soll das denn nun in irgendeine Schublade passen, geschweige den in unser
Rechtssystem? Unsicherheit macht sich breit, wenn einmal etwas nicht geregelt
ist.
Ist es denn nun Schwarzarbeit, wenn ich
meinem Nachbarn das Fahrrad repariere? Muß ich den Haarschnitt, den
ich meiner Nachbarin verpaßt habe, in meiner Steuererklärung
angeben? Wird es mir künftig von der Sozialhilfe abgezogen, wenn ich
für jemanden einkaufen gehe? Muß ich mich gar in die Handwerksrolle
eintragen lassen, wenn ich das Zimmer eines Nachbarn tapeziere?
Die Debatte im vergangenen Jahr um die
rechtliche Einordnung der Tauschringe ist leise geworden, hat aber Spuren
der Verunsicherung hinterlassen. Dabei hat es zahlreiche positive Verlautbarungen
gegeben. Die hessischen SozialamtsleiterInnen entschieden im November 1996,
Tauschleistungen nicht auf den regelmäßigen Sozialhilfebezug
anzurechnen. Auch die Berliner Sozialämter und die Sprecherin des
Berliner Landesarbeitsamtes fühlen sich vom Tauschhandel nicht berührt,
wie eine Nachfrage der Zeitung "Tagesspiegel" ergab. Ebenso ist der Besteuerungsansatz
für Tauschleistungen aus den Haushaltsansätzen des Bundes für
die Jahre 1997/98 ersatzlos gestrichen. Die Antworten von Regierungsstellen
und PolitikerInnen auf die Forderungen in den Wahlprüfsteinen, die
die Arbeitsgemeinschaft bundesdeutsche Tauschsysteme aufgestellt
hat, sind ebenfalls ermutigend. So folgt die Staatskanzlei in Berlin unserer
nachfolgenden rechtlichen Bewertung bezüglich der Verfügbarkeitsregelung
(SGB III) und der Steuern.
Entwarnung also? Die Arbeitsgemeinschaft
bundesdeutsche Tauschsysteme fordert zur Rechtssicherheit und Verbindlichkeit
für alle örtlichen Behörden und zur Verhinderung von zeit-
und kostenaufwendigen Einzelprüfungen Verordnungen, daß private
Tauschring-TeilnehmerInnen explizit von einer Anrechnung auf Sozialleistungen
ausgenommen sind (siehe Kapitel "Politische Forderunen"). So lange dies
nicht geschehen ist, wird es weiterhin diese Verunsicherungen und die Abhängigkeit
von den jeweiligen SachbearbeiterInnen vor Ort geben und so lange sind
die nachstehenden Ausführungen wichtig für eine Lobbyarbeit und
eventuellen Rechtfertigungen einzelner Tauschringe oder TeilnehmerInnen
gegenüber Behörden.
Ausschlaggebend für die rechtliche
Bewertung ist der Unterschied zwischen gewerblichen Tauschaktivitäten
im Rahmen eines angemeldeten Gewerbes und Tauschaktivitäten privater
Mitglieder als Form der organisierten Nachbarschaftshilfe.
Nachbarschaftshilfe
ist keine Schwarzarbeit
Tauschringe sind in der Regel lokal
auf die Nachbarschaft, auf einen begrenzten Sozialraum, ausgerichtet. Die
räumliche Nähe kann die gleiche Straße, der gleiche Stadtteil,
die Gemeinde oder auch eine Region sein. Abgesehen von den praktischen
Gründen, daß sich der Tausch über größere Entfernungen
wegen der langen Wege schlechter organisieren läßt, liegt die
Motivation zu dieser lokalen Beschränkung im ideellen Wert der Nachbarschaftshilfe.
Die Nachbarschaft stellt zusammen mit Familie,
Verwandtschaft und Freunden ein soziales Netzwerk dar. Die Förderung
der Nachbarschaftshilfe ist eines der Ziele von Tauschringen. Nachbarschaftshilfe
und bürgerschaftliches Engagement ist gesellschaftlich sinnvoll und
gewollt, so daß sie grundsätzlich steuer- und versicherungsfrei
ist. Schwarzarbeit liegt daher auch nicht vor, wenn es sich um Nachbarschaftshilfe,
Gefälligkeiten oder Selbsthilfe im Wohnungsbau handelt (§1
Abs. 3 Gesetz zur Bekämpfung von Schwarzarbeit).
Was Nachbarschaftshilfe ist, wird in diesem
Gesetz nicht definiert. Es gibt aber Kriterien dafür, die Herr Dr.
Marschall, Ministerialrat im Bundesministerium für Arbeit und Soziales
in seinem Buch "Bekämpfung illegaler Beschäftigung" zur Erläuterung
dieses Gesetzes beschreibt:
"Nachbarschaftshilfe ist...die gegenseitige
Unterstützung zwischen Nachbarn...Dabei sind Nachbarn einmal die Personen,
die in räumlich enger Beziehung zueinander wohnen, also Zimmernachbarn,
Wohnungsnachbarn, Hausnachbarn, aber auch die innerhalb einer Straße,
eines Wohnblocks oder eines überschaubaren kleinen Stadtviertels gemeinsam
wohnenden Personen. Über diese "Nachbarn" im engeren Wortsinne hinaus,
werden im Rahmen der Auslegung der Vorschriften über die Nachbarschaftshilfe
auch die Angehörigen einer gemeinsamen Familie als Nachbarn angesehen,
sowie die Angehörigen eines örtlichen Vereins oder einer örtlichen
Gesellschaft.
Beispiele:
Der Maler A streicht die Wohnung des
Elektrikers B im Nachbarhaus. B repariert dafür elektrische Leitungen
in der Wohnung des A.
Der Stukkateur C aus Hamburg bessert
die Decke in der Wohnung seines in Frankfurt lebenden Vaters D aus.
E ist Mitglied eines Schützenvereins.
Er richtet eine Scheune im Anwesen des Schützenkönigs als Festraum
her.
In allen Fällen liegt Nachbarschaftshilfe
vor.
Nachbarschaftshilfe wird meistens unentgeltlich
geleistet. Wird ein Entgelt gewährt, so liegt es meistens in der Gegenseitigkeit,
mit der von dem durch die Nachbarschaftshilfe Begünstigten wiederum
Nachbarschaftshilfe geleistet wird. Jedoch gehört Unentgeltlichkeit
nicht zwingend zum Begriff der Nachbarschaftshilfe. Auch bei Zahlung eines
Entgelts kann Nachbarschaftshilfe vorliegen."
Anrechnung auf
Sozialhilfe?
Die Ziele des Bundessozialhilfegesetzes
(BSHG) und die der Tauschringe überschneiden sich in einem Punkt:
Unabhängigkeit von der Sozialhilfe. Tauschringe eröffnen zumindest
den Weg in die Richtung, da die erweiterte Handlungskompetenz aktiviert
und Selbstverantwortung gefördert wird. Dennoch wurde die Frage aufgeworfen,
ob Tauscheinnahmen auf Sozialhilfe angerechnet werden könnten. Die
Bundesregierung hat hier auf den Einzelfall verwiesen.
EmpfängerInnen von Sozialhilfe müssen
ihr Einkommen zur Bedarfsdeckung einsetzen. Einkommen im Sinne des BSHG
sind nur tatsächliche, "alsbald realisierbare Zuflüsse in Geld
oder Geldeswert". Als Einkommen werden Einkünfte aus den einzelnen
Einkunftsarten wie selbständiger und unselbständiger Arbeit,
Land- oder Forstwirtschaft berücksichtigt. Einkünfte sind dabei
die um die notwendigen Ausgaben bereinigten Netto-Einkommen.
Der Einkommensbegriff im BSHG lehnt sich
also weitgehend dem im Einkommensteuerrecht an. Danach müßte
auch hier eine Gewinnerzielungsabsicht mit dem Tauschhandel verbunden sein,
also die Absicht positive Einkünfte zu erzielen. Tauschringe und deren
private TeilnehmerInnen sind aber i.d.R. nicht gewinnorientiert, da sie
- besonders bei Zeitorientierung - nicht mehr Verrechnungseinheiten einnehmen
als sie einsetzen. Bei Tauscheinnahmen aus einer gewerblichen oder selbständigen
Arbeit müßten diese aus einer nachhaltigen Tätigkeit hervorgehen.
Die Kriterien dazu werden von den privaten Tauschring-TeilnehmerInnen i.d.R.
nicht erfüllt (siehe unten, zu Steuerrecht).
Darüber hinaus sprechen folgende Punkte
gegen eine Bewertung von Tauschleistungen als Einkommen im Sinne des BSHG
:
-
Die Verrechnungseinheiten der Tauschringe
stellen kein universelles Zahlungsmittel dar. Leistungen und Gegenleistungen
werden lediglich innerhalb des begrenzten Kreises der Mitglieder eines
Tauschringes ausgetauscht.
-
Der Tausch basiert auf Vertrauen. Es besteht
kein Rechtsanspruch auf eine Gegenleistung. Es ist nicht gewährleistet,
daß eine Gegenleistung erfolgt.
-
Zum Zeitpunkt der Leistungserbringung ist
unklar, welche Gegenleistung zu erwarten ist. Soll Einkommen nach dem BSHG
angerechnet werden, muß es sog. "Bedarfsidentität" aufweisen.
Es kann also nur Einkommen angerechnet werden, daß zu Deckung des
‘Bedarfs’ bestimmt ist.
Sozialhilfe wird gewährt als laufende
Hilfe oder einmalige Hilfen zum Lebensunterhalt. Der notwendige Lebensunterhalt
umfaßt insbesondere Ernährung, Unterkunft, Kleidung, Körperpflege
Hausrat, Heizung, und persönliche Bedürfnisse des täglichen
Lebens. Für die laufende Hilfe wird als Regelbedarf ein pauschaler
Geldbetrag gewährt (Regelsatz).
Lediglich die erhaltenen Waren und Dienstleistungen,
die zu diesem Bedarf gehören, könnten als Einkommen gewertet
werden, die eingenommenen Tauscheinheiten selbst nicht. Das Sozialamt müßte
dann jede einzelne Tauschaktion dahingehend bewerten, ob eine Bedarfsidentität
besteht. Solche Einzelprüfungen werden inzwischen durch weitgehende
Pauschalierungen vermieden.
Wird etwas eingetauscht, was über
diesen Bedarf hinausgeht (z.B. Mikrowelle oder Massage, Fahrradreparaturen,
Gesangs- oder Musikunterricht), darf es nicht als Einkommen angerechnet
werden. Die meisten Tauschaktionen dienen aber nicht der Deckung des Bedarfs.
Sie zielen auf eine Verbesserung der Lebensqualität.
Hinzu kommt, daß Sachmittel bzw.
Materialeinsatz ohnehin in DM verrechnet werden, lediglich die Arbeitszeit
wird gegen Verrechnungseinheit eingetauscht. Erhält z.B. ein/e SozialhilfeempfängerIn
Renovierungshilfe vom einem anderen Tauschringmitglied, fallen die Materialkosten
i.d.R. in DM an, während die Hilfeleistung über die Verrechnungseinheit
abgegolten wird. SozialhilfeempfängerInnen müssen ohnehin solche
Arbeiten in Selbsthilfe organisieren, sofern sie dazu in der Lage sind.
Einmalige Leistungen zum Lebensunterhalt können natürlich beim
Sozialamt nicht mehr beantragt werden, wenn sie durch Tauschleistungen
bereits abgedeckt wurden (z.B. Hausrat).
-
Die Mitglieder eines Tauschringes können
ferner nicht davon ausgehen, im gleichen Zeitraum die entsprechende Gegenleistung
zu erhalten, in dem ihnen die Sozialhilfe zufließt. Die Verrechnungseinheiten
sind zunächst fiktive Einnahmen und somit kein Einkommen im Sinne
des BSHG. "Einkommen im Sinne des § 76 BSHG sind nur tatsächliche
Zuflüsse in Geld oder Geldeswert. Nicht alsbald realisierbare Ansprüche
sind dagegen kein Einkommen (BVerwG 31,100).
-
Geringwertige Leistungen wie kleine Geschenke
oder Dienste im Rahmen der Nachbarschaftshilfe werden nicht als Einkommen
im Sinne des BSHG gewertet. Sie müßten einen "finanziellen Marktwert"
haben, d.h. sie müßten sonst mit Geld erworben werden. Nicht-professionelle
bzw. nicht-gewerbliche Dienstleistungen (z.B. Haarschnitt von Bekannten)
wird aber üblicherweise nicht mit Geld vergütet.
-
Bei Tauschringen mit Zeitverrechnung ist die
Ermittlung eines Marktwertes sehr schwierig, da sich die Verrechnungseinheit
nicht an den Marktpreisen in DM orientiert.
-
Tauschen als neue Form von Freiwilligem Sozialem
Engagement:
Bei einer Zielsetzung des Tauschrings
zur Verbesserung der Nachbarschaftshilfe, der Kontakte und der Selbsthilfe
sind nicht nur die Arbeiten der OrganisatorInnen eines Tauschringes ehrenamtlicher
Arbeit gleichzusetzen, sondern auch die aller TeilnehmerInnen. Sie bewirken
mit ihrem Tausch eine Verringerung der Isolation und das Knüpfen eines
sozialen Netzes. Die erhaltenen Verrechnungseinheiten könnten wegen
ihres ideellen Wertes analog den Aufwandsentschädigungen gewertet,
die nicht von der Sozialhilfe abgezogen werden können.
-
Getauschte Waren und Dienstleistungen könnten
auch als "Zuwendung Dritter" gewertet werden, die nicht angerechnet werden,
wenn sie wie in Tauschringen ohne rechtliche oder sittliche Verpflichtung
erbracht werden oder eine besondere Härte vorliegt (z.B. wenn die
Zuwendung durch Arbeit verdient wurde).
Arbeitsförderung
Jüngste Verlautbarungen aus dem
Hause Jagoda ließen Freie Träger und Freiwilligenagenturen aufhorchen.
Trotz des neuen SGB III sollen ehrenamtliche Tätigkeiten ein Kriterium
für die Verfügbarkeit einer arbeitslosen Person sein. Das würde
bedeuten, wer mehr als 15 Stunden pro Woche ehrenamtlich tätig ist
oder mit Tauschaktivität verbringt, verliert sämtliche Ansprüche
auf Arbeitslosengeld oder -hilfe.
Von Dr. Alexander Gagel wurden in seinem
Gesetzeskommentar bereits zum alten AFG "Tätigkeiten, die nicht unmittelbar
Erwerbszwecken, sondern ideellen oder religiösen Zwecken dienen (z.B.
die ehrenamtliche Tätigkeit in einem Verein) oder aus Liebhaberei
geschehen (Hobbytätigkeiten)" von der Verfügbarkeitsregelung
ausgenommen, weil diese "regelmäßig auch von vollzeitbeschäftigten
Arbeitnehmern in erheblichem Umfang ausgeübt" werden und "der Arbeitslose
sie jederzeit einschränken oder ganz aufgeben kann". Die Rechtsprechung
hat die Verfügbarkeitsregelung jedoch restriktiv ausgelegt. Zum Zeitpunkt
des üblichen Posteinganges hatten alle arbeitslosen Personen zuhause
zu sein. Sie mußten täglich die Möglichkeit haben, das
Arbeitsamt sofort aufzusuchen. Dies schloß sämtliche Tätigkeiten
im Rahmen kultureller, sportlicher, karitativer und sonstiger Interessen
aus.
"Diese Rechtsprechung dürfte sich
aufgrund der (neuen) Formulierungen in den §§ 118, 119
SGB III nicht mehr aufrecht erhalten lassen", schreibt Thomas Bubek, Richter
am Sozialgericht Freiburg. "Der Gesetzgeber hat die bisher geltende strenge
Residenzpflicht aufgebenen....Sie können sich jetzt also auch an einem
anderen Ort als Ihrem Wohnort aufhalten und beispielsweise eine andere
zuverlässige Person beauftragen, täglich ihre Post zu überwachen
und Sie erforderlichenfalls (z.B.: telefonisch oder per fax) sofort zu
informieren. Ist dies sichergestellt und halten Sie sich in ortsnaher Entfernung
auf, die es zuläßt, zeitnah zu reagieren, ist Ihre Verfügbarkeit
nicht beeinträchtigt." Die Berliner Staatskanzlei bestätigt für
Berlin-Brandenburg, daß private, nachbarschaftliche Tauschaktivitäten
nicht in Konflikt stehen mit der sog. "Verfügbarkeitsregelung".
Bestimmte Tätigkeiten, wie die Teilnahme
an Trainingsmaßnahmen, Maßnahmen der Berufsfindung oder auch
das Erbringen gemeinnütziger Leistungen, schließen die Verfügbarkeit
nicht aus. Sie werden im §120 SGB III explizit genannt. Wie die
Rechtsprechung dies auslegen wird, bleibt abzuwarten.
Steuern auf Tauschleistungen?
Zur Besteuerung gibt die Bundesregierung
in ihrer Antwort auf die kleine Anfrage der Grünen keine abschließende
generelle Bewertung aller Tauschaktionen ab, sondern macht dies jeweils
vom Einzelfall abhängig. Sie geht davon aus, daß es sich bei
den TauschpartnerInnen in der Regel nicht um Gewerbetreibende handelt,
da keine Gewinnerzielungsabsicht vorhanden ist. Tauschaktionen sind keine
auf Dauer angelegte selbständige Tätigkeit. Selbst bei minimalem
Gewinn würden sie als Bagatelltätigkeiten betrachtet.
Sollten jedoch die Voraussetzungen für
ein Gewerbe gegeben sein, "muß den Anforderungen der Gewerbeordnung
und der Handwerksordnung Rechnung getragen werden (z.B. Eintragung in die
Handwerksrolle). Wegen der Vielzahl denkbarer Ausgestaltungen bleibt dies
jedoch einer Einzelfallprüfung der zuständigen Behörden
überlassen."
Die meisten Verrechnungseinheiten sind als Zeiteinheiten nicht konvertierbar
in die Landeswährung. Bei Gewerbebetrieben als Mitglieder in einem
Tauschring gilt dann aber immer noch die Kleinunternehmerregelung, nach
der der Betrieb umsatzsteuerfrei ist, wenn der Jahresumsatz nicht 32.500
DM übersteigt.
Auch bei der Einkommensteuer hält
sich die Bundesregierung zurück. Sie trennt Erwerbssphäre und
Privatsphäre. Erwerbseinkünfte sind gekennzeichnet durch "die
entgeltliche Verwertung von Leistungen ... am Markt" und durch eine selbständige
nachhaltige Betätigung mit dem "Abzielen auf positive Einkünfte
durch eine unter eine Einkunftart fallende Leistung" (selbständige
Arbeit, nichtselbständige Arbeit, Kapitalvermögen, Gewerbebetrieb
etc.).
Kriterien für die Nachhaltigkeit müssen
allesamt gleichzeitig erfüllt sein: mehrjährige, auf Wiederholung
angelegte Tätigkeit, planmäßiges Handeln, Beteiligung am
Markt, Auftreten wie ein Händler, Unterhalten eines Geschäftslokales
etc. Sie treffen für die privaten Mitglieder in Tauschringen i.d.R.
nicht zu. Tauschringmitglieder gehen demnach weder einer selbständigen
noch einer gewerblichen Tätigkeit nach.
Der Besteuerungsansatz für Tauschleistungen
wurde folgerichtig aus den Haushaltsansätzen des Bundes für die
Jahre 1997/98 ersatzlos gestrichen..
Um die bestehenden Unsicherheiten abzubauen,
fordert die Arbeitsgemeinschaft bundesdeutscher Tauschsysteme auch
hier eine deklaratorische Ausnahme privater Tauschringmitglieder von Besteuerung
sowie eine Steuerfreiheit für Gewerbebetriebe in Tauschringen im Rahmen
einer Experimentierphase (z.B.10 Jahre) zur Stärkung der Lokalen Ökonomie
und zur Regionalförderung. Sollten Steuern erhoben werden, sind diese
in der Verrechnungseinheit lokal und gemeinwesenorientiert einzusetzen.
Um das Entwicklungspotential der Tauschringe nutzen und künftig erweitern
zu können, sollten Hindernisse vermieden bzw. abgebaut werden.
Haftpflichtversicherung
In den meisten Teilnahmebedingungen
ist festgehalten, daß die Tauschenden für die Tauschaktionen
selbst verantwortlich sind und der Tauschring keinerlei Haftung übernimmt.
Geht bei einer Tauschaktion etwas zu Bruch, zahlt aber auch die private
Haftpflichtversicherung in der Regel nicht, da der Tausch meist im Auftrag
erledigt wird. Ob die Tauschringzentrale eine Gruppenhaftpflicht oder Gruppenunfallversicherung
für alle ihre Mitglieder abschließen kann, ist aufgrund der
schwierigen Risikoabwägung durch die Vielfalt unterschiedlicher Tauschaktionen
fraglich.
Eine andere Möglichkeit: Die Zeitbörse
Werra-Meißner denkt momentan über eine interne Absicherung in
ihrer lokalen Verrechnungseinheit nach.
Bankengesetze
Konflikte mit der Bankengesetzgebung
sind bei den Tauschringen nicht zu erwarten und werden deshalb nur kurz
erwähnt.
Zwischen den Tauschring-TeilnehmerInnen
und dem Tauschring können keine schuldrechtlichen Ansprüche geltend
gemacht werden, es besteht kein Anspruch auf Auszahlung des Tauschguthabens
in DM. Das Kreditwesengesetz bleibt dadurch unberührt.
Auch das Bundesbankgesetz findet keine
Anwendung, da die Tauschringe in Deutschland keine Geldscheine oder Noten
ausgeben. Die Guthaben werden lediglich auf Konten gebucht. Sollten dennoch
Gutscheine ausgegeben werden, müssen sie eindeutig als Gutschein erkennbar
und deklariert sein.
Datenschutz
Der Umgang mit den Daten der TeilnehmerInnen
ist nicht nur eine rechtliche Frage, sondern berührt ganz entscheidend
das Vertrauensverhältnis innerhalb eines Tauschringes.
Viele Tauschringe erheben zur Mitgliederverwaltung
und auch als Vertrauensschutzmaßnahme persönliche Daten wie
Adresse, Telefonnummer, Geburtstag und -ort. Darüber hinaus veröffentlichen
viele Tauschringe den Kontostand und die Anzahl der Tauschaktionen beispielsweise
in der Tauschzeitung.
Es sollte auf jeden Fall sichergestellt
werden, daß die TeilnehmerInnen davon wissen, damit einverstanden
sind und ihre Einwilligung schriftlich, z.B. in der Beitrittserklärung,
bekunden. Diese Daten sollten dann auch nur innerhalb des Tauschringes
öffentlich sein. Wird eine öffentliche Zeitung zur Verbreitung
von Tauschangeboten genutzt, sollten die persönlichen Daten codiert
werden.
Literaturliste
Helfried Lohmann
Es gibt verschiedene Literaturlisten mit Buchtips, Zeitschriften und
allgemeiner Literatur über verwandte Themen. Alle sind unterschiedliche
und nur einige haben genauerer Beschreibungen der Inhalte. Die meisten
sind lange nicht aktualisiert.
Vielleicht findet sich jemand, der für die Tauschringe eine Liste
pflegt und kommentiert. Wenn diese Liste einmal steht, kann die Aufgabe
im nächsten Jahr auch an jemand anderen weitergegeben werden.
Beispiele, wo schon was steht:
http://home.t-online.de/home/h.-j.werner/taurnf2.htm
http://www.tauschring.de/d0901lit.htm
und in "Ohne Moos geht’s los - Tauschringe
in Deutschland", Sept. 1998
Hrsg: Kreuzberger Tauschring, Netzwerk
Selbsthilfe
Gewerbe im Tauschring
Norbert Baier
Sind Gewerbebetriebe im Tauschring erwünscht oder nicht ? Das ist
eine Frage, die
in vielen Tauschringen gestellt wird. Sie kann nicht allgemeingültig
beantwortet
werden.
Die Entscheidung darüber, ob Gewerbebetriebe am Tauschring teilnehmen
sollen oder
nicht, kann nur von jedem einzelnen Tauschring für sich selbst
beantwortet werden.
Die Teilnahme von Gewerbe am Tauschring ist von der steuerlichen und
auch
rechtlichen Seite betrachtet kein Problem. Es gibt keine Gesetze, die
es einem
Unternehmen verbieten, sich an einem Tauschring zu beteiligen.
Es ist jedem Tauschring freigestellt, ob er Unternehmen beiteiligen
will oder
nicht.
Für viele Tauschringe ist die Frage, ob Gewerbebetriebe erwünscht
sind oder nicht,
eine Fra-ge des Selbstverständnisses. Da für die gewerblichen
Unternehmen klare
rechtliche und steuerliche Voraussetzungen vorliegen, müssten
aus diesem Grund in
vielen Tauschringen die Spielregeln geändert oder modifiziert
werden, um für die
Betriebe überhaupt tragbare Teilnahmebedingungen am Tauschring
zu bieten.
Wenn sich ein Tauschring für die Beteiligung von Gewerbe entschieden
hat, ist es
für ihn oftmals recht schwierig, Betriebe zum Mitmachen zu bewegen.
Erfahrungen
haben nämlich gezeigt, dass Gewerbebetriebe in Tauschringen sehr
gefragte
Teilnehmer sind. Sehr oft nehmen sie wesentlich mehr Talente (Punkte......)
ein,
als sie verbrauchen können. Erst wenn dieses Problem gelöst
ist, können viele
Unternehmen für eine Teilnahme am Tausch-ring gewonnen werden.
In der Arbeitsgruppe Gewerbe im Tauschring geht es in erster Linie darum,
wie und
unter welchen Bedingungen, es sinnvoll ist Gewerbebetriebe am Tauschring
zu
beteiligen. Es soll deutlich werden was zu beachten ist, wenn Tauschringe
sich mit
der Frage beschäftigen ob sie Unternehmen für sich gewinnen
wollen.
Da unsere Tauschringlandschaft so vielfältig ist möchte ich
Entscheidungshilfen
geben, in wieweit es für einen Tauschring sinnvoll ist, Gewerbebetriebe
bei sich
im Tauschring zu in-tegrieren. Die Entscheidung kann dann letztendlich
jeder
Tauschring nur für sich allein tref-fen.
Norbert Baier
Talent-Tauschring Freiburg e.V.
Ressourcen-Tauschring
aus http://www.bag-tauschsysteme.de/html/resstr1.html
Warum
Teilnamebedingungen
Limits
Teilnahmeerklärung
Warum überregionale Vernetzung?
Umfrageergebnis:
"Wir wollen eine bundesweite Tauschvernetzung!"
Schon lange wird diskutiert, wie Tauschringe untereinander Waren und
Dienstleistungen tauschen könnten. Schlagworte der Debatte: Vernetzung,
Außenkonten oder Verrechnungszentrale. Doch über theoretische
Diskussionen - auch in den TSN - ist man bisher kaum hinausgekommen, das
Thema "Vernetzung" bleibt ein Dauerbrenner in der Tauschring-Landschaft.
Mit dieser Frage sind viele Unsicherheiten und unklare Vorstellungen
verbunden, wie diese Vernetzung überhaupt funktionieren soll. Besonders
schwierig ist der Umgang mit der oft unbegründeten, aber ständig
vorhandenen Angst, durch eine Vernetzung könnte die eigene Unabhängigkeit
verloren gehen, und ein ominöses, unkontrollierbares Machtzentrum
entstehen. Gleichzeitig aber gibt es den starken Wunsch, einen überregionalen
Tausch von Leistungen auf die Beine zu stellen.
1998 machte "LETS-Netz München" als Organisatorin des Bundestreffens
das Angebot alle Leistungen des Veranstalters auf Verrechnungsbasis zu
begleichen. Trotz aller Unsicherheiten haben alle TeilnehmerInnen ohne
Zögern dieses Angebot angenommen.
Die Tausch-System-Nachrichten haben danach das Tauschnetz D vorgestellt
und auch die norddeutsche Verrechnungszentrale. Diese Angebote stießen
auf eine geringe Resonanz - die Fragen bleiben dieselben: Ominöses
Machtzentrum? Verlust der Unabhängigkeit? Funktionsweise der Vernetzung?
Jede Woche erreichen das Tauschring-Archiv Anfragen zu dieser Thematik,
aus denen hervorgeht: Die Unsicherheiten bestehen weiterhin, gleichzeitig
aber auch der Wunsch nach einem überregionalen Austausch.
Das Tauschring-Archiv selbst hat monatlich einen überregionalen
Leistungsaustausch von durchschnittlich 25 Stunden - so wollen wir auf
den nächsten Seiten auf vielfachen Wunsch darstellen, wie unser Ressourcen-Tauschring
funktioniert. Und dabei die Gelegenheit nutzen, mit einer Reihe von Fehleinschätzungen
aufzuräumen.
Regionalität?
Ein immer wiederkehrende Argument besteht darin, den regionalen Charakter
von Tauschsystem zu betonen. Das ist völlig richtig und soll auch
weiterhin so bleiben. Doch trotz aller Regionalität ist es immer wieder
notwendig, auf Angebote anderer Tauschringe eingehen zu können. Einige
Beispiele dazu: Übernachtungen, Urlaub (auch in Deutschland), seltene
Leistungen, die nicht oft angeboten werden (Übersetzungen in Fremdsprachen),
oder einfach auch Leistungen, die im eigenen System nicht zu erhalten sind.
Selbstverständlich wird dabei nicht daran gedacht, eine Waschmaschine
von München nach Hamburg transportieren zu lassen Das wäre ein
ökologischer und sozialer Unsinn. Es geht hier vielmehr um EDV-Leistungen,
Beratungen, Recherchen, und und.... hier ließen sich Seiten
vollschreiben, um detailiert aufzulisten, wieviele Leistungen für
einen überregionalen Tausch in Frage kommen.
1998 wurde in München eine Diplomarbeit geschreiben, die u.a. eine
geographische Auswertung der Tauschbeziehungen im "LETS-NETZ München"
zum Gegenstand hatte, also untersuchte diese Arbeit ein sehr großräumiges
Gebiet, weit über die Stadtgrenzen Münchens hinaus. Dabei stellte
sich heraus, daß sich die Tauschbeziehungen so entwickelten, daß
die Partner von selbst darauf achteten, die nächstliegenden Leistungspartner
zu suchen und zu finden. So sollte es auch grundsätzlich nach den
Prinzipien der Tauschidee sein. Warum also die Bedenken, dies könnte
sich auf Bundesebene anders entwickeln? Zudem kann dies durch eine Verrechnungszentrale
reguliert werden.
Eigenständigkeit?
Die reine Verrechnung der Leistungen und eine überregionale Marktzeitung
können die Eigenständigkeit eines Tauschsystems überhaupt
nicht bedrohen. Dies geschieht eher bei den zur Zeit sehr beliebten Einzel-Außenkonten,
die keiner echten Kontrolle unterliegen. Durch diese Außenkonten,
die völlig frei benutzt werden, kann ein System in die Verschuldungsfalle
geraten.
Das, was derzeit von einigen Leuten als "die dezentrale Patentlösung"
betrachtet wird, ist genau das Gegenteil einer "Patentlösung". Grund:
Es kann zu einerunkontrollierten Abwanderung von Verrechnungseinheiten
und damit zu einer Schieflage des Systems kommen. Es können "reiche"
und "arme" Tauschsysteme entstehen. Das würde zwangsläufig diese
"Seifenblase" platzen lassen, was einen nicht wieder korrigierbaren Schaden
für die Idee zur Folge hätte. Nur eine überregionale Verrechnungszentrale
kann einen solchen Mißerfolg verhindern.
Mehr Aufwand?
Warum sollte mehr Verwaltungsaufwand auf ein lokales Tauschsystem zukommen?
Nur weil ein anderer Buchungsbeleg als der lokale ausgefüllt wird?
Alle anderen Leistungen erbringt doch die Verrechnungszentrale. Das wird
in den Teilnahmebedingungen ausführlich dargestellt.
Kosten?
Auch die Kosten einer überregionalen Verrechnung sind nicht so
groß, wie immer diskutiert oder angenommen wird. Durch eine Ansiedlung
der Verrechnungszentrale beim Tauschring-Archiv und den Tausch-System-Nachrichten
entfallen viele Kosten. Die überregionale Marktzeitung wird als Beilage
der TSN ausgeliefert. Dadurch entstehen keine großen Mehrkosten,
auch der Arbeitsaufwand wird so minimiert.
Die sonstigen Kosten (Verbuchungsgebühr und Sachaufwand) werden
sich auch in einem kleinen Rahmen halten, wenn man bedenkt, daß der
überregionale Leistungsaustausch nur einen begrenzten Umfang haben
wird. Wenn in den nächsten Jahren auch nur 10% der lokalen Verrechnungseinheiten
für einen überregionalen Leistungstausch genutzt würden,
wäre das schon ein großes Tauschvolumen. Außerdem wird
es langfristig bestimmte Limits geben müssen, wieviel Prozent des
lokalen Umsatzes in den überregionalen Tausch fließen dürfen:
Vielleicht bis zu 20 Prozent, damit einzelne Tauschringe keinen Verlust
an Kaufkraft erleiden, der sie dann wirklich in ihrer Selbständigkeit
und wirtschaftlichen Attraktivität bedrohen würde.
Vorteile?
Eine überregionale Verrechnungszentrale kann viele Probleme lösen,
die häufig diskutiert werden: Kontentransfer bei Umzug, Initiierung
gemeinsamer überregionaler Projekte, überregionale Leistungen
von Aktiven auf der Bundesebene, usw. Aber es kann auch viel Frustration
verhindert werden, wenn im eigenen Tauschring erfolglose Gesuche überregional
auf Resonanz stoßen.
Weitere Aspekte:
-
TeilnehmerInnen mit wenig Geld könnten sich Übernachtungen für
einen Kurzurlaub leisten.
-
Sind Produkte nicht vorhanden, die für lokale Leistungen nötig
sind, können sie überregional eingetauscht werden.
-
Werden Leistungen im lokalen System nicht mehr abgenommen, weil das Potential
vor Ort ausgereizt ist, könnten sie über die Verrechnungszentrale
anderen Tauschsystemen zugänglich gemacht werden. Beispiel: Hat ein
produktiver Teilnehmer sein Tauschsystem mit den selbst hergestellten Bildern
ausreichend versorgt, besteht kein Bedarf mehr für seine Leistungen.
Was macht er dann? Ausscheiden?
-
Interessant ist auch die Frage, wie man sich Informationen über eine
fremde Stadt besorgt. Auch das könnte ein Gegenstand überregionaler
Verrechnung sein.
Eine Analyse verschiedener lokaler Marktzeitungen hat ergeben: Ca.
10-15 Prozent der angebotenen Leistungen sind übertragbar auf den
überregionalen Austausch, selbstverständlich unter Berücksichtigung
ökologischer Gesichtspunkte. Dazukommt: Durch die überregionale
Leistungserbringung ist eine direkte Schonung von Ressourcen zu ereichen.
Beispiel: Um Recherchen für das Archiv zu betreiben, muß ich
nicht mehr selbst vor Ort sein, kann mir also die Fahrt und das Benzin
sparen. Ich kann Mitfahrgelegenheiten nutzen, wenn ich zu einem Besuch
möchte.
Schlußbemerkung
Der Ressourcen-Tauschring funktioniert nicht anders als jedes lokale
Tauschsystem: Es handelt sich bei ihm um eine reine Vermittlungszentrale,
die Angebote und Gesuche zusammenführt sowie die Kontostände
festhält. Mehr nicht. Dabei würde niemand in der Tauschring-Landschaft
auf die Idee kommen, seinem lokalen Tauschsystem mißtrauisch zu begegnen.
Genauso wenig Grund gibt es bei einer Verrechnungszentrale, die nur ein
Tauschsystem für Tauschsysteme ist. Jedes System kann jederzeit unter
denselben Bedingungen wie seine lokalen Mitglieder ausscheiden. Dieses
Selbstverständnis der Verrechnungszentrale muß sind langsam
rumsprechen.
Fast alle europäischen Länder, in denen es Tauschsysteme gibt,
haben so eine überregionale Verrechnungsmöglichkeit; auch in
vielen Ländern außerhalb Europas ist das so. Immer wieder wird
in verschiedenen Publikationen darüber berichtet - auch in lokalen
Marktzeitungen. Soll aber ernsthaft ein überregionaler Tausch ins
Leben gerufen werden, wird es schwierig in Deutschland.
Wir wollen: Vielfalt UND Gemeinsamkeit. Dazu brauchen wir eine lebensfähige
und praktikable Alternative. Das kann aber nur geschehen, wenn wir alle
gemeinsam zusammenwirken, nur dann haben wir eine echte Chance, unsere
Ziele zu erreichen. Nun aber zu den Teilnahmebedingungen!
Teilnahmebedingungen
für den
Ressourcen-Tauschring
Kommentiert und begründet aus der
bisherigen Praxis überregionaler Verrechnung
Stand 01.09.1999
1. Gebühren
Für die Zeit vom Beginn der Teilnahme bis zum 31.12.2000 fallen
keine weiteren Gebühren als 20,- DM + 1 Tauschstunde pro Jahr (TS)
für das "Vorsorgekonto" an. (siehe Seite ............, TSN Nr.
8, Aug. 99). In diesen Gebühren sind enthalten:
1.Grundausstattung mit Buchungsbelegen und Listen der Teilnehmer.
2.Überregionale Marktzeitung. Der Versand der Marktzeitung erfolgt
mit den TSN. Zu Beginn erfolgt die Erstellung der Marktzeitung bei jeder
2. Ausgabe der TSN.
3.Versand der Kontoauszüge und aktualisierte Teilnehmerliste.
4.Aufnahme der Anzeigen in die überregionale Marktzeitung.
5.Versand der eingereichten Buchungsbelege an die Tauschsystemverwaltung
des lokalen Tauschsystems der beiden Tauschpartner.
Kommentar zu den Gebühren und den mit ihnen verbundenen Leistungen:
Nach dem 31.12.2000 besteht erst die Möglichkeit einer realistischen
Einschätzung über den tatsächlichen Aufwand. Nach dieser
Phase werden wir die Festsetzung der notwendigen Gebühren, DM + Talente/Stunden
in Absprache mit den Teilnehmern klären.
Mit dem Versand der Kontostände für das vorletzte Quartal
im Jahr 2000, im Oktober, werden wir gleichzeitig eine Übersicht des
bisherigen Aufwandes und eine daraus resultierende Vorausschau für
die Zukunft beilegen. Damit ist gewährleistet, daß sich alle
Teilnehmenden ein realistisches Bild vom Aufwand machen können.
2. Teilnehmer
Es können grundsätzlich nur Tauschsysteme teilnehmen.
Kommentar zur Auswahl der Teilnehmer: Hier setzt das Prinzip der Lokalität
an! In der Vergangenheit gab es immer wieder angedachte Konzepte für
überregionale Verrechnungszentralen, in denen sowohl lokale Tauschsysteme
wie auch juristische Personen teilnehmen konnten. Für diesen Ansatz
könnte man die unterschiedlichsten Begründungen vorlegen. Diese
Argumente halten wir alle nicht für vereinbar mit den grundsätzlichen
Prinzipien der Tauschsystem-Landschaft: Natürlich ist es für
eine Verrechnungszentrale wirtschaftlich interessanter, möglichst
viele Einzelmitglieder zu haben, da dadurch auch mehr Einnahmen zu verzeichnen
sind.
Doch durch diese vielen Einzelmitglieder würde eine Machtposition
der überregionalen Verrechnungszentrale entstehen, da sich diese Einzelmitglieder
(meistens Firmen oder andere Organisationen) bei einem eventuellen Ausscheiden
mit der Verrechnungszentrale direkt einigen müßten, wie der
Ausgleich der Kontostände zu erfolgen hat. Vereinzelt wurde in diesen
angedachten Teilnahmebedingungen immer wieder über einen DM-Transfer
geschrieben. Hier könnte dann theoretisch langfristig ein DM-Gewinn
für die Verrechnungszentrale entstehen. Das wollen wir aber von Anfang
an ausschließen.
Grundsätzlich ist es nicht stimmig, einen Teilnehmer, der nicht
an einem lokalen Tauschsystem beteiligt ist, über eine überregionale
Verrechnungszentrale tauschen zu lassen. Außerdem wollen wir die
lokalen Tauschsysteme stärken und nicht schwächen! Wenn also
eine Firma an diesem System teilnehmen will, muß sie zwangsläufig
Mitglied im örtlichen Tauschsystem werden. Wenn wir diesen Grundsatz
nicht beachten, lösen wir das Lokalitätsprinzip auf!
Denn welcher Sinn ergäbe sich aus einer Teilnahme an einer überregionalen
Verrechnung, wenn ich nicht vor Ort in einem lokalen Tauschsystem aktiv
sein würde?
3. Verrechnungseinheiten
Vorbemerkung: Hier kommt für viele die größte Schwierigkeit.
Alle bisherigen Überlegungen basierten auf dem einfachen Grundsatz:
Wir verrechnen nur Stunde gegen Stunde. Anders war das bei einem theoretischen
Konzept der ‚Urzeit‘ ,das nie weiterentwickelt wurde. Die Folge der reinen
Stunde-Stunde-Verrechnung: Zwangsläufig konnten immer nur die Tauschsystem
teilnehmen, die auf reiner Stundenbasis verrechnen.
Mit dieser Logik schließt man grundsätzlich einen nicht unbeträchtlichen
Teil unserer Landschaft aus. Anstatt ein Gemeinschaft zu bilden, würden
dadurch zwangsläufig mehrere ‚Tauschsystem-Landschaften‘entstehen.
Daher wollen wir es uns nicht ganz so einfach machen.
A. Verrechnungseinheit
a)Die Verrechnungseinheit lautet: 1 Tausch-Stunde (TS) = 60 Zeit-Talente(ZT)
b)Plus- und Minuslimit: Jedes System hat ein Plus- und Minus-Limit von
50 Tausch-Stunden. Ohne vorherige Absprache mit der Verwaltung des Ressourcen-Tauschrings
kann dieses Limit nicht über oder unterschritten werden. Ist diese
Limitgrenze erreicht, werden alle weiteren Buchungen grundsätzlich
ohne Verbuchung zurückgeschickt. Eine Liste der Kontostände der
Teilnehmer wird der Markzeitung beigefügt. Dies dient, wie in gewohnter
lokaler Praxis, der Transparenz. Dadurch besteht jederzeit die Möglichkeit,
sich zu informieren, ob das jeweilige Tauschsystem noch ‚tauschfähig‘
ist.
B. Verrechnung zwischen unterschiedlichen Systemen
a) Miteinander tauschen können dann ohne besondere Probleme: Tauschsysteme
mit fester Stundenverrechnung, also alle Tauschsysteme, bei denen es keine
Verhandlungsmöglichkeit über eine Stunde Leistung gibt. In diesen
Systemen ist jede Stunde Lebenszeit gleichviel wert.
Beispiel
Tauschsystem A: Wert der Stunde entspricht 6 Batzen.
Tauschsystem B: Wert der Stunde entspricht 15 Roller.
Tauschsystem C: Wert der Stunde entspricht einer Stunde, da es keine
Aufsplittung der Stunde wie in System A und B gibt.
(A)
(V-Zentrale)
(B)
6 Batzen = 1 Tausch-Stunde (TS)
= 15 Roller
3 Batzen = 0,5 Tausch-Stunde (TS) = 7,5 Roller
Oder:
(A)
(V-Zentrale)
(C)
6 Batzen = 1 Tausch-Stunde (TS) =
1 Stunde
3 Batzen = 0,5 Tausch-Stunde (TS) = 0,5 Stunde
b)Tauschsysteme mit frei aushandelbaren Preisen für eine Leistung,
also alle Tauschsysteme, die ihre Preise direkt verhandeln und buchen lassen
können.
Beispiel:
Tauschsystem D: frei aushandelbare Preise.
Tauschsystem E: frei aushandelbare Preise.
(D)
(V-Zentrale)
(E)
18 Talente = 1 Tausch-Stunde (TS)
= 18 Kiesel
9 Talente = 0,5 Tausch-Stunde (TS) =
9 Kiesel
c)Bisher nicht kompatible Tauschsysteme, also zwei Tauschsysteme, von
denen das eine kein Aushandeln über den Wert einer Stunde zuläßt
(reine Zeitverrechnung), und das andere frei aushandelbare Preise hat.
Kommentar: Schwierig wird es, wenn Tauschsysteme unterschiedlicher Verrechnungsform
miteinander tauschen wollen. Zu diesem Thema gab es in der Vergangenheit
schon die unterschiedlichsten Vorschläge. Auch wir haben uns in dieses
Thema vertieft und intensiv darüber diskutiert. Das Ziel war, eine
Verrechnungsform zu finden, die beides beinhaltet: die frei aushandelbaren
Preise und die klar festgelegte Stundenverrechnung. Dabei sollte es zum
einen keine "Knebelung" durch Umrechnung in feste Preise geben, und zwar
für Tauschsysteme mit freien Preisen. Zum anderen war gleichzeitig
darauf zu achten, daß bei solchen ‚Mischverrechnungen‘ keine Ungleichheiten
oder Schieflagen auftreten können, insbesondere bei Tauschringen mit
festgelegter Stundenverrechnung.
Wir fanden keine entsprechende Lösung, wie auch schon alle Versuche
in der Vergangenheit scheiterten - es sei denn, alle Tauschsysteme würden
sich auf eine einheitliche Form der Verrechnung einigen.
Unter diesen Gesichtspunkten raten wir klar und deutlich zur Vorsicht
bei einem Austausch zwischen so unterschiedlichen Systemen. Langfristig
würden die größten Schwierigkeiten entstehen. Der Effekt
"reiche/arme Tauschsysteme" kann sehr leicht eine Konsequenz sein.
Selbstverständlich können wir nicht verhindern, daß
diese Systeme trotzdem tauschen. Wir wollen auch keine Kontrolle einführen,
aber verantwortlich wäre ein solches Handeln auf alle Fälle nicht.
Es beschädigt die Ziele des Tauschsystems mit Zeitverrechnung.
Weil es dem Tauschpartner des Tauschsystems A (mit fester Stundenverrechnung)
gleichgültig sein kann, mit welcher Summe Talente/Verrechnungseinheiten
im Tauschsystem E (freie aushandelbare Preise) der Tauschpartner seine
Stunde Guthaben verrechnet, könnte dieser eine sehr hohe Summe (z.B.
120 VE) angeben. Niemand könnte das im lokalen System reklamieren
oder kontrollieren. Wie auch ohne Liste, die für Transparenz sorgt?
Denn in diesem Beispiel gäbe es keinen Partner, mit dem etwas verhandelt
worden wäre! Eigentlich hätte der Teilnehmer nur mit sich selbst
den Preis seiner Leistung ausgemacht. Folge: Er könnte sich durch
überhöhte Preise im überregionalen Austausch bereichern
und so deutliche Vorteile gegenüber seinen lokalen Partnern gewinnen,
was letztlich das System zum kippen bringen würde.
Dieser gefährliche Punkt wurde bisher in der Tauschsystem-Landschaft
nicht weiter beachtet. Indem man unzählige Außenkonten einrichtete
und blauäugig angenommen hat, auf Stundenbasis würde alles schon
klappen (Beispiel: Bundestreffen München), hat man den gefährlichsten
Schritt in die falsche Richtung getan. Genau in die Richtung, in die Tauschsysteme
nie gehen wollten: die der Manipulation zwecks ungerechtfertigter Bereicherung,
die eine Destabilisierung der Systeme zur Folge haben würde. Dies
hätte genau den Effekt von ‚armen‘ und ‚reichen‘ Tauschteilnehmern.
In diesem ‚Zwitterfall‘ der unterschiedlichen Systeme so vorzugehen,
stellt noch kein abschließendes und absolut sicheres System dar.
Es ist aber eine gangbare Möglichkeit. Sie sollte nur vorsichtig unter
den geschilderten Bedingungen beschritten werden. Im Laufe der Zeit wird
ein Modus erarbeitet, der dies noch sicherer macht.
Warnung: Auch wenn es manchen in der Tauschsystem-Landschaft nicht gefallen
wird: Das bisherige blauäugige Vorgehen, ohne über mögliche
‚Schieflagen‘nachzudenken, einfach mal anzufangen, nach dem Motto "Wird
schon nichts passieren!" - dieses Vorgehen ist absolut fahrlässig
und falsch.
Damit im Laufe der Zeit keine Ungleichgewichte entstehen, muß
das Tauschsystem mit freien Preisen mit dem jeweiligen Mitglied vorher
klären, zu welchen grundsätzlichen Konditionen es diese Leistung
im eigenen Tauschsystem für andere Mitglieder erbringt. Diese festen
Sätze muß das System in einer Umrechnungstabelle auflisten,
für die eigene Buchhaltung verwenden und dem Ressourcen-Tauschring
zusenden, damit diese festen Sätze auf den Buchungsbelegen vermerkt
werden können.
Aufforderung: Sollten findige Köpfe in den Tauschsystemen Lösungsmöglichkeiten
für diese Problematik haben, die zu Hause in der Schublade liegt,
so sind wir gerne bereit, uns mit solchen Ideen auseinanderzusetzten. Im
Tauschring-Archiv kann man schon eine ganze Anzahl solcher Konzepte finden,
allerdings entsprechen sie nicht unseren Vorstellungen, die wir hier beschrieben
haben.
4. Buchungsvorgänge
Buchungen sind im Prinzip einfach: Jedes beteiligte System richtet nur
ein weiteres Konto bei sich ein, eben für den Ressourcen-Tauschring.
Der Teilnehmer des Tauschsystems A erbringt eine Leistung, der Teilnehmer
des Tauschsystems E erhält diese Leistung. Wenn zum Beispiel eine
Leistung im Wert einer Stunde getauscht wird, ist der überregionale
Tauschbeleg vom Leistungsempfänger wie im lokalen System gewohnt auszufüllen.
Es sind nur einige wenige Felder mehr zu beachten.
Dann schickt der Leistungsgeber aus Tauschsystem A diesen Beleg an den
Ressourcen-Tauschring. Dieser verbucht wie im lokalen Tauschsystem die
Leistung auf den Konten der beiden Partner, wobei in diesem Fall die jeweiligen
Tauschsysteme Teilnehmer sind. Dann schickt der Ressourcen-Tauschring jeweils
eine Kopie des Buchungsbeleges an die lokalen Tauschsystem-Verwaltungen.
Diese führen ihre Buchungen wie gewohnt aus. Da in beiden Systemen
der Ressourcen-Tauschring ein Konto besitzt, wird in beiden Systemen ein
Buchungssatz wie gewohnt zwischen dem Konto des Ressourcen-Tauschrings
und dem Konto des ‚normalen‘ Einzelteilnehmers des Tauschsystems gebucht.
Eine ausführliche Darstellung der Buchungsvorgänge wird den
Tauschringen mit den Buchungsbelegen und Listen der Teilnehmer zugeschickt.
Durch diese Art der überregionalen Verbuchung entsteht fast kein
Mehraufwand für die Verwaltung. Die einzige direkte Veränderung
bei diesen überregionalen Tauschvorgängen besteht darin, daß
der Teilnehmer, der die Leistung gutgeschrieben bekommt, seinen Buchungsbeleg
nicht an die lokale Verwaltung schickt, sondern an den Ressourcen-Tauschring.
5. Haftung
Hier ist der Sachverhalt der Gleiche wie in den jeweiligen Tauschsystemen
selbst: Die Haftung für die Leistungen (Qualität, Wert oder Zustand)
übernehmen immer die Anbieter einer Leistung. Darauf hat der Ressourcen-Tauschring
keinen Einfluß. Die Anbieter haften ebenfalls für Pflichten
gegenüber Finanzamt oder allen anderen Institutionen/Behörden.
Der Ressourcen-Tauschring haftet grundsätzlich nur für die ordnungsgemäße
Erbringung seiner Leistungen: 1. Abwicklung der Buchungsvorgänge zwischen
den Tauschsystemen und dem Ressourcen-Tauschring. 2. Abwicklung der Anzeigenverwaltung
und Erstellung/Versand der überregionalen Marktzeitung.
6. Veränderungen der
Teilnahmebedingungen
Hier gilt dasselbe Prinzip wie bei fast allen lokalen Tauschsystemen:
Erfordert die Praxis, weil Fehler im Ablauf aufgetreten sind, eine notwendige
Veränderung der Teilnahmebedingungen, so wird dies allen Teilnehmern
mit Lösungsvorschlägen, die diese Fehler beseitigen sollen, schriftlich
mitgeteilt. Sollten sich mehrere Lösungsmöglichkeiten anbieten,
so werden sie für eine schriftliches Meinungsbild allen Teilnehmern
dargestellt. Dabei wird ein Termin zur Beantwortung der Frage, welche Lösung
bevorzugt wird, festgelegt, und zwar eine Frist von vier Wochen. Auf Grundlage
der bis dahin eingegangenen schriftlichen Antworten wird eine Auswertung
vorgenommen, durch die Stimmenmehrheit dieser Lösungsvorschlag dann
als angenommen gewertet und in die ‘neuen Teilnahmebedingungen‘ aufgenommen.
Diese Veränderungen werden allen Teilnehmern mit dem nächsten
Versand der Marktzeitung bekanntgegeben. Die derzeitigen Teilnahmebedingungen
bleiben bis zum 31.12. 2000 unverändert.
7. Ausscheiden eines Teilnehmers
1.Ein Teilnehmer kann wie bei allen anderen lokalen Tauschsystemen
nur ausscheiden, wenn ein negativer Kontostand ausgeglichen ist. Die Übertragung
positiver Kontostände auf andere Teilnehmer ist jederzeit möglich.
2.Eine Auszahlung von Guthaben (Tausch-Stunden) in Landeswährung
oder in anderen Landeswährungen ist grundsätzlich ausgeschlossen.
3.Bei vorzeitigem Ausscheiden im Laufe des Jahres werden Rest-Teilnahmebeiträge
ebenfalls nicht zurückerstattet.
8. Haftung der Teilnehmer mit negativem Kontostand bei Einstellung
des lokalen Tauschsystems
1.Alle Teilnehmer des Ressourcen-Tauschrings haften zu gleichen Teilen.
Das funktioniert nach demselben Prinzip wie in jedem lokalen Tauschsystem.
2.Um für diesen Fall aber vorzusorgen, wird von jedem Tauschsystem
pro Jahr - mit Beginn der Teilnahme - eine Zeit-Stunde auf das Sonderkonto
‘Vorsorge-Konto‘ des Ressourcen-Tauschrings gebucht.
9. Weitere Arbeit in der Zukunft
Da sich auch der Ressourcen-Tauschring als ein nicht abgeschlossenes
Experiment versteht (wie auch alle anderen lokalen Tauschsysteme), sondern
vielmehr als ein sich fortentwickelndes Experiment, werden wir natürlich
an der Fortentwicklung und Verbesserung des Systems kräftig weiterarbeiten.
Aber hoffentlich nicht nur wir, sondern alle Tauschsysteme, die sich daran
beteiligen.
Jedem Beteiligten muß aber bewußt sein: Jede Anregung, jeder
Beitrag oder jede gewünschte Veränderung kann nicht umgesetzt
werden. Die Veränderungswünsche müssen in die gesamte Zielsetzung,
in das gesamte System passen, und sie müssen sinnvoll sein. Einzelwünsche,
so beliebt sie auch in der Tauschlandschaft sein mögen, sind eben
nur Wünsche von Einzelnen.
Eines behalten wir uns auf alle Fälle vor: den sinnvollen Ausbau
des Ressourcen-Tauschrings auf der Grundlage, daß Tauschsysteme eine
wirklich alternative Ergänzung zum konventionellen Wirtschaftssystem
werden können. Eine Ablösung des bestehenden Wirtschaftsordnung
durch Tauschsysteme ist derzeit nicht möglich, und auch gar nicht
sinnvoll. Die Entwicklung des Ressourcen-Tauschrings sollte nicht Halt
machen vor: Sozialfonds, Alterssicherung, Weiterbildung usw.
Mit dem Ressourcen-Tauschring wollen wir mit der Arbeit an einem Modell
beginnen, das eine weite Zeitperspektive in die Zukunft hat. Der Ressourcen-Tauschring
wird das Modell einer Zeit-Ökonomie sein, in einer Zeit, in der alle
wichtigen gesellschaftlichen Gruppen die Frage diskutieren: Wie soll es,
und wie kann es weitergehen? Wir halten den jetzigen Zeitpunkt für
den Start eines solchen Projekts für besonders geeignet, weil unsere
Zeit die Chance bietet, Wege zu beschreiten, die sich nicht nur daran ausrichten,
ob auf ihnen genügend Gewinn gemacht werden kann. Denn unsere Zeit
ist stark geprägt von Schwierigkeiten in der Wirtschaft, im Geldkreislauf,
in der Arbeitswelt und in der persönlichen Lebenswelt, die immer unsicherer
wird.
Selbstverständlich können solche Modelle zu Beginn grundsätzlich
nicht perfekt sein und bedürfen einer kontinuierlichen Anpassung an
die Realität. Besonders brauchen sie aber die Zustimmung und den Mut
einzelner Menschen, die sich auf solche Wege begeben wollen. Solche Modelle
können Schiffbruch erleiden, wenn einzelne Teilnehmer nur mitmachen,
um die neue Idee zu behindern!
Deshalb unsere große Bitte: Laßt uns diesen Weg gemeinsam
und konstruktiv gehen. Wer sich nicht sicher ist, ob dies das richtige
Modell, der richtige Weg sein könnte, möge lieber warten, bis
er eine Möglichkeit findet, die seinen Vorstellungen besser entspricht.
Wer aber überzeugt ist, den Ressourcen-Tauschring mittragen zu können,
der sollte nicht zögern.
Fast alle Tauschsysteme tauschen inzwischen Leistungen untereinander
aus. Der Bedarf ist also da, der Wunsch nach Vernetzung groß, wie
unsere Umfrage im Sommer gezeigt hat. Warum also den umständlichen
und risikoreichen Weg einer dezentralen Vernetzung gehen und auf ein Tauschsystem
für Tauschsysteme verzichten? Denn mehr als ein Tauschsystem für
Tauschsysteme will der Ressourcen-Tauschring nicht sein!
In diesem Sinne wollen wir Euch bitten, dieses Angebot anzunehmen und
dabei tatkräftig an der Gestaltung einer Zeit-Ökonomie mit Zukunftschancen
mitzuarbeiten.
Ressourcen-Tauschring/
Sozialagentur E. Kleffmann
Klaus Kleffmann
Kein Drahtseilakt
Warum Limits wichtig sind
"Außerdem wird es langfristig bestimmte Limits geben müssen,
wieviel Prozent des lokalen Umsatzes in den überregionalen Tausch
fließen dürfen: Vielleicht bis zu 20 Prozent, damit einzelne
Tauschringe keinen Verlust an Kaufkraft erleiden, der sie dann wirklich
in ihrer Selbständigkeit und wirtschaftlichen Attraktivität bedrohen
würde", schreibt Klaus Kleffmann in seinem Beitrag zur überregionalen
Verrechnungszentrale.
Denn Lokales Wirtschaften soll auch ein Gegengewicht zur Globalsierung
sein - das ist eines von vielen Zielen, das Tauschringe in Deutschland
verfolgen. Dazu schotten sich LETS bewußt vom übrigen Geldkreislauf
ab, um Kaufkraft nur dort nachfragen zu lassen, wo sie entstanden ist.
Was passiert aber, wenn LETS-Kaufkraft plötzlich auf Reisen geht,
weil sich über Verrechnungskonten Tauschringe vernetzen? Kann es nicht
zu erheblichen Schieflagen kommen, und zwar durch Schwund und Überhang
von Kaufkraft? Droht eventuell ein Drahtseilakt ohne Netz?
"Wenn man innerhalb eines lokalen Währungssystems die Leistung
eines anderen Teilnehmers in Anspruch nimmt, erhöht sich dessen Kaufkraft,
und damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, daß auf direktem oder
indirektem Weg die Nachfrage nach Leistungen wächst, die man selbst
anbietet. Je kleiner das Währungssystem ist, desto schneller wird
das ausgegebene Geld auf das eigene Konto zurückfließen."
Mit diesen Worten zitiert der irische Wirtschaftswissenschaftler Richard
Douthwaite den Erfinder moderner "Local Exchange and Trading Systems" (LETS),
Michael Linton. Für den Kanadier sei dieser Rückfluß an
Kaufkraft einer der "drei fundamentalen Unterschiede" zwischen nationalen
Währungen und LETS-Einheiten, schreibt Douthwaite in seinem Buch "Short
Circuit". Während nationale Währungen in bestimmten Fällen
sogar weltweit akzeptiert würden (zum Beispiel der US-Dollar), seien
lokale Währungssysteme auf sehr kleine Gebiete beschränkt. Doch
für Linton seien diese engen Grenzen eher ein Plus- denn ein Minuspunkt,
weil in einem überschaubaren und geschlossenen System die Wahrscheinlichkeit
stark zunähme, daß verbrauchte Kaufkraft bald durch steigende
Nachfrage zu ihrem Ausgangspunkt zurückkehre.
Um diesen positiven Effekt auf lokaler Ebene nicht zu gefährden,
ist es sehr wichtig, den Umfang von Außenaktivitäten klar zu
begrenzen. Zum Beispiel auf 20 Prozent eines Tauschring-Umsatzes, wie es
Klaus Kleffmann vorschlägt. Das heißt in der Praxis einer Verrechnungszentrale:
Wird dieses Limit erreicht, muß ein Tauschring seine "Außenhandelsbilanz"
erst wieder ins Gleichgewicht bringen, bevor seine Mitglieder erneut ihre
Leistungen anbieten oder Dienste anderer Tauschringe abrufen können.
Dabei hat die Verrechnungszentrale einen entscheidenden Vorteil gegenüber
der dezentralen, spontanen Verrechnung zwischen einzelnen Tauschringen:
Sie behält den Überblick über alle Transaktionen, ihr Regelautomatismus
kann eingreifen, bevor größerer Schaden entsteht.
Schließlich bleibt noch zu sagen: Ein Gleichgewicht im Geben und
Nehmen ist immer wichtig, unabhängig davon, ob es sich um Transaktionen
innerhalb von Tauschringen handelt, oder die Tauschaktivitäten zwischen
unterschiedlichen Ringen stattfinden. Einseitige Entwicklungen stören
in der Regel die Stabilität des gesamten Systems - auch der Drahtseilkünstler
stürzt in die Tiefe, wenn er die Balance verliert.
Ingo Leipner
Teilnahmeerklärung
Stand 01. September 1999
Vertragspartner sind: Ressourcen-Tauschring (Sozialagentur E. Kleffmann
Das Tauschring-Archiv-, Hasenkamp 30, 49504 Lotte, Tel.: 05404-7 24 00),
und: das unten aufgeführte Tauschsystem.
Name des Tauschsystems: .............................................................................
PLZ:
Ort: .............................................................................
Straße: .............................................................................
(Bei der Postanschrift unbedingt ein c/o voranstellen, wenn der Tauschring
die Postanschrift einer anderen Einrichtung nutzt!)
Telefon:
Fax: .............................................................................
eMail: .............................................................................
Zuständiger Ansprechpartner: .............................................................................
Tel.: .............................................................................
PLZ:
Ort: .............................................................................
Straße: .............................................................................
Telefon:
Fax: .............................................................................
eMail:.............................................................................
Verrechnungseinheit:
.............................................................................
Wieviel Verrechnungseinheiten entsprechen einer Stunde?
.............................................................................
Wir handeln die Preise frei aus
Ja
nein
(Bitte durchstreichen, was nicht gültig ist!)
Wir haben feste Stundenvereinbarungen
Ja
nein
Folgendes ist jetzt noch zu beachten:
1. Wir benötigen jeweils 1x die aktuelle Marktzeitung und die
jeweiligen Teilnahmebedingungen des Tauschsystems (falls in diesem Jahr
dem Tauschring-Archiv noch keine Teilnahmebedingungen zugesandt wurden).
2. Wir benötigen regelmäßig die Anzeigen, die in der
überregionalen Marktzeitung erscheinen sollen! (Bitte nur in Word
oder RTF Dateiendung, oder in lesbarer Handschrift). Diese Anzeigen kann
das jeweilige Mitglied uns auch direkt zusenden.
3. Damit Eure Mitglieder überregionale Angebote auch wahrnehmen
können, ist es nötig ,daß darüber in Eurer Marktzeitung
regelmäßig berichtet wird. Sonst können die Mitglieder
darüber nichts erfahren.
4. Die Teilnahme beginnt erst mit der Einzahlung des Teilnehmer-Beitrages
in Höhe von DM 20.- auf folgendes Konto:Kt.-Nr.: 173 520 461, BLZ
440 100 46, Sozialagentur E. Kleffmann, Postbank Dortmund.
Als Verwendungszweck muß unbedingt Folgendes angegeben werden: Name
des Tauschsystems + für Ressourcen-Tauschring‘!
5. Jede Veränderung Eurer Anschrift, des Ansprechpartners oder
Veränderungen Eurer Teilnahmebedingungen müssen uns umgehend
mitgeteilt werden.
6. Die Buchungsbelege für den überregionalen Tausch erhält
Eure Verwaltung. Von dort hat sie das Mitglied, das überregional tauschen
will, abzuholen. Das dient Eurer Kontrolle, damit nur Mitglieder tauschen
können, die auch bei Euch am Tauschsystem teilnehmen und nicht ihr
Kontolimit überschritten haben. Das ist ganz wichtig!
7. Von dieser Erklärung bitte eine Kopie machen und in Eurer Verwaltung
aufbewahren.
Einverständniserklärung:
Die in diesem Sonderdruck veröffentlichten Teilnahmebedingungen
für den Ressourcen-Tauschring (Stand 01.09.1999) habe ich gelesen
und erkläre mich hiermit bereit, am Ressourcen-Tauschring zu den genannten
Bedingungen teilzunehmen.
Datum:Ort:
.............................................................................
Name deutlich ausgeschrieben:
.............................................................................
Unterschrift:
.............................................................................
(Diese Erklärung darf nur der/die vom Tauschsystem zu diesem Zeitpunkt
Bevollmächtigte unterschreiben.)
Tauschkonten
– Anreiz oder Bremse beim Tauschen
Wie gehen wir mit hohen und niedrigen Kontoständen
um?
Was machen wir mit unserem Sammelkonto?
Regine Deschle, "Wi daun wat" Rostock
Wie überall gibt s auch bei uns Tauschende, deren Kontostand überwiegend
am "+ Limit" liegt und andere, die häufig an ihr "- Limit" stoßen.
Einige von ihnen ruhen sich auf ihrem Stand aus, einige wissen nicht, wie
sie herunterkommen sollen. Beide werden inaktiv. Was tun? Sollen wir eingreifen
– in die Freiwilligkeit? Sollen wir es einfach laufen lassen und auf das
erwünschte Handeln aus eigenem Antrieb warten? Wenn wir das aber nicht
aushalten, was könnten wir tun? Vielleicht liegt es in der Natur der
Menschen, daß einige lieber geben und andere lieber nehmen? Verträgt
sich das mit unserem Bild von der sozialen Gerechtigkeit? Ist das nicht
überhaupt einer unserer Werte?
Und noch ein 2. Problem: "Unser Sammelkonto läuft über!" Das
war so ein Schreckschuß nach dem ersten Jahr unseres Bestehens. Wir
hatten nämlich ein Jahr lang die Leistungen der Teilnehmenden für
die Allgemeinheit (Organisation, Marktzeitung, Austragen der Zeitung, Buchen
und Dateienverwalten …) erstmal auf unserem TR-Konto gesammelt (daher der
Name "Sammelkonto"). Vieles war davon auch ohne Abrechnung, also ehren-amtlich
erledigt worden, aber ein Häufchen "Knoten" (unsere Währung:
10 Kn = 1 Std.) war doch zusammengekommen.
Ketzerisch meinten einzelne: "Das schadet doch nichts, lassen wir sie
doch stehen!" Da regten sich aber die Buchhalterinnenseelen (die Mehrheit)
bei uns und plädierten für eine Auflösung des Kontos, was
wir dann auch taten und als künftige generelle Verfahrensweise entschieden:
Umlage auf alle Konten aufgrund quartalsweiser Berechnung mit halbjährlicher
Buchung.
So verfahren wir seither und es gibt nur selten kritische Stimmen, die
noch nicht bemerkt haben, daß z. B. die Zeitung sich nicht ohne Zeit
machen läßt und auch nicht von allein in den Briefkasten flattert.
Die Umlage erreichte bisher maximal 5 Knoten im Quartal, im Durchschnitt
2-4 Knoten (etwa 10 min. pro Monat für jede/n TN), je nach "Großzügigkeit"
bei der Abrechnung der "ehrenamtlichen" Leistungen.
Und doch! – Ab und zu tauchen wieder solche Meinungen auf: "Was passiert
eigentlich, wenn das Sammelkonto immer weiter in’s Minus kommt?" – Ja,
was passiert???
Meine Meinung: Da das Sammelkonto den Gegenwert zu einem, vielmehr zu
vielen Plus-Kontoständen widerspiegelt, haben die TN im Durchschnitt
viel mehr Plus als Minus auf ihren Konten. Damit erlahmte das Interesse
und das Tauschen könnte einschlafen. Bei vielen von uns ist ein Minus-Saldo
ein stärkeres Treibmittel zum Tauschen als ein Plus-Saldo. Schließlich
würden die TN-Konten alle in die Nähe des oberen Limits wandern
und der Gegenwert wäre auf dem Sammelkonto – dann wäre der Tauschring
tot.
Eine Verschärfung dieses Problems haben wir nach dem Bundestreffen
1999 erfahren: nun haben wir ein Sammelkonto vom Bundestreffen mit einem
Minus-Saldo, das wir nicht einfach umlegen können. Die dahinter stehenden
Leistungen sind ja für das Treffen und nicht für die unbeteiligten
Teilnehmenden unseres TR erbracht worden. Eventuell geraten auch andere
veranstaltende TR in diese Situation. Deshalb sollten wir mal darüber
reden.

Tauschring-Software-ÜbersichtStand
10. Mai 2000 (teilaktualisiert)
Auf den Tauschring-Bundestreffen
wurde vereinbart, Aufgaben einer bundesweiten Tauschring-Organisation auf
verschiedene "Services"
zu verteilen. Der Tauschring
Karlsruhe pflegt eine Übersicht über verfügbare Tauschring-Software.
Kriterien
der Eintragung
| Bezeichnung |
Plattform |
Preis |
Vertrieb |
|
| PC-Lets |
DOS |
110,-
DM |
Diskette |
| Tauschrausch |
Windows |
190,-
DM |
Diskette |
| Talent-Studio |
Windows |
54,-
DM |
Diskette |
| Talent-Programm |
Windows |
240,-
CHF |
CD-Rom |
| T.R.-Direkt |
Windows
3.1 |
170,-
DM |
Diskette |
| Oldenburger
Freeware |
Windows |
Freeware |
Diskette |
| Knöpfe |
MacOS+Win |
10
Stunden Talent |
Download |
| Swap |
MacOS
+ Win |
99,-
DM |
CD-Rom |
| Lois
LETS Software |
US
/ Englisch |
Free |
Download |
| TR
Online-Banking |
DOS,
Windows, Unix, Mac |
39.-
DM |
Diskette,
CD |
Kriterien der Eintragungen
Eine umfassende Übersicht
über Tauschring-Software erfordert die Mitwirkung vieler Menschen.
Wir suchen aktiv nach Informationen, aber die Software-Anbieter sollten
Information über Ihre Software besser von sich aus an uns schicken
oder ihre eigene Homepage aktuell halten. Die Informationen werden aufbereitet
und in dieser Web-Site veröffentlicht oder auf Anfrage ausgedruckt
und verschickt.
Zu jeder Software sind folgende
Angaben von den Autoren erfragt worden:
1. Bezeichnung, Version
2. Autor/Bezugsquelle (mit
eMail)
3. Plattform (DOS, Windows,
Windows95, Unix, MacOS, OS/2, TOS, usw. )
4. Leistungen (Das Programm
kann: ...)
--- a --- Mitgliederverwaltung
--- b --- Buchungen
--- c --- Limitüberwachung
--- d --- Gebühren
--- e --- Kontoauszüge
--- f --- Markteinträge
--- g --- Rubriken
--- h --- Erstellen der
Marktzeitung
--- i --- Datensicherung
--- j --- Etiketten/Postverteiler
--- k --- Datenaustausch
(Import/Export)
--- l --- Zugriffsrechte
differenziert
--- m --- Mausbenutzung
(grafische Oberfläche)
--- n --- Statistik/Auswertungen
--- o --- Online-Hilfe
5. Format der Datenbank
(dBase, Access, ...)
6. Notwendige weitere Software?
(Das Programm braucht MS-Word-Basic, Access, ...)
7. Schnittstellen (Möglichkeiten
andere Tools einzubinden oder zu benutzen)
8. Bemerkungen, Meinungen,
Besonderheiten usw.
9. Referenzen (Einsatz bei
...seit wann?)
10. Demo zu beziehen bei...,
weitere Information, WWW-Seite
11. Preis&Rechtsform
(Public-Domain, Shareware, Lizensiert)
12. Vertriebsform (Diskette,
CD, FTP, gedrucktes Handbuch mit ? Seiten, Online-Hilfe)
Weitergehende Überlegungen
gehen dahin, eine offene Tauschring-Software zu entwickeln, die z.B. entsprechend
der GNU-Licence von vielen Menschen genutzt und verbessert wird. Diskussionsvorschläge
hierzu werde ich genauso veröffentlichen.
Die Software wird von uns
nicht installiert und getestet. Ich versuche, aus Herstellerangaben oder
anderen Quellen eine Charakterisierung der Software in der Reihenfolge
oben genannter Angaben. Ich bitte um Rückmeldungen, Korrekturen und
Ergänzungen.
Mit freundlichem Gruß
Helfried
Lohmann
pcLETS
Version 1.2
Ansprechpartner:
Robert Langer, Waisenhausstr.48,
80637 München,
Tel: 089 - 153493, e-Mail:
Robert-Langer@t-online.de
Systembeschreibung:
Läuft unter DOS (und
im DOS-Fenster problemlos unter Windows-NT mit Word-97).
Version 1.1 kann: a-h,n;
Version 1.2 kann a-h,l,n.
Format: dBASE, braucht Winword
6.0 oder höher zum Marktzeitung erstellen.
Verbreitung/Kaufpreis:
In Deutschland bei Tauschringen
weit verbreitet.
Version 1.1: als Demo für
5,50 DM in Briefmarken erhältlich, kurze Anleitung liegt bei.
Die Vollversion-1.1 kostet
60 DM und enthält ein komplettes Handbuch (70 Seiten).
Version 1.2: nur lizensiert;
das Update von 1.1 kostet 50 DM, die Vollversion 110 DM..
Dazu erhält man ebenfalls
ein komplettes Handbuch (90 Seiten).
Die Software wird auf Diskette
versandt.
Stand: Februar 1999
Talent-Programm
Version
5.01 (April 2000)
Ansprechpartner:
Renato Pichler, Postfach,
CH-9466 Sennwald, Tel 081/7404430, Fax 081/7572819,
E-mail: renato@
echo.ch,
Orginalhomepage:
http://www.talent.ch/software/ttprg.html
Systembeschreibung:
Läuft unter Win 3.1,
Windows 95/98/NT, OS/2 in Windows Fenster
Sie kann: a-o, basiert auf
MS-Access 2.0 (=ACCESS 97), weitere Software unnötig, da Run-time-version
automatisch mitinstalliert wird. Die exportierten Dateien können in
MS-Word, MS-Excel und fürs Internet weiter verarbeitet werden, z.B.
um Serienbriefe zu erstellen oder statistische Auswertungen durchzuführen.
Die Software unterstützt auch die Erstellung einer tauschkreisübergreifenden
Marktzeitung.
Verbreitung/Kaufpreis:
Die Software ist bei schweizer,
östereichischen, italienischen und deutschen Tauschkreisen verbreitet
(s. auch http://www.talent.ch/adr/lets.htm).
Sie kostet 240.- CHF (Schweizer
Franken), die Zusendung von Shareware ist möglich.
Sie wird auf CD-Rom oder
auf 5 Disketten versandt, mit Online - Hilfen. Sie kann aber auch aus dem
Internet heruntergeladen werden; Adresse: http://www.talent.ch/software/update.htm
Bemerkungen, Besonderheiten,
Meinungen:
Die Software wurde in dieser
stark überarbeiteten Version für den
vollen, direkten Internetzugriff
vorbereitet. Als nächstes erhält die
Software deshalb zusätzliche
Funktionen, um die Markteinträge mit
anderen Programmbenützern
übers Internet auszutauschen und so eine
überregionale Marktzeitung
lokal auszudrucken. Für später ist auch eine
tauschkreisübergreifende
Buchungsmöglichkeit via Internetanbindung
geplant.
Als Informatiker ist Renato
Pichler sehr an der Entwicklung einer offenen
Tauschring - Software interessiert.
Er hält allerdings
nur eine Realisierung mittels der Programmiersprache JAVA für sinnvoll,
da JAVA durch seine Objektorientierung, Betriebssystem- und Sprachunabhängigkeit
ideal für ein solches Projekt geeignet ist. Er möchte über
die Weiterentwicklung dieser Idee auf dem laufenden gehalten werden.
Wichtigste Änderungen:
Das Programm lässt
sich nun noch flexibler konfigurieren (aber auch weiterhin einfach mit
den Grundeinstellungen benutzen). Das Programm läuft in der neuen
Version (ab V5.0) nicht mehr unter Windows 3.1. Dieser Sprung zu ACCESS
8.0 war nötig um die Internetanbindung einbauen zu können.
Sobald die Internetanbindung
funktioniert, werde ich auch die anderen Softwareentwickler kontaktieren,
damit diese Ihrer Software auch dieselbe Funktionalität einbauen können.
Mir scheint es momentan
einfacher ein System, dass via Internet zugänglich ist, allen Tauschkreisbetreibern
zur Verfügung zu stellen, als ein einziges Tauschringprogramm für
alle zu machen.
Als zweiter Schritt wäre
es aber natürlich toll, wenn man ein Team für die Entwicklung
einer JAVA-Software zustande bringen würde. Dann wäre man völlig
unabhängig von irgendwelchen Betriebssystemen und könne alle
Tauschkreise miteinander vernetzen. (soweit
erwünscht, gezwungen wird natürlich niemand, jder Teilnehmer,
kann selbst entscheiden, ob er seine Daten zur Verfügung stellen will).
Ich glaube, dass diese Vernetzung
einen bessern Zusammenhalt der Tauschkreise und ein viel gröseres
Angebot ergeben könnte, was die Tauschkreise noch attraktiver macht.
Parallel dazu braucht es
natürlich eine Clearingstelle, daran wird aber auch schon gearbeitet..
Talent-Studio
Version 1.0
Ansprechpartner:
Edeltraud
Kleffmann, Hasenkamp 30, 49504 Lotte, Tel 05404-7240-0, Fax -4822
Systembeschreibung:
Läuft unter Windows-95
oder Win3.11 mit Win32s
kann: a-o, Datenbasis als
Klartext, Neuentwicklung
Verbreitung/Kaufpreis:
Sie kostet 54.- DM; eine
auf 15 Teilnehmer begrenzte Demo ist gegen 10,-DM in Briefmarken erhältlich.
T.R.-Direkt
Ansprechpartner:
PC-Service
Striefler, Kötnerholzweg 47, 30451 Hannover, Tel 0511-4466688
Orginalhomepage: http://www.pc-striefler.de
Systembeschreibung:
Läuft unter Windows
3.1 (z.B. mit 386er Rechner)
Kann bei Nachfragen erweitert
werden.
Verbreitung/Kaufpreis:
Demo für DM 10.- erhältlich,
Vollversion 170,- DM.
Tauschrausch
Version 1.82
Ansprechpartner:
Helge
Ruben, St.Georg- 21, 20099 Hamburg, Tel 040 - 280 544 78
Orginalhomepage:
www.ruben-schnelle.de/taurau
E-Mail: taurau@ruben-schnelle.de
Systembeschreibung:
Läuft unter allen Windowsversionen
ab 3.1., es ist keine weitere Software nötig.
Sie kann: a-o. Die Zeitung
kann mit jedem Textprogramm weiterbearbeitet werden.
Importmöglichkeit für
PcLets eingebaut. Andere Formate (Excel, Access) können über
das Ascii-Format eingelesen werden oder auf Anfrage vom Autor übertragen
werden.
An dem Programm wird ständig
weiterentwickelt, z. Zt. die Version 1.9. Für Version 2.0 sind z.B.
die Erstellung von HTML-Seiten und der beleglose Datenträgeraustausch
(DTA) für den Einzug der Mitgliedsbeiträge geplant.
Verbreitung/Kaufpreis:
Einsatz bei über 50
Tauschringen, Referenzliste auf der Homepage
Sie kostet 190.- DM
inkl. Versand und 2 Updates und wird auf Diskette geliefert.
Eine Demo für max.
30 Teilnehmer sowie weitere Infos sind kostenlos erhältlich per Post
oder Internet.
Stand: Mai 2000
Oldenburger
Freeware
Version 1.3
Ansprechpartner:
Udo
Steinbach, www.huntetaler.de,info@huntetaler.de
Lindenstr. 12a, 26123 Oldenburg,
Systembeschreibung:
Läuft ab Windows
95/98/+NT, mit Access ab 97, Freeware, Eigenentwicklung
kann:
abcdefg klmn;
k und l sind in Access eingebaut
5) Access
7) kann, über kleine
Umwege, mit jedem Programm zusammen arbeiten
8) nicht fertig, es muss
an den Tauschring angepaßt werden
9) Huntetaler seit 1996
11) Freeware, kostet nichts
12) nur noch www
Das Programm basiert/braucht
auf Access-97. Andere Programme können direkt über ODBC auf die
Datenbank zugreifen. Die Datenbank muß für jeden Tauschring
noch angepaßt werden, kann dafür aber beliebig erweitert werden.
Zeitung erstellen einfach durch Export der Anzeigen in jedes Text- oder
Publishing-Programm in Word; Datensicherung einfach als Datei. Wird weiterentwickelt
im Rahmen der eigenen Anwendung beim Tauschring.
Verbreitung/Kaufpreis:
Einsatz im Huntetaler Tauschring
seit 1996. Freeware, kostet nichts, Versand per Diskette, wenn der Rückumschlag
ausreichend frankiert ist.
Stand: August 2000
Swap
2.0 - für Windows und Mac OS
Ansprechpartner:
Mark Baillie, Arfrade 7,
24113 Kiel Tel./Fax (0431) 68 03 18 Email:baillie@debitel.net
Orginalhomepage:http://home.debitel.net/user/baillie/start.htm
Systembeschreibung:
Windows 3.1 (erfordert Win32s),
Windows 95/98, Windows NT 3.51 oder höher, Mac OS 7.1 oder höher.
Maus wird benötigt.
Das Programm leistet a-m.
Datenbankformat: Claris
FileMaker
Weitere Software: Runtime-Version,
weitere Software wird nicht benötigt.
Schnittstellen: Nicht vorhanden.
Bemerkungen:
a. Hauptmerkmale sind
die sehr leichte Bedienbarkeit und die Funktionalität bei den alltäglichen
Aufgaben.
b. Das Programm beinhaltet
zusätzlich ein Archiv.
c. Die Erstellung
der Zeitung erfolgt automatisch.
d: Das Zeitungsmodul
bietet zusätzlich den Druck einer Zeitungsergänzung (nur neue
und gelöschte Anzeigen) und einer Musterzeitung (ohne Mitgliederdaten,
für Werbungszwecke) an.
Referenzen: Einsatz jetzt
bei fünf Tauschringen.
Demo: Eine Testversion ist
für DM 10,- (CD und Versand) beim Autor zu beziehen. Sie ist nicht
eingeschränkt, es gibt lediglich Hinweise beim Start und auf den Ausdrucken.
Eine Übernahme von Daten in die registrierte Version ist vorgesehen.
Preis: Die Vollversion kostet
DM 99,- zuzüglich Versand.
Vertriebsform: Versand per
CD (Diskettenversand auf Wunsch). Eine Anleitung befindet sich auf der
CD.
Knöpfe
1.0
Buchungsprogramm für
Tauschringe auf Basis von File Maker Pro 3.0
Autor: Bernhard
Oberrauch, Penegalstraße 21a, I-39100 Bozen/Bolzano/Bulsan,
Tel/Fax: 0029-0471-272683,
eMail: b.oberrauch@dialogon.it
Orginalhomepage:
http://www.talent.ch/software/filemake.htm
Dies ist eine voll funktionsfähige
Shareware. Ich habe dieses Programm geschrieben, weil es kein Buchungsprogramm
für Apple gab. Da es auf Basis von FileMaker funktioniert, kann es
auch von jedem Nutzer erweitert und geändert werden. Dieses Programm
gibt keine Garantie auf Vollständigkeit und Richtigkeit (das ist die
Sicherheitsklausel).
Die Weitergabe an Tauschkreise
ist erlaubt. Wem das Programm gefällt bzw. wer es verwendet, soll
mir den Wert von 10 durchschnittlichen Arbeitsstunden gutschreiben, und
zwar über die Vernetzung der Tauschkreise.
Kurzübersicht:
1.Bezeichnung:
Knöpfe 1.0
2.Autor/Bezugsquelle
(via eMail): Bernhard Oberrauch
3.Plattform
: MacOS, MS-Windows
4.Preis + Rechtsform:
Shareware (voll funktionsfähig), Preis: 10 Durchschnittliche Arbeitsstunden
(Konto Nr.7, TALENT-EXPERIMENT Südtirol, Tt.1000.-)
5.Vertriebsform:
Veröffentlichung im CL/Wirtschaft/Geld und im WWW.
6.Leistungen:
Mitgliederverwaltung
Buchungen
Limitüberwachung
Kontoauszüge
Markteinträge
Rubriken
Erstellen der Marktzeitung
Datensicherung
Datenaustausch (Import/Export)
Mausbenutzung (grafische Oberfläche)
Statistik/Auswertungen (teilweise)
Online-Hilfe
7.Format der
Datenbank: FileMaker Pro 3.0
8.Notwendige
weitere Software: keine
9.Schnittstellen
(Möglichkeiten, andere Tools einzubinden oder zu benutzen)
10.Referenzen (Einsatz
bei Tauschkreis Knöpfe Simmering, Wien)
11.Seit wann im Einsatz:
April 1997
Tauschring
Online-Banking
Version 2.0
1. Bezeichnung: Tauschring
Online-Banking
2. Autor/Bezugsquelle (mit
eMail)
Matthias Schallnas
MSMedia Webdesign
marty@sonnet.de
http://msmedia.web.ag
3. Plattform (DOS, Windows,
Windows95, Unix, MacOS, OS/2, TOS, usw. )
Online (getestet und geschrieben
auf Unix) möglicherweise auch lauffähig auf NT.
4. Leistungen (Das Programm
kann: ...)
--- b --- Buchungen
--- c --- Limitüberwachung
(Automatisch!)
--- e --- Kontoauszüge
--- o --- Online-Hilfe
8. Bemerkungen, Meinungen,
Besonderheiten usw.
Das Programm ist ein komplettes
Online-Banking speziell für Tauschringe.
Mann loggt sich mit seiner
Kontonummer und seiner PIN-Nummer ein. Man kann
Überweisungen an andere
Mitglieder tätigen, sich Kontoauszüge anschauen,
ausdrucken u.a.
Näheres unter http://miamivice.wtal.de/help/programme.htm
9. Referenzen (Einsatz bei
...seit wann?)
Version 1.0 im Wuppertaler
Tauschring seit mehreren Monaten.
10. Demo zu beziehen bei...,
weitere Information, WWW-Seite
Online Demo und weitere
Infos:
http://miamivice.wtal.de/help/programme.htm
11. Preis & Rechtsform
(Public-Domain, Shareware, Lizensiert)
Der Preis ist 39DM. Updates
kostenlos.
12. Vertriebsform (Diskette,
CD, FTP, gedrucktes Handbuch mit ? Seiten,
Online-Hilfe)
Per E-Mail fertig für
Ihren Server konfiguriert. Bei Diskette + 3DM Porto.
Bei weiteren Fragen stehe
ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Matthias Schallnas
Wuppertaler Tauschring
Weiter Software-Information
findet sich beim Schweizer Talentexperiment.
Kritiken und Anregungen
bitte an Tauschring.ka@t-online.de

Integration von Betrieben in Tauschringe
Wolfgang Almenritter, Flensburg
Lokale und sozial-positive Handelssysteme, wie sie in Tauschringen mit
Erfolg praktiziert werden, sollten auch (kleinere) Betriebe und Selbständige
in ihr Handeln mit einbeziehen. Hindernisse bilden vermeintlich die engen
gesetzlichen und fiskalischen Regelungen in Deutschland. Eine legale Möglichkeit
zur Assoziierung von Betrieben bietet unser Konzept "Warengutschein".
Der Idee liegt die Vorgabe zugrunde, nicht gegen geltende Gesetze zu
verstoßen. Unsere Lösung kann damit aber nur ein erster Anfang
sein. Weitere Schritte zielen auf einen grundlegenden Wandel unseres Handels-
und
Wirtschaftssystems. Sie setzen aber eine erhöhte Akzeptanz im
politischen und wirtschaftlichen Umfeld und möglicherweise auch neue
Gesetze voraus.
Wie funktioniert das System nun?
Der Tauschring bemüht sich um Betriebe, die Interesse an einer
Zusammenarbeit haben und deren Inhaber Tauschring-Teilnehmer ist oder wird.
Nun gibt es 2 wesentliche Möglichkeiten des gemeinsamen Handelns:
I. Betrieb A stellt einen Tauschring-Teilnehmer an. Der betreffende
erhält seinen (DM-) Lohn teilweise oder ganz in Form von Gutscheinen,
für Produkte oder Leistungen des Betriebes (im folgenden "Warengutscheine"
genannt).
II. Betrieb A nimmt von dem ebenfalls assoziierten Betrieb B eine Leistung
in Anspruch. Betrieb B schreibt eine Rechnung und erhält als Entgelt
teilweise oder ganz Warengutscheine von Betrieb A.
Wie kommt der Tauschring ins Spiel?
Der Betriebsinhaber von Betrieb B entnimmt statt DM/EURO seinem Betrieb
die erhaltenen Warengutscheine. Ebenso wie der angestellte Teilnehmer ist
er nun als Privatperson und Tauschring-Teilnehmer in Besitz von Warengutscheinen
aus dem Betrieb A.
Er kann diese Gutscheine natürlich direkt einlösen (dann kommt
der Tauschring nicht ins Spiel) oder er tauscht die Warengutscheine beim
Systemkonto des Tauschringes gegen Tauschring-Währung ein. Ab jetzt
haben sämtliche Tauschring-Teilnehmer die Möglichkeit, Teile
ihrer Tauschring-Währung auf ihrem Tauschring-Konto gegen Warengutscheine
einzutauschen und hernach Leistungen von Betrieb A in Anspruch zu nehmen.
Die Vorteile liegen auf der Hand:
Umsatzerhöhung und dadurch zusätzlicher Gewinnbeitrag durch
Verrechnung der angenommenen Leistung mit Verkaufspreisen für den
Betrieb. Erweiterung des Kundenstammes. Erweiterung der Betätigungsmöglichkeiten
für den Tauschring: Kontrollierter Tausch von Talenten in Waren bzw.
Dienstleistungen wird möglich.
Vorteil für die Teilnehmer: Arbeitskraft wird verstärkt nachgefragt
bis hinein in ein regelmäßiges Arbeitsverhältnis.
Auf dem Bundestreffen werden wir in einer Arbeitsgruppe dieses Konzept
näher erläutern und auf die Verträglichkeit mit den bestehenden
Gesetzen eingehen. Schön wäre es, wenn andere Tauschringe ihre
Erfahrungen mit der Beteiligung von Betrieben beisteuern könnten und
wir so Bündnispartner für die weiteren Schritte finden. Vielleicht
gelingt auch der Ausblick auf eine noch weitergehende Einbindung von Unternehmen
in den Tauschring?
"Das
Patentrezept"
Staat ohne Steuern - Bürgergeld
für Jeden
Referent: Günter Koch
Herr Koch hat den Nachweis erbracht, daß
unser Steuersystem nicht funktionieren kann - nicht etwa, daß die
Steuern nur anders verteilt werden müßten - es ist grundsätzlich
falsch, daß ein Staat seinen Haushalt im Wesentlichen durch den Einzug
von Steuern zu finanzieren versucht, was ohne Neuverschuldung ohnehin meist
nicht gelingt.
Herr Koch hat ein Geldsystem entwickelt,
in dem der Staat keine Steuern einzieht, statt dessen an jedermann ein
Bürgergeld zahlt.
Dieses System ist auch für Tauschringe
geeignet, es ermöglicht die Teilnahme nichtleistender Mitglieder,
z. B. alten Menschen. Im GOLDRING ist das bereits realisiert.
Der Vortrag ist allgemeinverständlich
- mit graphischer Unterstützung durch PowerPoint. Dauer ca. 45 min
plus Diskussion.
Rolf Schröder, Schreibwerkstatt
Flatlander* - Ein Bericht aus Neugrenzland
Als utopischer Schriftsteller fühle ich mich manchmal wie Abbotts
armer Freund aus dem Land der einen Dimension "Flachland", dessen Berichte
aus "Raumland" von seinen Mitbürgern nur mit Hohn und Spott bedacht
wurden. Es tröstet mich, dass dies auch das Schicksal jener Visionäre
war, deren Ideen sich als Facetten unserer heutigen zweidimensionalen Dualwirtschaft
erwiesen haben.
Jenseits der früheren Totalität des globalen Systems bieten
heutzutage lokale Märkte einen Rahmen für wirtschaftliche Transaktionen,
ein institutionelles Arrangement, welches inzwischen wohl allzu selbstverständlich
geworden ist: Verkäufe sind hier nur insoweit anerkannt als sie durch
Einkäufe ausgeglichen werden, der Saldo am Ende des Jahres ist zahlbar
in globaler Währung und genießt auch nicht die Steuerfreiheit
der lokalen Märkte. Natürlich sind die lokalen Märkte vom
traditionellen Wirtschaftssektor abhängig - die für die lokale
Produktion notwendige Kapitalbasis wie auch das garantierte Mindesteinkommen
in Globalwährung werden hier erwirtschaftet. Aber es ist eine gegenseitige
Abhängigkeit - nur die Lokalmärkte offerieren genügend Beschäftigungmöglichkeiten,
und nur so ist jene soziale
Stabilität gewährleistet, die auch das effiziente Funktionieren
der Globalwirtschaft garantiert.
Da eine jede unserer lokalen Währungen absolut nicht-konvertibel
(nicht-umtauschbar) ist, bilden diese lokalen Märkte eine zweite Dimension
unserer lokalen Wirtschaft. Der Vergleich zur eindimensionalen Struktur
des letzten Jahrhunderts, als high-tech Produktion oder Finanzdienstleistungen
behandelt wurden wie die arbeitsintensive ökologische Lebensmittelproduktion
oder Sozialdienstleistungen, erinnert uns an die erste Reise von Abbotts
Freund nach "Linienland", wo die Botschaft von der zweiten Dimension auch
ungehört blieb.
S. Flor, 2029
* Referenz: Edwin A. Abbott "Flatland. A romance of many Dimensions",
(zuerst veröffentlicht 1884, inzwischen auch in deutscher Übersetzung
erhältlich)
Es war 1986 oder 1987 als ich zum ersten Mal eine Notiz von S. Flor
erhielt. Bis heute bin ich nicht sicher was sich hinter diesen "Berichten
aus der Zukunft" wirklich verbirgt - es mag dahingestellt bleiben, ob sie
mittels eines Zeittunnels vermittelt werden oder ob es sich schlicht um
einen kleinen Schwindel handelt. Jedenfalls war ich von dieser dualwirtschaftlichen
Perspektive sehr fasziniert und habe mich seither intensiv damit beschäftigt.
So erfuhr ich kurz nach dieser Entdeckung, dass mit den LETS kleine lokale
Wirtschaftssysteme bereits einige Zeit zuvor gegründet worden waren.
Die Beschreibung der Dualwirtschaft des Jahres 2029 durch S. Flor illustriert
das Konzept "social fiction". Gegenwärtig wird zwar viel von Visionen
gesprochen, doch wo gibt es wirklich den Blick auf die neue Dimension?
Multimedial und bunt werden "Zukünfte" angeboten; für jeden etwas
- so der Anspruch der "Welt"-Ausstellung, doch wer mit Blick auf die sozialen
und ökologischen Probleme unserer Zeit nach sozio-ökonomischen
Innovationssprüngen sucht, stößt auf die Lücken dieser
postmodernen Jahrmärkte. Dabei muß ehrlicherweise konzediert
werden, dass bahnbrechende Alternativen wirklich rar sind. Dies mag auch
darin begründet liegen, dass der Begriff "Utopie" nach seiner Instrumentalisierung
durch die alten systemkritischen Ideologien so umfassend, so total geworden
ist, dass seine Aussagekraft ins Nichts umgeschlagen ist. Demgegenüber
wird mit dem SF-Konzept Bezug genommen auf die klassischen Sozialutopien
in der Tradition von Thomas Morus. Seither hat es viele Änderungen
in der "Ausmalung" des "Nicht-Landes" gegeben, ein Prozeß, der sicherlich
noch nicht abgeschlossen ist. So wird in diesem Konzept für "neue
und neuartige Grenzen" plädiert. Zugegeben, Grenzen zu setzen ist
immer ein willkürlicher Akt. Aber SF sucht nach dem NEUEN eben nicht
in irgendeiner Unendlichkeit, sondern sozusagen vor unseren eigenen Füßen.
Ob Sozialarbeiter, Arbeitsloser, Wissenschaftler, Hausarbeiter mit eigenem
Garten und/oder Tauschringmitglied - die "Berichte aus der Zukunft" bieten
eine Plattform, die es erlaubt, die eigenen praktischen Erfahrungen zu
reflektieren, mit anderen zu teilen und letztendlich über sie hinauszugehen.
Es stellt ein Angebot an jene dar, die sich mit den praktischen Resultaten
ihrer privaten, beruflichen, wissenschaftlichen oder politischen Aktivitäten
nicht zufrieden geben wollen, an jene, welche die Ausrufezeichen hinter
den "Top-Down" Lösungen innerhalb des etablierten institutionellen
Rahmens nicht akzeptieren wollen. S. Flor beschreibt ein Land mit neuen
Grenzen; wer ebenfalls einen Freund im Land der zwei Dimensionen hat -
sei es in dem von S. Flor gesetzten Rahmen oder aber einem anderen Ort
bzw. einer anderen Zeit - sei herzlich willkommen.
Rolf Schröder, 2000
(Mehr - auch von S. Flor - findet sich unter www.social-fiction.de)
Johannes "Hanni" Zettl
Erkenntnisse
und Lehren für die Gegenwart
Im Rückblick kann das kategorische
Verbot der Selbsthilfe-Aktionen zur Belebung der Wirtschaft zum Zeitpunkt
der großen Weltwirtschaftskrise nur als tragisch gewertet werden.
Denn wenn es damit auch sicher nicht gelungen wäre, die Wirtschaft
sofort wieder auf Hochtouren zu bringen, so hätte der Krise doch manches
von ihrer Schärfe genommen werden können, was sich möglicherweise
auch politisch ausgewirkt hätte.
Nachdem neuerdings der Nobelpreisträger
Friedrich A. von Hayeck das Notenbankmonopol der Zentralnotenbanken wegen
Ineffizienz und Kontraproduktivität massiv kritisiert und - ohne allerdings
auf viel Gegenliebe zu stoßen - die Errichtung untereinander konkurrierender
privater Emissionsbanken gefordert hat, drängt sich die Frage auf,
ob es nicht an der Zeit ist, die nach zunächst so erfolgversprechendem
Verlauf 1931 in Deutschland und 1933 in Österreich aus politischen
Motiven unterdrückten Experimente unter gewissenhafter wissenschaftlicher
Kontrolle zu wiederholen. Angesichts der fortschreitenden Automatisierung
der Produktion und der verständlichen Neigung der Unternehmer, Investitionen
vorwiegend unter dem Gesichtspunkt der Rationalisierung zu tätigen,
sprich, mit dem Ziel, Arbeitskräfte einzusparen. So wird weit eher
mit einem weiteren Anstieg als mit einem Abbau der Arbeitslosigkeit zu
rechnen sein. Das aber bedeutet, daß künftig im formellen (gegenständlich-materiellen)
Wirtschaftssektor immer weniger Menschen unterkommen werden und immer mehr
in den informellen (nichtmateriellen) Sektor abgedrängt werden, wo
sie oft nur eine Scheinselbständigkeit mit unwägbaren persönlichen
Risiken sowohl hinsichtlich ihres Einkommens wie auch ihrer Absicherung
gegen die Wechselfälle des Lebens erwartet, ganz zu schweigen von
der Lösung der Frage, wie die nahezu unbegrenzt vorhandene Arbeit
im informellen Teil einmal bezahlt werden soll.
Es würde somit nur dem
auch sonst in der Wissenschaft als allgemeinverbindlich geltenden Prinzip
entsprechen, praktische Versuche zur Lösung dieses in seiner Bedeutung
für die moderne Gesellschaft gar nicht hoch genug einzuschätzenden
Problems der "Trial-and-error-Methode" zu unterwerfen. Experimente der
oben beschriebenen Art müßten also zumindest vom Grundsatz her
zugelassen werden. Zu empfehlen wäre die Errichtung einer am besten
dem Wissenschaftsministerium direkt zu unterstellenden Zentralstelle, der
alle geplanten Versuche gemeldet und nach einer noch zu erlassenden Vorschrift
in regelmäßigen Abständen Berichte erstattet werden müßten.
Aus rein praktischen Gründen
würden sich fürs erste wohl ausschließlich Experimente
nach Art des Wörgler Modells empfehlen, an dem nichts Entscheidendes
geändert werden müßte. Denn bei den wie auch immer zu benennenden
"Arbeitsbescheinigungen" brauchte nur das umständliche Aufkleben von
Wertmarken durch das Abstempeln in Automaten ersetzt werden, wie sie für
die Lösung von Fahrkarten heute schon jedes Schulkind beherrscht.
Darüber hinaus erscheint auch eine bargeldlose Abwicklung als durchaus
nicht mehr unmöglich.
Es dürfte heute in Deutschland
wohl kaum eine Stadt oder Gemeinde ohne mehr oder minder dringende Aufgaben
geben, die ausschließlich aus finanziellen Gründen nicht erledigt
werden können. Die Palette reicht von der Instandhaltung ständig
verschmutzter, stinkender öffentlicher Toiletten und mit Abfällen
und Müll übersäter Straßen, Plätze und öffentlicher
Erholungsräume über die Hilfe für Alte und Behinderte, über
Dienstleistungen in Krankenhäusern sowie die Einrichtung und den Betrieb
von Räumen für Jugendtreffs bzw. zur Beschaffung und Herrichtung
von Wohnraum für Obdachlose, darunter, welche Schande!, auch obdachloser
Mütter mit Säuglingen und kleinen Kindern. Wenn, wie als selbstverständlich
vorausgesetzt werden muß, die "Arbeitsbestätigungsscheine",
oder wie man sie auch immer nennen will, weder auf das Arbeitslosengeld
noch auf die Arbeitslosenhilfe angerechnet werden, würde es mit Sicherheit
geradezu einen Run auf die gebotenen Arbeiten geben. Das Gefühl, wieder
etwas Sinnvolles tun zu können, würde vielen, vor allem Jugendlichen,
wieder Halt geben. Ob es auch für die Resozialisierung bereits verwahrloster
Jugendlicher ausreichen würde, mag dahingestellt bleiben. Immerhin
aber wäre dem weiteren Abgleiten Jugendlicher in die Verwahrlosung
ein wirksamer Riegel vorgeschoben.
Wichtig wäre zudem auch,
die Jugendlichen wieder zu einem sparsamen Umgang mit Geld anzuhalten.
"Den Arbeit leistenden Arbeitslosen" müßte also dabei geholfen
werden, ihr zweifellos selbstverdientes Geld im Blick auf spätere
größere Ausgaben einigermaßen "richtig" anzulegen.
Wie sich jederzeit nachprüfen
läßt, hat das "Wunder von Wörgl" authentisch gemacht, daß
das Projekt seines Bürgermeisters Unterguggenberger sich nicht nur
selbst finanzieren konnte, sondern darüber hinaus auch noch zu erheblichen
Überschüssen führte, die es der Gemeinde Wörgl ermöglichten,
einen großen Teil ihrer drückenden Schuldenlast zu tilgen.
Doch im Grunde handelte es
sich hier um kein Wunder. Denn bei genauem Hinsehen zeigt sich, daß
Unterguggenberger nur im kleinen und in vereinfachter Form das vorweggenommen
hatte, was Hilmar Schacht wenig später in großem Stil
zur Ankurbelung der am Boden liegenden deutschen Wirtschaft unter der Bezeichnung
"Mefowechsel" zum Einsatz brachte.
Was wäre uns und der
ganzen Welt erspart geblieben, wenn die Instrumente, die dem Nationalismus
seine Wahnsinnstaten erst ermöglichten, beizeiten von friedliebenden
demokratischen Staaten eingesetzt worden wären!
Sollte das nicht Mahnung
genug sein, den Faden dort wieder aufzunehmen, wo er einst mutwillig zerissen
wurde! Die Möglichkeit dazu ist jeden Tag gegeben, allerdings nur
für diejenigen, die die Macht in den Händen halten.
Der geschilderte Prozeß
läßt sich übrigens auf einen ganz einfachen und klaren
Nenner bringen, nämlich: Wenn in einem Wirtschaftsraum im Überfluß
vorhandenes Realkapital brachliegt und zudem auch noch zahlreiche arbeitsfähige
und arbeitswillige Menschen keine Beschäftigung finden, besteht die
Möglichkeit, über "Arbeitsbestätigungsscheine", die mit
einer Umlaufsicherung ausgestattet sind, einen Ergänzungsmarkt zu
schaffen, auf dem sowohl Einkommen als auch nachgefragte Güter entstehen.
Eine Aufweichung der offiziellen
Währung läßt sich durch die in das zusätzliche Tauschmittel
eingebaute Umlaufsicherung mit absoluter Sicherheit ausschließen.
Die Stabilität der Währung wird vielmehr ganz im Gegenteil durch
die bessere Auslastung der Produktivkräfte bzw. die Erhöhung
der Güterproduktion und die finanzielle Entlastung von Staat und Sozialversicherung
eher noch verstärkt. Damit erweist sich der Ergänzungsmarkt als
Königsweg zur Überwindung der gegenwärtigen wie auch künftiger
Krisen.
Tauschringe
– Warum sie wirklich entstanden sind
Werner Bareis, Talentbörse Göppingen (vertrete hier allerdings
keine offizielle Meinung der Talentbörse, eine solche gibt es in unserem
Tauschring auch gar nicht, und das soll sich auch nicht ändern)
Zur Person: Jahrgang 1966, studierte Betriebswirtschhaft, arbeitet
jetzt als Controller bei einem Bildungsträger
Liebe Freunde, erlaubt mir zunächst etwas auszuholen:
Selbst in der Tauschringszene wissen nur wenige, daß nach dem
zweiten Weltkrieg bis zur Währungsreform Dutzende Tauschringe existierten,
so in Nordbayern, Hessen, Niedersachsen, Berlin. Am verbreitetsten waren
Tauschringe jedoch in Württemberg und Baden mit insgesamt 27 Tauschringen.
Mit Zustimmung der Militärregierungen wollten sie die Versorgung
der Bevölkerung und die Umsätze des Handels verbessern. Initiatoren
waren meist örtliche Einzelhandelsgeschäfte aus unterschiedlichen
Branchen. Ein Tauschinteressent mußte sein Tauschobjekt bei dem dafür
zuständigen Fachgeschäft schätzen lassen. Falls sich die
Tauschstelle zum Ankauf entschloß, bekam der Tauschverkäufer
einen Tauschbon und zusätzlich Bargeld im Wert des Tauschobjektes.
Der Tauschbon berechtigte sechs Monate lang zum Erwerb eines Tauschgutes
in jedem angeschlossenen Geschäft. Der Tauschbon war mindestens so
wichtig wie das Bargeld, denn damals herrschte eine strenge Güterrationierung.
Im Unterschied zu unseren Tauschringen floß also bei jedem Tausch
stets auch Geld.
Bei den Tauschringen ging es nicht um Peanuts: In der Stadt Esslingen
wurden zum Beispiel fünfzig Prozent der Gesamtnachfrage nach Schuhen
im Rahmen des Tauschrings abgedeckt, die anderen fünfzig Prozent wurden
regulär gehandelt. In vierzehn Monaten wechselten per Tausch 26.340
Paar Schuhe den Besitzer. Natürlich wurden nicht nur Schuhe getauscht,
sondern auch Kleidung, Haushaltsartikel und Werkzeuge. So verbreitete sich
rasch der Leitspruch "Fehlt Dir ein Ding? Dann tausch es beim Ring."
Mit der Währungsreform und dem sich damit normalisierenden Warenangebot
verschwanden die Tauschringe allerdings rasch.
Analyse und Kommentar: Schluß mit dem frommen Selbstbetrug !
Warum blühen die Tauschringe nach ihrem raschen Niedergang mit der
Währungsreform 1948 jetzt wieder auf, wenn auch in bescheidenerem
Maße als damals, und feiern fröhliche Urständ? Die Frage
hat es in sich. Die D-Mark, die damals sehr rasch die Tauschringe killte,
existiert schließlich immer noch. Und daß die Einführung
des Euros Ursache ist, wird niemand ernsthaft behaupten. Vielleicht geht
es ja bei den Tauschringen gar nicht so sehr um Fragen der Arbeitslosigkeit,
der wirtschaftlichen Verarmung, der lokalen Wirtschaft, des Zinssystems
oder um das menschliche Miteinander, wie ständig von deren Repräsentanten
angeführt und geglaubt wird. Die Arbeitslosenquote jedenfalls unterschied
sich 1948 nicht wesentlich von heute - Kriegsheimkehrer und Millionen Vertriebene
drängten damals auf den Arbeitsmarkt.
Auch daß die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland stark
zugenommen habe, wurde nie wirklich überzeugend belegt. Übrigens
hatten 1996 die ärmsten fünf Prozent der Bevölkerung in
Westdeutschland inflationsbereinigt 18 Prozent mehr Einkommen als 1986.
Das weiß zumindest das eher gewerkschaftsnahe Deutsche Institut für
Wirtschaftsforschung (DIW), das die Zahlen anhand einer repräsentativen
Stichprobe von 18.000 Menschen ermittelt hat. Und weiter DIW: Die Einkommensverteilung
sei völlig stabil. (Capital 3/98, darf man diese Zeitschrift in der
Tauschringszene überhaupt erwähnen?). Wirklich Arme, die es natürlich
gibt, muß man in den meisten Tauschringen ohnehin mit der Lupe suchen,
die finden nämlich kaum zu uns. Mal abgesehen davon, daß ein
Sozialhilfeempfänger verglichen mit einem Angestellten anno 1948 ein
vergleichsweise gutes Auskommen hat, wenngleich er jeden Pfennig zweimal
umdrehen muß.
Die Globalisierung der Wirtschaft (hier müssen wir deren Chancen
und Risiken nicht diskutieren) war, gemessen an der Exportquote, zu Beginn
unseres Jahrhunderts nicht geringer als heute, ohne daß man damals
von der Förderung der lokalen Ökonomie oder gar von der Notwendigkeit
von Tauschringen sprach.
Sind Tauschringe eine Erscheinung in Zusammenhang mit Fehlentwicklungen
unseres Zinssystems? Eher nicht. Die Zinssätze haben vor kurzem erst
historische Tiefststände erreicht. Außerdem bauen einige Staaten
ihre Verschuldung inzwischen sogar ab.
Auch die Vereinsamung in unserer Gesellschaft ist keine plausible Erklärung
für die Renaissance der Tauschringe. Die Einsamkeit der Menschen hat
nämlich entgegen aller anderslautenden, ständig wiederholten
Mutmaßungen seit 1948 eher abgenommen. Das Allensbacher Institut
führte mit nahezu unverändertem Fragebogen 1953, 1979 und 1990
eine breite Umfrage durch, die mehr als zehn Fragen zur Vereinsamung enthielt.
Es fand sich kein einziges Ergebnis, das eine zunehmende Kälte und
Vereinsamung bestätigte. Ganz im Gegenteil fühlten sich 1990
viel weniger Menschjen einsam als 1953; die Zahl der Gesprächspartner
hatte zugenommen, die Häufigkeit der gegenseitigen Einladungen ebenso
(FAZ 13.01.99). Also Schluß mit dem Geheule! Und wäre die Vereinsamung
der Menschen das Problem, dazu hätte man die Tauschringe nicht erfinden
brauchen, denn an Möglichkeiten, Leute kennenzulernen, gibt es nun
wirklich kein Mangel -wenn man die Zeit dazu hat. Und wenn man keine Zeit
hat, oder total verschüchtert ist, hilft meist auch kein Tauschring.
Also hört endlich auf mit dem frommen Selbstbetrug, was die Gründe
für das Entstehen der Tauschringe anbelangt. Fragen des Zinssystems,
der Arbeitslosigkeit, der lokalen Wirtschaft oder das menschliche Miteinander
sind dafür keine Erklärung. Seit 1948 hat sich vor allem eines
geändert: Die Gier des Staates! Umsatz- und Einkommensteuer sind stark
angestiegen, die sogenannten Sozialabgaben geradezu explodiert. Der Normalverdiener
leistet von Januar bis in den Juni hinein ausschließlich Frondienste
für den Staat, erst der Lohn für die restlichen Monate fließt
in seine eigene Tasche (deshalb wurmt es mich auch, wenn neue Tauschringe,
kaum haben sie drei oder vier Mitglieder, gleich an staatliche Fördertöpfe
drängen wie die Sau an den Trog - Verzeihung!). Auf dem regulären
Markt muß heute ein Maurer vier Stunden arbeiten, um eine Klempnerstunde
zu bezahlen, und der muß vier Stunden arbeiten, um eine Maurerstunde
zu berappen. Das ist es, was sich seit 1948 gravierend geändert hat!
Ursache für das Aufblühen der Tauschringe ist alleine der ausufernde
Moloch Staat. Und hier ist der Tauschring eine legale Nische. Nicht zu
vergessen der Wust an Gesetzen und Verordnungen, mit dem uns der Staat
eindeckt. Tauschringe haben dagegen unbewußt (die meisten werden
es niemals wahr haben wollen) den Charme einer deregulierten Wirtschaft
entdeckt: Jeder kann im Prinzip im Tauschring machen, was er will, solange
er niemand anders schädigt - man kann von einer regelrechten Spontanindustrie
sprechen.
Meine "linken Freunde", mit denen ich mich als (noch) junger Heißsporn
und sowieso als Betriebswirt stets mit Vergnügen etwa auf überregionalen
Tauschringtreffen fetze, neigen gelegentlich dazu, die Tauschringe als
ein "linkes Projekt" zu verstehen. Hier behaupte ich mal einfach, daß
die Tauschringe konsequent gedacht ein durch und durch liberales Projekt
sind (aus Gründen der Selbstachtung muß ich aber gleich hinzufügen,
daß ich in meinem Leben noch nie die Drei-Pünktchen-Partei gewählt
habe - immerhin!).
Um Mißverständnissen vorzubeugen: Tauschringe sind aus meiner
Sicht organisierte Nachbarschaftshilfe und keine Schwarzarbeit, solange
der Einzelne keine gigantischen Umsätze erzielt. Insofern sind Tauschringe
eine legale Ausweichbewegung. Daß man nette Menschen kennenlernen
kann, auch aus Gesellschaftsgruppen und -schichten, mit denen man sonst
kaum Kontakt hätte (siehe vorhergehender Absatz), bleibt natürlich
trotzdem eine schöne Nebenwirkung. Ich wünsche mir, daß
die Tauschringbewegung weiterhin so bunt bleibt. In diesem Sinne viel Spaß
beim Tauschen!
Im Übrigen freue ich mich auf eine anregende Diskussion auf dem
Tauschringtreffen.
Quelle zu den historischen Angaben: Christian Schneider: Ein unentdecktes
Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte - Der Esslinger Tauschring und die
Vereinigten Tauschringe in Württemberg-Baden - veröffentlicht
in: Esslinger Studien 35 / 1996 Hrsg: Stadtarchiv Esslingen (umfaßt
mit einer differenzierten Tauschstatistik und mit umfangreichen Literaturangaben
11 Seiten)
Werner Bareis,
Vision Internet
PS: Ein wirklich neues Thema für ein bundesweites
Tauschringtreffen (und für den Reader?), für das ich aber persönlich
nur bedingt kompetent bin:
Vision Internet: Bisher sind Tauschringe
mehr oder weniger eine Randerscheinung, was die Verbreitung und die Mitgliederzahlen
anbelangt. Wir bewegen uns im Promillebereich. Das Internet bietet eine
Chance, eine riesige Breitenwirkung zu entfachen. Dazu reicht es natürlich
nicht, Adressen von Tauschringen ins Internet zu stellen (Trotzdem danke
ich denen, die das tun). Vielmehr müsste es eine Seite geben mit,
sagen wir mittel- bis langfristig 100.000 Tauschangeboten aus allen Ecken
Deutschlands oder gar Europas. Das wäre dann eine Dimension wie etwa
der Online-Versteigerer wie e-bay. Und plötzlich würde die Tauschringbewegung
wirklich ernst genommen werden. Regierungen und Zentralbanken kämen
in’s Schwitzen. Man denke nur dran, wie schnell plötzlich das Rabattgesetz
etc. abgeschafft wird, weil es Internet-Auktionen behindert.
Oder wollen wir gar keine Breitenwirkung? Wollen
wir ein kleiner, elitäter Zirkel bleiben?
Stellt sich nur die Frage: Wer könnte so was
bewerkstelligen? Das kostet doch unendlich Zeit und Nerven. Meine persönliche
Meinung: Ohne Initiative von Internet-Unternehmen geht das nicht. So ein
Projekt realisiert man nicht so geschwind nebenher in der Freizeit. Allerdings
könnte ich mir vorstellen, dass es uns gelingen könnte, ein Internet-Auktionshaus
als Partner zu gewinnen, da es gewisse Parallelen mit diesen gibt: Bisher
bieten die eben nur Produkte an, wir hingegen die Dienstleistungen.
Was kann ein Tauschringtreffen in dem Zusammenhang
bewirken? Es könnte Tauschringe motivieren, sich an solch einem Projekt
zu beteiligen. Wenn von 200 Tauschringen 50 mitziehen, und sich vielleicht
auf gemeinsame Modalitäten evrständigen, dann ist eine Chance
da, diese Idee zu realisieren. Wir dürfenn allerdings nicht sektiererisch
wirken. Dann springt garantiert ein Internet-Unternehmen drauf auf. Umgekehrt:
Ohne solche Rückendeckung wird wenig laufen. Und wir bleiben eine
eher belanglose Geschichte, die ihren Zenit bereits überschritten
hat.
Das Selbstverständnis der Tauschringe im Boom
lokaler Netzwerke
Auf lokaler Ebene werden die Folgen des gesellschaftlichen und sozialen
Auseinanderdriftens zwischen denen, die oben schwimmen und dazu gehören
und den anderen, die überwiegend "zugucken" dürfen, immer krasser.
Zunehmende Arbeitslosigkeit und berufliche "Nicht-Perspektive" für
Jugendliche wie auch für AkademikerInnen führen zu einem "Boom"
des "Dritten Sektors", d.h. von "Nonprofit-Organisationen", die weder Marktunternehmen
noch Staat sind. Allein im Heidelberger Selbsthilfe- und Projektebüro
tummeln sich über 350 Projekt- bzw. Selbsthilfegruppen. Von Landesseite
anfangs stark unterstützt rollt seit ca. 2 Jahren die Welle des "Freiwilligen
bürgenschaftlichen Engagements" über baden-württembergische
Kommunen. Daneben gibt es etliche Beschäftigungsgesellschaften und
Verbände, Vereine und Gruppierungen, die alle "teilhaben bzw. dabei
sein wollen" am gesellschaftlichen, am sozialen und oft auch am monetären
Leben.
Bei zunehmender Finanznot und Personalknappheit im 1., 2. und staatlichen
Sektor stellt sich neuerdings für selbstorganisierte Gruppen - wie
der Tauschring - die Gefahr, von anderen instrumentalisiert zu werden.
Die Frage
des Gebens und Nehmens muss hier jedesmal neu definiert / gefunden
werden: Was dient der Sache und den MitgliederInnen sowie der positiven
Entwicklung des lokalen Tauschringes, was hemmt die Freiheit? Letztlich
bis hin zu der Frage und der damit verbundenen Gefahr: "Wo fängt möglicherweise
ein
Mißbrauch / die Fremdbestimmung an" ?
In der Arbeitsgruppe soll hierzu diskutiert werden, wobei gemeinsam
herausgefunden werden soll, wie man am geschicktesten damit umgeht, welche
Verhaltsenweisen für die weitere Zukunft ratsam sind.
Das wär's.
Grüsse, Sabine Wacker
Einladung
zum Tauschring-Bundestreffen 2000
- Eigenverantwortung und soziales Engagement -
Freitag, 29.9. bis Sonntag, 1.10.2000
im Kulturzentrum Tempel
Liebe Tauschringfreundinnen und Tauschringfreunde,
die Tauschsysteme Karlsruhe, Wettersbach und Baden-Baden
planen diese Veranstaltung gemeinsam und laden Euch herzlich ein, diese
Tage aktiv mitzugestalten.
Das Programm
| Wir haben ein breites Programm
mit praktischen und theoretischen Themen und ein buntes Kulturprogramm
mit vielen Möglichkeiten, sich näher kennenzulernen.
Das ausführliche Programm
auf einer extra Seite |
Die Schwerpunkte:
1. Lokale Ökonomie im vereinten Europa
2. Bewertung der Arbeit im sozialen Miteinander
3. Womit sind wir angetreten? Was geht gemeinsam
weiter?
4. Tauschring-Praxis |
Für die Zeit bis zum Bundestreffen geht es u.a. darum,
geeignete Fragestellungen zu entwickeln, für die auf dem Bundestreffen
konsensfähige Antworten erarbeitet werden können. Wir bitten
um Diskussionsbeiträge an uns und die üblichen Tauschring-Medien.
Der Tagungsort
Das Bundestreffen findet im Kulturzentrum
Tempel in Karlsruhe statt. Eine ehemalige Brauerei, die seit 16 Jahren
als selbstverwaltetes Kulturzentrum mit 50 verschiedenen Initiativen fungiert.
Die zentralen Tagungsräume stehen uns durchgehend zur Verfügung.
Viele Initiativen sind selbst im Tauschring, so z. B. das Café Havanna,
in dem abends Salsa getanzt werden kann und wo Getränke mit Talenten
bezahlt werden können.
Die Anmeldung
Für die Anmeldung verwendet bitte unsere Anmeldeseite,
die Ihr möglichst schnell ausgefüllt per Mail, Fax oder gelbe
Post an uns sendet. Für einen reibungslosen Ablauf ist eine Anmeldung
bis Ende August erforderlich.
Wir möchten dieses Mal einen Tagungs-Reader vorher
erstellen und verschicken, so daß sich die Teilnehmer auf die AGs
und Diskussionen vorbereiten können. Wir bitten die Referenten um
Beiträge zu ihren Themen. Der Beitrag sollte maximal 2 Seiten (DIN
A 4) lang sein und bis Anfang August bei uns eingehen. Der Tagungs-Reader
wird allen angemeldeten Teilnehmern Anfang September zugeschickt.
Bitte klärt in Eurem Tauschring, was Ihr im Namen
des Tauschringes sagen oder mitentscheiden könnt.
Anfahrt
Vom Hauptbahnhof mit der Straßenbahn Linie 2 Richtung
Daxlanden oder Rappenwörth bis zur Haltestelle Entenfang. Von dort
etwa 5 min zu Fuß. Aus Richtung Stadt kommend rechts in die Rheinstraße.
Mit dem Auto von der A5 Ausfahrt KA-Mitte über die
B 10 (Schnellstraße) bis zur Ausfahrt Mühlburg. An der Ampel
(Ihr seid beim Entenfang) rechts und gleich wieder links in die Rheinstraße.
Mit dem Auto aus der Pfalz kommend über die Rheinbrücke
(B 10) bis zur Ausfahrt Rheinhafen. An der Ampel links, der Straße
folgend bis zum Entenfang (3. Ampel). Dann links und gleich wieder links
in die Rheinstraße.
Die Rheinstraße bis zur Hardtstraße, dann
rechts etwa 200 m bis zum Lindenplatz. Gegenüber der gelben
Kirche in die kleine Zufahrtsstraße. Im Hof des Kulturzentrums seht
Ihr rechts den Hauptbau (Bau I) mit seinen Erkertürmchen und dem Haupteingang
in der Mitte. Parken nach Möglichkeit außerhalb des Geländes.
Wir freuen uns auf Eure Nachricht
Mit liebem Gruß,
Euer Orga-Team
Anmeldung zumTauschring-Bundestreffen 2000
Ich/ Wir möchten am Tauschring-Bundestreffen 2000
teilnehmen und melden uns hiermit verbindlich an.
| Name:
Organisation:
Anzahl der Teilnehmer: |
Adresse:
Tel/Fax:
eMail: |
Ich/Wir kommen am _______ (Freitag abend) und bleiben
bis
________ (Sonntag mittag).
Geld
Der Tagungsbeitrag (einschl. Reader) beträgt DM
40,- zuzüglich 2 Stunden in Tauschring-Verrechnungseinheiten. Bitte
erkundigt Euch bei Eurem Tauschring, wie die Verrechnung mit anderen Tauschringen
bei Euch üblich ist. Wir bieten an: über den Ressourcen-Tauschring
(Osnabrück), über ein generelles Außenkonto oder über
ein spezielles Außenkonto mit Eurem Tauschring. Wer nicht verrechnen
kann, den bitten wir um eine DM-Spende oder Mithilfe beim Treffen. Verpflegung
und Unterbringung werden vor Ort beim Treffen abgerechnet. Wir möchten
bei dem Treffen "Talent-Gutscheine" ausgeben, mit denen beim Treffen alles
Mögliche bezahlt werden kann.
(__) Ich/Wir möchten einen ermäßigten
Tagungsbeitrag, da die Kosten für uns eine schwere Belastung darstellen.
(__) Ich/Wir überweisen den Tagungsbeitrag an Tauschring
Karlsruhe, Kto: 63 956 800, BLZ 430 609 67, GLS-Bank
Übernachtung
(__) Ich/Wir kümmern uns selbst um die Übernachtung.
Bed and Breakfast-Vermittlung (ab 39,- DM), Tel 07243
- 526682, Fax 526683, karlsruhe@bed-and-breakfast.de
Jugendherberge, Moltkestraße 24, Tel 0721 - 28248,
Fax 27647 (24,- bis 29,- DM)
Verkehrsverein Karlsruhe, Tel 0721 - 35530, Fax 35534399
(__) Ich/Wir möchten privat bei Tauschring-Mitgliedern
unterkommen (ca. 1-1,5h in Talenten/Nacht).
(__) Ich/Wir möchten im Matratzenlager übernachten
und bringen Schlafsack und Iso-Matte mit.
Verpflegung
Ich/Wir möchten Verpflegung ( )Fr abend
| ( )Sa früh | ( )Sa mittag | ( )Sa abend | ( )So früh | ( )So
mittag
(__) Ich/Wir bevorzugen vegetarisches Essen.
Programm
Ich/Wir möchten uns noch mit folgendem Beitrag/
Arbeitsgruppe/ Selbstdarstellung/ Präsentation aktiv beteiligen:
Thema/ Referent: __________________________ Wir brauchen
dafür:___________________________
Ich/Wir interessieren uns besonders für folgende
Themen/ Programmpunkte: ________________________
(__) Ich/Wir möchten beiliegenden Beitrag in den
Reader (möglichst per eMail oder html-Datei).
(__) Ich/Wir holen den Reader aus dem Internet und brauchen
keine gedruckte Version per Post.
(__) Ich/Wir möchten einen Stand auf dem Markt der
Möglichkeiten machen (Details bitte gesondert klären).
Sonstiges
(__) Ich/Wir wünschen uns Unterstützung bei
der Betreuung für _____ Kinder im Alter von _____ Jahren.
Ich/Wir reisen an (__) mit der Bahn (__)
mit dem Auto.
Viele Grüße von
(verbindliche Unterschrift, d.h., der Tagungsbeitrag
wird auf jeden Fall bezahlt)

Fragebogen
zum Tauschring-Bundestreffen 2000
Wenn wir schon mal alle Tauschringe für
das Bundestreffen anschreiben, dann interessiert uns natürlich auch
die aktuelle Entwicklung.
Alle Einzelfragen sind freiwillig, Ihr könnt also
auch nur Teile ausfüllen. Es wäre schön, wenn Ihr den Fragebogen
auch dann ausfüllt, wenn Ihr nicht zum Bundestreffen kommt.
Die Auswertung wird zum Bundestreffen bekannt gegeben
und dann noch mal mit den später eingehenden Fragebögen in den
Tausch-System- Nachrichten veröffentlicht.
Zurück an
Tauschring
Karlsruhe, Tel/Fax: 0721 - 955 35 41
Hardtstr. 37a,
76185 Karlsruhe
Wie heißt Euer Tauschring?
________________________________
In welcher Stadt/ Region seid Ihr?
________________________________
Wie viele Mitglieder habt Ihr zur Zeit? _____
Wie viele Mitglieder sind 1999
neu hinzugekommen / ausgetreten? _____ / _____
Wie ist Eure Tauscheinheit definiert? _______
Wie viel Tauschumsatz hattet Ihr im letzten Jahr (1999)
in Stunden (oder DM-Äquivalent)? _____
Wieviel Tauschumsatz lief über Euer Systemkonto (Verwaltung,
Organisation) im Jahr 1999? ______
Wie viele Tauschvorgänge (ohne Systembuchungen und
Gebühren) hattet ihr 1999 ungefähr? _____
|
Die folgenden Fragen sollen auf einer Skala
von
1 = schlecht/unwichtig bis 5 = gut/wichtig bewertet
werden (0 = keine Angabe).
Wurzeln: Wir machen den TR, weil uns wichtig ist:
(___) Leistungsaustausch auf der sachlichen Ebene
(___) Soziale Kontakte
(___) Geldtheorie/ Alternativwirtschaft
(___) ______________________________
Ziel: Wir streben an:
(___) Anerkennung unserer Arbeit durch öffentliche
Stellen, Ämter und Behörden
(___) Mitwirkung an sozialen und gesellschaftlichen
Entwicklungen
(___) Alternativen zur normalen Geldwirtschaft
(___) ______________________________
Trend: Die Entwicklung unseres Tauschrings gegenüber
dem Vorjahr beurteilen wir so:
(___) Qualität der gegenseitigen Hilfe
(___) Qualität der sozialen Kontakte
(___) Spaßfaktor
(___) Handlungsfähigkeit des Orga-Teams (Vorstand)
(___) ______________________________
Fokus: Die Tauschringe insgesamt sollten sich auf
folgende Themen konzentrieren:
(___) Öffentliche Bekanntheit
(___) Zufriedenheit der Mitglieder
(___) Beteiligung an gesellschaftlichen Entwicklungen
(___) Rechtssicherheit
(___) Effektive Interessenvertretung in der Politik
(___) ______________________________
Vielen Dank für Eure Mühe!
Viele Grüße aus Karlsruhe |
Die Realisierung des Treffens geschieht mit freundlicher
Unterstützung von:
Kulturverein
Tempel e.V., DanConsulting
GmbH, GLS Gemeinschaftsbank
eG und vielen Helfern!
Unser Unternehmen findet die "Tauschring-Idee" unterstützenswert.
DAN Consulting GmbH
Douglasstr. 24-26
76133 Karlsruhe
FON +49(0)721-13098-0
FAX +49(0)721-13098-20
www.dan-consult.de
E-mail info@dan-consult.de
Innovatives und erfahrenes Dienstleistungsunternehmen im IT-Bereich
bietet
- Beratung, Projektentwicklung, Qualitatsmanagement -
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Mitarbeiter gesucht, die noch etwas
bewegen wollen !
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Anders mit Geld umgehen
Neues von der GLS-Bank
GLS-Windpark Schleiden
Eines von über 1300 Projekten der GLS Gemeinschaftsbank eG ist
der GLS-Windpark Schleiden.
Zwölf Windkraftanlagen des Typs Tacke TW 1.5s werden bis Ende
September 2000 auf den Höhen der Eifel in der Nähe der Stadt
Schleiden in Betrieb gehen. Das Investitionsvolumen beträgt ca. 43
Millionen DM.
Die Windkraftanlagen werden rund 38 Millionen kWh umweltfreundlichen
Strom produzieren und in das Netz einspeisen. Damit können ca. 10.
000 Haushalte im Jahr mit Wind-Strom versorgt werden. Der Bau der Anlagen
bedeutet auch einen erheblichen wirtschaftlichen Impuls für die Region,
da ein Teil der Investitionen von Unternehmen vor Ort ausgeführt werden.
Da fast alle Windkraftanlagen auf städtischen Flächen gebaut
werden, fließen der Stadt und damit allen Bürgern Pachteinnahmen
zu. Mit dem Windpark Schleiden ist es der GLS Gemeinschaftsbank eG gelungen,
eine schonende Form der Windkraftnutzung zu verwirklichen.
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Aus zwei Gründen bin ich Mitglied der Gemeinschaftsbank geworden:
einmal aus einem Gefühl von Solidarität, auf der anderen Seite
überzeugt mich das Konzept.
Sehr viel stärker als früher denke ich heute daran, was mit
dem Geld geschieht.
Ursula Sladek, Mitgründerin der Schönauer Netzkaufinitiative,
Mitglied der Gemeinschaftsbank seit 1994
Anlagetipp
Ann-Kristin Schulke, Filiale Hamburg
Liebe Leserinnen und Leser,
auf der Grundlage des neuen Erneuerbare-Energien-Gesetzes, der guten
Windverhältnisse in der Eifel und einer Platzierungsgarantie der GLS
Gemeinschaftsbank eG wird aus dem GLS-Windpark Schleiden eine attraktive
Kapitalanlage. Beginnend mit 6% p.a. werden über die Zeit von 20 Jahren
ca. 380% der Kommanditeinlage an die Fondszeichner ausgeschüttet.
Eine Beteiligung ist ab 10.000 DM möglich, für Bürgerinnen
und Bürger des Kreises Euskirchen bereits ab 3. 000 DM. |
Die GLS-Bank
Die GLS Gemeinschaftsbank eG Bochum ist die älteste Bank in Deutschland
im Bereich ethisch-ökologischer Geldanlagen. Seit ihrer Gründung
1974 hat sich die Bank rasch entwickelt und auf dem Sektor Geldanlagen
und Bankdienstleistungen immer wieder innovative Formen hervorgebracht.
Hauptziele der Bank sind Transparenz der Geldanlagen und eine gute und
umfassende Kundenberatung. Die Bank arbeitet bundesweit und unterhält
Filialen in Stuttgart und Hamburg. Die Bilanzsumme betrug per
31. 12. 1999 329 Millionen DM, was einen Zuwachs von 14% im Vergleich
zum Vorjahr darstellt.
Wir informieren Sie gern!
Rufen Sie uns kostenfrei an unter:
0800-457 22 65
GLS Gemeinschaftsbank eG
Oskar-Hoffmann-Str. 25
44789 Bochum
www.gemeinschaftsbank.de
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