Reader zum Tauschring-Bundestreffen 2000
Ergänzungen seit dem 10.9.00
21.9.00 Ziele des Tauschring-Bundestreffens
21.9.00 Eigenverantwortung und soziales Engagement
21.9.00 Womit sind wir angetreten, wie
geht es weiter?
21.9.00 Das Selbstverständnis der Tauschringe
im Boom lokaler Netzwerke
21.9.00 LA21-Förderung
der Stadt Karlsruhe
25.9.00 Diskussionsbeitrag1 von Klaus Kleffmann
25.9.00 Diskussionsbeitrag1 von Klaus Kleffmann
25.9.00 Rebecca und Mauricio Wild
25.9.00 Zukunfstwerkstatt (Elisabeth Hollerbach)
Kurzfristige Programmänderungen:
- Überregionaler Tausch / Ressourcen-Tauschring Sa 11:30 (nicht
15:00)
- Tauschring-Software (Helge Ruben, Hamburg, So 9:00) (NEU)
- Seniorenhilfe Ditzenbach ENTFÄLLT.
- Wie Gründe ich einen Tauschring (Ursula Kisse, So 9:00, Büro-Vorraum)
NEU
Weitere Änderungen am Schwarzen Brett
Ziele des Tauschring Bundestreffens 2000
Diskussionsbeitrag von Helfried Lohmann, Karlsruhe
Welche Ziele können für das Bundestreffen gesteckt werden?
Es sind nur ein Teil der Tauschringe vertreten.
Die Delegierten haben nur eingeschränkte Kompetenzen für
ihre Tauschringe.
Realistische Ziele können sein:
- Anregungen in die Tauschringe mitnehmen.
- Neue Menschen für Aufgaben auf Bundesebene gewinnen.
- Menschen, die Aufgaben auf Bundesebene übernommen haben, den
Rücken stärken.
- In der Öffentlichkeit auftreten
Was können wir nicht erwarten?
Große gemeinsame Ziele und politische Erklärungen. Wir müssen
mit dem Pluralismus leben und die Stärken entwickeln. Die Standortbestimmung
vom Bundestreffen in München wird weiter Bestand haben - mehr nicht.
Als Ergebnis des Treffens und der Aufgabenverteilung auf Bundesebene
wünsche ich mir eine komplexe Informationssammlung, die immer aktuell
gehalten wird. Nicht einzelne machen in mühevoller Arbeit ein Buch,
welches nach dem Druck veraltet, sondern viele halten die Information aktuell.
Für jedes Thema gibt es eindeutige Ansprechpartner und ein Netz von
Leuten, die weiterhelfen.
Als Medium sollten wir das Internet benutzen, wo von einer Zentralen
Seite zu den verschiedenen Themengebieten verzeigert wird. Wenn jemand
seine übernommenen Aufgaben nicht mehr erfüllen kann, so kann
die bisherige Arbeit an den nächsten übergeben werden.
Damit wir diese Ziele erreichen können, brauchen wir Menschen,
die mitarbeiten möchten. Jeder möge sich fragen, was er oder
sie zu übernehmen könnte. Detaillierte Aufgabenbeschreibungen
stehen im Reader.
| Adressliste |
Kreuzberger Tauschring |
| Internet-Adressen, Linkliste |
? |
| Archiv |
Tauschring-Archiv, Klaus Kleffmann |
| Bundestreffen 2001 |
? |
| Zeitschrift als Diskussionsforen |
Tauschsystem-Nachrichten, Klaus Kleffmann u.a. |
| Mailing-Liste als Diskussionsforum |
Klaus Kleffmann |
| Integration von Gewerbe |
Norbert Baier, Freiburg |
| Tauschring-Gründung |
? |
| Haftungsrecht |
? |
| Internationale Kontakte |
? |
| Verbindung nach Österreich |
Reinhard Pichler |
| Verbindung in die Schweiz |
Renato Pichler |
| Zusammenarbeit mit Städten / Gemeinden |
? |
| Literaturliste |
? |
| Lobby-Arbeit |
? |
| Softwareliste |
Klaus Günzel, Karlsruhe |
| Sozialrecht |
Stefan Purwin, Kreuzberg |
| Statistik |
? |
| Steuerrecht |
? |
| Vereinsrecht |
? |
| Pressearbeit |
? |
| Überregionaler Tausch |
Ressourcen-Tauschring, Klaus Kleffmann |
| Bundes-Coach (Pflege dieser Liste) |
Helfried Lohmann, Karlsruhe |
| Lokale Agenda 21 |
Uta Hermel - Baden-Baden, Klaus Fournell - Freiburg |
| Termine |
TSN, Mailing-Liste |
Eigenverantwortung und soziales Engagement
Diskussionsbeitrag zum Titel-Thema des TR Bundestreffens
gehalten auf dem Markttag in KA von Helfried Lohmann, 13.9.00
Worin besteht der Zusammenhang von Eigenverantwortung und Sozialem Engagement
in Tauschringen?
Das im TR Eigenverantwortung gefragt ist, ist offensichtlich. Nur so
funktioniert der Tauschring. Nicht nur, daß wir Verantwortung für
unser Handeln übernehmen müssen - das sollten wir immer tun.
Es ist eine besondere Form von Eigenverantwortung gefragt, nämlich
selbständiges unternehmerisches Handeln. Und das wird in unserer Kultur
meist nicht mit sozialem Engagement in Zusammenhang gebracht. Aber unter
bestimmten Bedingungen gibt es den Zusammenhang eben doch; z.B. in Tauschringen.
Gemeinhin bringen wir soziales Engagement mit karitativem oder selbstlosem
Handeln in Verbindung. Die Fragen stellen sich: wer das auf Dauer aushält
und wem das zu nutze kommt. Das soziales Engagement gegenüber Schwachen
und Hilfsbedürftigen Geschöpfen richtig ist und für ein
Lebenswertes Leben nützlich, das steht außer Frage. Die Frage,
wem welche Art von Hilfe zu welchem Zeitpunkt wie weit nützt, läßt
sich nicht im allgemeinen Behandeln, sondern nur im Detail.
Die andere Frage (wer selbstloses Handeln auf Dauer aushält?) ist
für uns in den Tauschringen sehr interessant. Ich unterstelle, daß
nur sehr wenige Menschen auf Dauer selbstlos handeln. Aber es gibt eine
Fülle von Gegenleistungen verschiedener Art, die als solche (teilweise
unausgesprochen) akzeptiert werden.
Geld - soziale Anerkennung - Bewunderung - Dankbarkeit - Selbstverwirklichung
- Kontaktmöglichkeiten - zärtliche Berührung - Erleuchtung
- Erfahrung - spätere Zuwendung - spätere Arbeitserleichterung
- Erkenntnisgewinn - Identifikationsmöglichkeit.
Im Tauschring kommt die "Zeit" als ein "Gegenwert" dazu. Die Zeit als
Gegenwert ist weniger emotional besetzt, wie die meisten anderen genannten
Werte. Die Zeit ist auch ein objektiverer Wert als Geld, weil der Geldwert
von Leistungen bei uns durch kapitalistische Marktgesetze (ich meine das
hier nicht abwertend sondern beschreibend) verzerrt ist.
Und was hat das mit sozialem Engagement zu tun?
Jeder, der im TR aktiv ist, kennt die sozialen Aspekte dieser Arbeit.
Die Kontaktmöglichkeiten entlang direkter persönlicher Bedürfnisse
der Hilfe in bestimmten Situationen. Nicht über die Kneipe oder den
Verein, in denen man ganz andere Dinge zusammen macht, als die, die man
vielleicht grade braucht. Aber ich möchte hier auf einen anderen Aspekt
abheben. Die Grenze von sozialem Engagement ist da erreicht, wo man sich
ausgenutzt fühlt. Niemand wird sich auf Dauer einer Situation aussetzen,
in der das Gefühl des ausgenutzt werdens aufkommt. Ich sage nicht,
daß sich niemand auf Dauer ausnutzen ließe; in ökonomische
Hinsicht, aber auch emotional gibt es das sehr wohl. Aber das Gefühl
des Ausgenutzt werdens verhindert soziales Engagement - selbst da,
wo es dringend angebracht wäre.
Vielleicht hat es etwas mit Selbstwert zu tun; wahrscheinlich ist es
ein Gemisch von Gefühlen und Wertesystemen, das entscheidet, ob ich
z.B. das zusammenleben mit Kindern als belastende Arbeit oder beglückende
Selbstverwirklichung empfinde (um im Beispiel zwei extreme zu nennen).
In Tauschringen können mit der Zeitwährung (oder ganz freien
Verrechnungssystemen) andere Wertesysteme ausprobiert werden. Sich ausprobieren
im Zusammensein mit Menschen, die ähnliche Ideen teilen und i.d.R.
Vertrauensvorschuß geben, aber außerhalb des ganz persönlichen
Rahmens wo möglicher Weise Empfindlichkeiten berücksichtigt werden
müssen und die Menschen sich nicht unbedingt ganz frei entscheiden
können, an einem Experiment mitzuwirken. Die gemachten Erfahrungen
aus dem Tauschring können helfen, sich selbst und die eigenen Wertesysteme
besser kennen zu lernen, zu hinterfragen und zu verändern.
Wenn es sich komisch anfühlt, eine Hilfeleistung z.B. gegen ein
Lächeln einzutauschen, dann gilt immer noch die Zeitwährung und
ich kann nach getaner Arbeit die Zeit aufschreiben. Dann war es wenigstens
keine Vertane Zeit.
Womit sind wir angetreten?
Was geht gemeinsam weiter?
Thema 3 des Tauschring Bundestreffens 2000 in Karlsruhe
Diskussionsbeitrag von Helfried Lohmann,
gehalten auf dem Markttag des TR-Ka am 13.9.00
Die Tauschring-Bewegung hat im großen und ganzen drei Wurzeln.
1. Wiederbelebung der Nachbarschaftshilfe / Leistungsaustausch
2. Soziale Kontaktbedürfnisse
3. Geldtheoretische und Alternativ-Wirtschaftliche Überlegungen
Ich denke das kann von allen anerkannt werden, auch wenn der eine oder
andere Tauschring sich nur auf eine dieser Wurzeln bezieht oder eine andere
Wurzeln hat. Was gemeinsam weiter geht hängt mit davon ab, was überhaupt
weitergeht. Und wovon hängt ab, ob und was weiter geht? Diese Frage
möchte ich näher beleuchten.
Damit der Tausch weitergeht braucht es:
1. Menschen, die die Orga-Arbeit machen
2. Begeisterung und etwas, mit dem ich mich Identifizieren kann
3. einen interessanten "Markt".
1. Orga-Arbeit
Die Orga-Arbeit muß finanziert werden. Das heißt möglichst
wenig Aufwand (viel Effizienz) und Einnahmen entsprechend dem Aufwand.
Das ist eine frage guter Organisation und hängt auch davon ab, ob
die Motivation zum Tauschen von selbst da ist.
Das Orga-Team (jeder TR hat so etwas, egal wie es heist) trägt
verantwortung für demotivierende Faktoren. Es kann initiativen starten
und unterstützen, aber es kann nicht Aufgabe des Orga-Teams sein,
Motivation zu schaffen. Dann wären wir im kapitalistischen Markt,
wo (sinnlose) Bedürfnisse geschaffen werden, damit Arbeitsplätze
erhalten bleiben, oder Kapitalinteressen befriedigen werden.
Wenn nicht getauscht wird, ist es an der Zeit:
- Die Qualität des Orga-Teams auf demotivierende Schwachstellen
zu prüfen.
- Den Umfang der Orga-Arbeit auf eine vernünftige Relation zum
Tauschvolumen zu reduzieren.
- Sich über Personalwechsel gedanken zu machen. Ist das Orga-Team
ausgepowert oder zu sehr in sich verstrikt?
2. Begeisterung und Identifikation
Begeisterung kann nicht geschaffen werden - aber verhindert.
Ob beim Tauschen Begeisterung aufkommt, ist eine Frage von übereinstimmung
mit "Lebensenergie" und "im Fluß sein". Eine Frage, ob Bedürfnisse
richtig erkannt und treffend befriedigt werden können und ob es gelingt,
das bewußt zu machen.
Wenn ich mich und meine Ziele positiv verwirklichen kann, dann dann
ich mich auch mit der Gruppe oder Idee identifizieren, die das ermöglicht.
Begeisterung hat etwas mit Geist zu tun - also jenseits von materiellen
Bedürfnissen. Damit ich den Geist einer Idee oder Gruppe erkennen
kann, braucht es ein klares Profil. Es braucht auch Abgrenzung (nicht unbedingt
Ausgrenzung) und einen Fockus auf die Zentralen Themen. Damit ich weis,
welche Themen zentral sind, muß ich zuerst wissen, was ich will und
wünsche. Ohne die Kenntnis von mir selbst kann ich nicht begeistern
- allenfalls eine gewisse Euphorie verbreiten, die selten von Dauer ist.
Tauschringe sind i.d.R. pragmatisch auf gegenseitige Hilfe angelegt.
Sie befriedigen auch einige soziale Bedürfnisse sehr gut und schaffen
Kontakt. Aber sie bieten wenig Identifikationsmöglichkeit. Dezidiert
eigenständige Positionen, die sich von anderen Organisationen (und
deren Wertesystemen) unterscheiden lassen, finden sich nur bei der Frage
der Bewertung der Arbeit und bei der Geldkritik.
Weiter bieten Tauschsysteme eine praktische Unterstützung im Zusammenwirken
der Menschen aus einem bestimmten Kreis. Seniorengenossenschaften - Wohnprojekte
- Freie Schulen - Glaubensgemeinschaften - Szenekreise - Kundenkreise -
Internetgemeinschaften. Alle diese speziellen Tauschsysteme sind auch ein
Teil und eine Bereicherung der Tauschring-Bewegung - auch wenn ich
mit dem Glaubenssystem der Gruppe, die den Tauschring macht evtl. nicht
einverstanden bin. Es muß allerdings transparent gemacht werden,
wenn ein Tauschsystem zu einer bestimmten Gruppe gehört. Wenn ich
weis, aus welcher Motivation heraus die Teilnehmer eines bestimmten Tauschringes
sich zusammengeschlossen haben, dann kann ich mich mit diesem Tauschring
vernetzen (oder auch nicht). Z.B. haben wir in Karlsruhe eine Kooperation
zwischen dem Tauschring.KA und dem Tauschring "Geben und nehmen" an der
Waldorfschule beschlossen. So schaffen wir einen interessanteren Markt.
3. Ein interessanter Markt
Für einen interessanten Markt brauche ich viele Verschiedene Angebote,
die auch tatsächlich verfügbar sind. Damit sich viele einbringen
möchten, braucht es Motivation und Identifikation. Es müssen
sich also viele verschiedene Menschen mit ihren Zielen und Bedürfnissen
im TR wiederfinden können. Auf der anderen Seite bracht es dafür
ein klares Profil. Konsequenter Weise folgt daraus die Forderung, viele
kleine Tauschsysteme mit eigenen Profil zu bilden und zu vernetzen. So
entsteht ein interessanter Markt und viel Identifikationsmöglichkeit.
Es können auch einfach Stadtteilgruppen sein, die allerdings offen
für Menschen aus anderen Stadtteilen sein sollten. Mit einer guten
Büro-Organisation sollte der Verwaltungs-mehraufwand geschafft werden
können.
Das Selbstverständnis der Tauschringe im Boom
lokaler Netzwerke
Auf lokaler Ebene werden die Folgen des gesellschaftlichen und sozialen
Auseinanderdriftens zwischen denen, die oben schwimmen und dazu gehören
und den anderen, die überwiegend "zugucken" dürfen, immer krasser.
Zunehmende Arbeitslosigkeit und berufliche "Nicht-Perspektive" für
Jugendliche wie auch für AkademikerInnen führen zu einem "Boom"
des "Dritten Sektors", d.h. von "Nonprofit-Organisationen", die weder Marktunternehmen
noch Staat sind. Allein im Heidelberger Selbsthilfe- und Projektebüro
tummeln sich über 350 Projekt- bzw. Selbsthilfegruppen. Von Landesseite
anfangs stark unterstützt rollt seit ca. 2 Jahren die Welle des "Freiwilligen
bürgenschaftlichen Engagements" über baden-württembergische
Kommunen. Daneben gibt es etliche Beschäftigungsgesellschaften und
Verbände, Vereine und Gruppierungen, die alle "teilhaben bzw. dabei
sein wollen" am gesellschaftlichen, am sozialen und oft auch am monetären
Leben.
Bei zunehmender Finanznot und Personalknappheit im 1., 2. und staatlichen
Sektor stellt sich neuerdings für selbstorganisierte Gruppen - wie
der Tauschring - die Gefahr, von anderen instrumentalisiert zu werden.
Die Frage
des Gebens und Nehmens muss hier jedesmal neu definiert / gefunden
werden: Was dient der Sache und den MitgliederInnen sowie der positiven
Entwicklung des lokalen Tauschringes, was hemmt die Freiheit? Letztlich
bis hin zu der Frage und der damit verbundenen Gefahr: "Wo fängt möglicherweise
ein
Mißbrauch / die Fremdbestimmung an" ?
In der Arbeitsgruppe soll hierzu diskutiert werden, wobei gemeinsam
herausgefunden werden soll, wie man am geschicktesten damit umgeht, welche
Verhaltsenweisen für die weitere Zukunft ratsam sind.
Das wär's.
Grüsse, Sabine Wacker
Diskussionsbeiträge zum BT2000
Mail vom 19.9.00
Sozialagentur E. Kleffmann/Das Tauschring-Archiv
Hasenkamp 30, D-49504 Lotte, Tel:05404-72400, Fax:05404-48 22
Lieber Helfried,
Zum Vorschlag von Werner Barreis -betrifft -Vision Internet-:
Seit Anfang des Jahres hält das TR-Archiv diverse Domains zu diesem
Thema und hat auch schon die Konzepterarbeitung für solch eine Aufgabe
mit einer Gruppe in Arbeit. Aber wie selbst W. Barreis schreibt: dies bedeutet
einen gewaltigen Aufwand und lange Vorbereitungszeit. Wir haben dies
auch etwas in der Prioritätenliste nach 'hinten' gestellt nachdem
die angemeldeten TR am RessourcenTR kaum Angebote eingeschickt haben und
dann macht es auch keinen Sinn.
Zu Talent-Programm von Renato Pichler:
In seiner Ausführung wird eine noch benötigte 'Clearingstelle'
erwähnt, die aber schon in Arbeit ist. Ich hätte gerne nähere
Auskünft, so wie den Hintergrunder dieser Clearingstelle erläutert
bekommen. Falls er, wie ich vermute, nach Karlsruhe kommt sollte er doch
mal die Hintergründe dieser Clearingstelle ausführlich
erläutern: so z.B. ob dies eine freiwirtschaftliche (INWO) Aktion
ist (die letztes Jahr bei einem Workshop bei M. Kennedy in Steyerberg in
Verbindung mit B. Lietaer zur Schaffung seiner weltweiten 'Terra-Clearingsstelle'
ist, die TERRA-Komplememtärwährung soll ja laut seinem Buch in
die Hände der Großkonzerne gelegt werden!)? In den letzten zwei
Jahren bin ich von verschiedenen Seiten -Schweiz, Österreich und UK-
kontaktiert worden (immer mit Bezug auf B. Lietaer's weltweites Vorhaben
und auch mit Bezug auf die INWO) die deutschen TR (oder zumindest einige
oder wenigsten einen) dazu zu bewegen an dieser weltweiten Clearingstelle
mitzumachen. Man hat sich ganz gezielt an das Archiv gewandt. Es wurde
auch immer erwähnt welche'guten Geschäftsmöglichkeiten'
dahinter stecken könnten.
Ich habe diese Angebote grundsätzlich abgelehnt!!!!!!
Deshalb wäre es wichtig für die TR-Landschaft die Hintergründe
dieser 'Clearingstelle' mal klar dargestellt zu bekommen! Es sollten auch
Namen und Ziele (die wirklichen Ziele!!) erläutert werden.
Mit Renato selbst habe ich seit drei bis vier Jahren ja so meine Schwierigkeiten.
Immer alle Jahr einmal einen Versuch des eMail Kontaktes, aber die Chemie
stimmt nicht zwischen uns.
Deshalb solltest Du ihn bitten der Allgemeinheit mal darzustellen was
es tatsächlich mit der Sache auf sich hat, ob die INWO involviert
ist und auch B. Lietaer. Das TERRA-Prinzip ist für die Tauschsysteme
(in Verbindung mit Großkonzernen) aus meiner derzeitigen Sichtweise
ein fataler Fehler und Gefahr!!! Dies habe ich B. Lietaer aber schon im
letzten Jahr im Gespräch persönlich gesagt, auch das ich dies
noch später öffentlich kritisieren werde. Damals arbeitete er
nämlich gerade an seinem zweiten (inzwischen ist dies ja im Handel).
Das Interview mit B. Lietaer das die TSN (Ingo Leipner) geführt
haben, wurde auch zum Schluß in Bezug auf das TERRA-Prinzip geführt.
Doch B. Lietaer wollte dies, weil nach eigenen Aussagen das TERRA-Konzept
noch sehr schlecht ausgearbeitet war im ersten Buch und ich dies auch kritisierte,
nicht veröffentlicht haben. Dies wird seinen Grund haben.
Also bitte: genau Hintergrundbeleuchtung damit die TR wissen auf was
sie sich möglicherweise einlassen!
Zur föderalen Bundesstruktur:
Der Begriff 'Bundes-Coach' will mir einfach nicht über die
Lippen, wie wäre es mit "Aufgaben-Liste" oder irgendiwe anders. Bundes-Coach
erinnert mich an die Nationalmannschaft.
Mir fehlt, für die Leute die vielleicht eine 'Bundesaufgabe' freiwillig
übernehmen wollen, noch eine tatsächliche und ausführliche
Aufgabenbeschreibung. So kann sich niemand eine Vorstellung machen was
dies wirklich bedeutet. Dies glaube ich ist auch ein Fehler der Vergangenheit
gewesen. Es waren Menschen bereit, egal aus welchen Gründen, die Hand
zu heben und zu sagen: 'ich übernehme eine Aufgabe für alle!'.
Und das war es dann! Niemand hat dem armen Menschen gesagt was zu tun ist,
wie er Unterstützung erhält, wie er seine Erkenntnisse aufbereiten
und verbreiten könnte, woher auch möglicherweise eine finanzielle
oder Talente-Beihilfe bekommt usw. Die 'armen Aufgabenübernehmer'
waren sich selbst überlassen, es hat auch kaum jemand gefragt 'wie
kommst Du voran? Benötigst Du Unterstützung oder Hilfe?'. Einige
hatten ausser ihrer Motivation keine Grundlage an dem Aufgabenfeld zu arbeiten
weil alles im unklaren gelassen wurde.
Dies sollte in Zukunft für die motivierten Menschen die freiwillig
Aufgaben übernehmen (für alle anderen!) anders laufen. Dies kann
ich bisher aber noch nicht entdecken! Deshalb sollten wir jetzt schon imVorfeld
die Diskussion anregen, über die Aufgaben und was da so alles zugehört,
und nicht erst in Karlsruhe, wo es dann zeitlich nicht mehr reicht. So
etwas, also eine 'Arbeitsplatzbeschreibung', ist ganz wichtig. Und es ist
auch wichtig wie diese Menschen von der Allgemeinheit, die schließlich
davon profitieren, unterstützt werden.
Geschieht dies nicht, verheizen wir nur andere Menschen, die zwar bereit
und willig sind, sich aber dann verlassen fühlen.
Ganz wichtig (mir ist es erst durch eure Online-Reader-Version bewußt
geworden!):
Auch wenn das Internet und eMail de Renner der Neuzeit ist, ich selbst
bin ja Programmierer und absoluter Fanatiker der EDV, darf doch nicht alles
nur darauf konzentriert werden. Nicht einmal die Hälfte der TR haben
Internetanschluß!!!!! Also wo holen die anderen sich die Info's her?
Du schreibst dazu: "4. Ein einfacher und kostengünstiger Zugriff
wird per WWW/Internet für alle ermöglicht. Neben dem Web-Design
wird auch eine druckbare Version zum herunterladen bereit gestellt."
Überleg doch mal was Du da geschrieben hast!
Wie kommt der TR, der nicht ans Internet ran kommt weil ihm einfach
das Geld für den PC fehlt oder weil er noch nicht damit umgehen
kann, an die 'herunterladbare Druckversion'?
Derzeit kann das Internet 'leider' nur als gute und schnelle und auch
wichtige 'ERGÄNZUNG' betrachtet werden.
Es ist nicht immer 'kostengünstig', dies ist falsch! Um an die
'kostengünstige Lösung' zu kommen müssen die Leute erst
mal viel Geld auf den Ladentisch legen!! Abgesehen von Telefonanschluß,
Gebühren etc.
Versteh mich richtig:
Dein Vorschlag ist sehr gut. Aber er grenzt erst mal wieder aus, nämlich
alle die nicht die Möglichkeit haben wie wir beide.
Ich würde liebend gerne, wie schon so oft angefragt wurde, die
TSN nicht drucken sondern per eMail verschicken. Aber dann sind über
die Hälfte der TR 'Weg vom Fenster'.
Bitte nicht immer alles auf's Internet konzentrieren, es ist immer
noch eine 'kleine, aber wichtige, Nebensache'.
Ganz abgesehen davon:
Viele die Internet und eMail Anschluss haben sind deswegen noch lange
nicht in der Lage die Möglichkeiten auch wirklich auszuschöpfen.
Du siehst ab und zu auch hier in der Liste. Auch in den persönlichen
Gesprächen mit mir wird immer wieder erklärt das viele
'Neueinsteiger' Schwierigkeiten mit der Bedienung und dem Händling
dieser Medien haben und deshalb erst mal auf lange Zeit sich gar nicht
getrauen all dies auszuprobieren, was Dir und mir eine alltägliche
Handhabung ist.
Mal nachgefragt ( an alle!):
Habt Ihr schon alle Möglichkeiten der 'Tauschsysteme@egroups '
ausprobiert?
Wißt welche vielfältigen Möglichkeiten des InfoPools
sich auf der Homepage für unser Forum 'Tauschsysteme@egroups ' sich
alles gestalten lässt?
Gebt mal Rückmeldung wer von Euch sich damit schon auseinandergesetzt
hat!!!!
Ihr werdet staunen was man damit alles anstellen kann!! Aber wer weis
dies schon? Mal ganz ehrlich!
Helfried, wir sollten solche Arbeits- und Bundesaufgaben ausführlich
bearbeiten, erklären und unterstützen.
So wie es jetzt ist, auch in der sehr guten Vorbereitung von Dir, ist
es meiner Meinung nach doch wieder nur eine 'verbesserte' Fortschreibung
des 'alten Stils'.
Schon alleine das der Reader nur 'Online' ist und nicht, wie wahrscheinlich
sehr viele ob eurer Ankündigung erwartet haben, auch an alle in gedruckter
Form ging, bedeutet doch das die Teilnehmer die in Karlruhe ankommen, und
den Reader nicht kenne, ganz von vorne anfangen müßen zu fragen
und zu diskutieren um auf den selben Informationsstand zu kommen wie die
'Elite' ist, also diejenigen die hier an der Liste z.B. teilnehmen können.
Gruß
Klaus
Infos zu Rebeca und Mauricio Wild
Tausende von Menschen in Europa kennen Rebeca und Mauricio Wild aus ihren
reformpädagogischen Sommerseminaren. Sie sind mit ihrem Beispiel einer
"aktiven nicht-direktiven Erziehung" seit zig Jahren Impulsgeber für
Eltern und Pädagogen/innen. In ihren Büchern "Erziehung zum Sein",
"Freiheit und Grenzen" u.a. und Vorträgen/Seminaren schildern sie
ihre Erfahrungen und Erkenntnisse im Zusammenleben mit Kindern, Jugendlichen
und deren Eltern im "Pesta" (Kindergarten, Schule, autodidaktische Universität)
in Ecuador, das sie vor 23 Jahren gründeten und seither und leiten.
Sie schufen dort eine Umgebung, in der ein respektvoller Umgang miteinanderselbstverständlich
ist und die der Erfüllung echter Entwicklungsbedürfnisse und
nicht dem Belehren und Fordern dienen. Vertrauen in die Selbständigkeit
und Kreativität der jungen Menschen ist eine ihrer wesentlichen Grundhaltungen,
. Die vielen, die das Pesta im Laufe der Jahre besuchten oder dort ein
Praktikum absolvierten, sind kehren begeistert zurück, und nicht wenige
von ihnen arbeiten inzwischen in ähnlichen Einrichtungen, die in Europa
bzw. weltweit dem Beispiel der Wilds folgen.
Das "Pesta"(-lozzianeum) wird durch Schul- und Spendengelder finanziert.
In den letzten Jahren jedoch hat sich die wirtschaftliche Situation in
Ecuador erheblich verschlechtert, sodass viele Eltern das Kinder-
Garten bzw. Schulgeld nicht mehr bezahlen können. Mitte der 90er
Jahre begannen die Wilds deshalb mit einem zinslosen Spar- und Darlehenring,
den sie bald auf ein LETSystem ( auf Spanisch heißt dieses SINTRAL
) umstellten und der seither blüht und gedeiht. In Pesta können
die Eltern auch bis zu 30 %
des Schulgedes in SINTRAL-Währung bezahlen.
Seit Anfang dieses Jahres hat sich nun die wirtschaftliche Lage der
Menschen in Ecuador durch die Dollarisierung noch einmal drastisch verschärft.
Die Anzahl der Armen wächst ständig, viele Leute haben höchsten
einmal am Tag twas zu essen, und das in einem reichen Land! Auf der Suche
nach Arbeit sind in Laufe von nur drei Monaten mehr als 10 % der Bevölkerung
ausgewandert. In dieser Krise faßte Mauricio Wild den Entschluß,
im ganzen Land SINTRAL-Gruppen zu gründen, die untereinander in einem
dezentralen Netz Handel betreiben können. Die Aktion ist in den Provinzen
schneller ins Rollen gekommen als erwartet wurde. An die 90 SINTRAL-Gruppen
sind in den letzten Monaten entstanden, und jede Woche kommen neue dazu.
Im Juni fand ein SINTRAL-Kongress statt. Hier wurde deutlich, was den
Leuten aus der wirtschaftlichen Not heraushelfen könnte. "Der einzige
Weg", schreibt Mauricio Wild, "der aus dieser Situation herausführt,
besteht in der Einrichtung lokaler, dezentraler und arbeitsintensiver Produktionsanlagen.
Daher sind Informationen über alternative Technologien für uns
so wichtig, z.B. wenn es um die Produktion von Seife, Öl, Kleidung,
Baumaterial u.a. geht. Aber um solche Projekte verwirklichen zu können,
brauchen wir Geld, denn derzeit können wir Dinge wie Stahl, Werkzeuge
und Maschinen nicht mit den Mitteln unserer alternativen Ökonomie
erwerben".
Mauricio Wild wird auf dem Bundestreffen der Tauschringe am 30.September
in Karlsruhe von seinen Erfahrungen berichten und einen Workshop machen
zu dem Thema "SINTRAL – Selbsthilfe und Eigenproduktion contra wirtschaftliche
Abhängigkeit: bedarfsorientierte Kooperationsringe in Ecuador".
Wir wünschen uns, dass seine Bewegung Unterstützung erfährt,
vielleicht sogar "Patenschaften", die hiesige Tauschsysteme übernehmen
werden.
München, den 21.9.2000
Elisabeth Hollerbach
Zukunftswerkstatt
"Tauschökonomie – oder was sind
Grundlagen menschengerechten Wirtschaftens?
Workshop mit Elisabeth Hollerbach, München
Die Tauschidee hat in den letzten Jahren zu einem wahren Boom geführt,
das Tauschen ist in, und jedeR kann mitmachen, Tauschen macht Spaß.
- Sollte es auch – aber nach den ersten Jahren der Euphorie stellt sich
in vielen Tauschsystemen Ernüchterung ein und mancher Tauschring dümpelt
inzwischen so vor sich hin oder schläft gar wieder ein. Auch in "florierenden"
Tauschsystemen wie in München tauschen mehr als die Hälfte der
TeilnehmerInnen gar nicht bis selten, nehmen nicht an den Treffen teil,
und die Aktiven interessieren sich selten für Hintergründe und
gesellschaftliche Zusammenhänge. Und häufig genug ziehen sich
auch Aktive wieder zurück, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt
werden, weil es an Verbindlichkeit und Qualität mangelt. Woran liegt
das?
An dieser Fragestellung entzünden sich seit Jahren vehemente Diskussionen,
ohne dass es wirklich zu Lösungsansätzen kommt. Und das liegt
m.E. häufig daran, dass es am Grundkonsens fehlt, an einer gemeinsamen
Vision.
Tauschringe wollen alternatives Wirtschaften testen, wollen menschengerechtes
und gerechtes Wirtschaften, wollen alternative Ökonomie, lokale Ökonomie,
nachhaltiges und zukunftsgerechtes Wirtschaften, regionalen Zusammenhang
und Überschaubarkeit, ein anderes Arbeitsverständnis, Neubewertung
von Arbeit. Wollen wir das, was wollen wir wirklich?
Wir wollen anders leben, anders wirtschaften .Was sind unsere Visionen
und was die Voraussetzungen für das Andere? Und was ist davon in Tauschsystem
zu realisieren? Darum geht es in dieser Zukunftswerkstatt, zu der ich Euch
herzlich einlade.
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