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Modell des SRI in Italien

Name: Sistema di reciprocità Indiretta – "SRI" (System Indirekter Gegenseitigkeit = "Wechselseitigkeit"). Das SRI ist ein "Interinformations-System", ähnlich wie die LETS, SEL, TR., REL u.s.w.

Entstehung: Die Bezeichnung SRI entsteht am 6. Mai 1997, die Initiative gibt es aber schon seit dem 7. Oktober 1996 unter dem damaligen Namen "System lokalen Austauschs" (SSL – Sistema di Scambio Locale), das aus juristischen Gründen unter der Bezeichnung "Verband für Gesellschaftliche und Wirtschaftliche Entwicklung von Martano"– ASSEM (Associazione per lo Sviluppo Sociale ed Economico di Martano) operativ wurde.

Adressen: Genau wie bei den LETS, SEL usw. hat das SRI keinen festen Sitz. Das SRI untergliedert sich in einige lokal arbeitende Gruppen. Einige Teilnehmer vom SRI arbeiten in einer thematischen Gruppe namens "Asterisco" (â Sternchen) mit, die sich mit den theoretischen Aspekten der "Interinformations-Systeme" und der "multilateralen Einbindungen (multilateralen - Rileanza)" (s.u.) befassen. Die Gruppen stehen ständig in Interinformation. Es folgen einige Adressen.

Thematische Gruppe "Asterisco": pantaleorizzo@mail.clio.it ; gianbianco@libero.it;

Via Costantino 54, I-73025 Martano (Lecce) Italia. Tel. 0039 0836 575772

Territoriale Gruppe Sogliano Cavour: Via Pascoli 55, I-73010 Sogliano Cavour (Lecce)

Territoriale Gruppe von Martano: Via Costantino 54, I-73025 Martano (Lecce)

Territoriale Gruppe " CaSe": Via Tripoli 5 (Serrano),I-73020 Carpignano Salentino (Lecce)

Vertreter: Das SRI hat keine eigene "Organisationsform", darum existiert auch kein "offizieller Vertreter". Jeder Teilnehmer interpretiert in den anderen seine eigene Pluralität . Nach außen hin vertritt jeder Teilnehmer des SRI alltäglich zwei Aspekte - einmal eine multilaterale Vorstellung, wie sie typisch ist zwischen Freunden und guten Nachbarn, und zum anderen eine organisatorische Vorstellung der konkreten Arbeitsteilung.

Erfahrungsbericht: Die Initiative wurde im Mai’96 in Martano (Lecce) von Dr. Pantaleo Rizzo ins Leben gerufen, mit der Zielsetzung, die Bedingungen zu schaffen, unter denen verschiedene Teilnehmergruppen entstehen konnten; die notwendige Grundlage für ein Projekt von Einbindung (Rileanza) in Respekt vor Verschiedenheit. Freunde und Nachbarn interessierten sich für das Projekt, so dass, mit der Einführung der Interinformation, eine Vorstellung von Freundschaft und guter Nachbarschaft erweckt wurde, die sich mit Hilfe einer Verrechnungseinheit, die nicht dem herkömmlichen Geld entspricht, konkretisierte. Bei der ersten Versammlung wurde befürwortet, diese Idee allen Mitbürgern zugänglich zu machen. So begann der Versuch, die Vorstellung von Freundschaft und die Vorstellung von Organisation in Differenzierung zu vereinigen, indem die "ASSEM" (s.o.) gegründet wurde. Nach zwei Jahren ist der Versuch "ASSEM" jedoch gescheitert, infolge einer Reihe von kontroversen Auseinandersetzungen bezüglich der Notwendigkeit einer offiziellen Vertretung. Die Vorstellung von Freundschaft, konstituiert im SRI, blieb jedoch in einigen territorialen Gruppen aktiv. Fünf Teilnehmer, darunter auch der ehemalige Koordinator (Pantaleo Rizzo), nahmen die Auflösung der ASSEM zum Anlass, am 26.2.99 die thematische Gruppe "Asterisco" zu gründen, um die "Interinformations-Systeme" und die "multilaterale Einbindung (Rileanza)" genauer zu erforschen. Drei territoriale Gruppen haben sich schon dem "Asterisco" angeschlossen, eine vierte, die sich noch im Aufbau befindet, wird bald dazu stoßen. Die alltäglichen Beobachtungen und deren Austausch in den wöchentlichen Treffen haben dazu beigetragen, dass die Gruppe "Asterisco" gelernt hat, die Vorstellung von Freundschaft und guter Nachbarschaft als multilaterale Vorstellung zu begreifen. Wir versuchen, dies in den folgenden vier Abbildungen darzustellen. In der ersten Abbildung sieht man die Teilnehmer im Kreis angeordnet: jeder Teilnehmer sieht sich allen anderen Teilnehmern gegenüber, zu denen er in einem gleichberechtigten Verhältnis steht, weil der Kreis es nicht zulässt, dass Machtverhältnisse entstehen. In der zweiten Abbildung sieht man die Durchführung der Transfers (wir nennen es nicht Tausch), die nur innerhalb des Teilnehmerkreises stattfinden; jeder Teilnehmer ist selbst dafür zuständig, eine Initiative zu ergreifen. Jeder ist ein "Autor" (im Sinne von Urheber) der den Trasfer bewegt, ob, wann, wie, wie viel, wo, was und mit wem er will. In der dritten Abbildung sieht man die Teilnehmer in Interinformation (jeder gibt, bearbeitet und bekommt alle bearbeiteten Informationen). Nach jedem Transfer füllt der Teilnehmer, der bekommt, ein "Informativ" aus, das eine Verrechnungseinheit darstellt (im Sinne der Göttin Moneta : "diejenige, die wahr-nimmt"), die nicht gleichzusetzen ist mit den herkömmlichen Banknoten. Dieses "Geld" wird ausgestellt im Sinne einer eigenen Pluralität (unter dem Aspekt der "Metonymie" überträgt der Teilnehmer seine Pluralität auf seinen Partner, mit dem er transferiert; unter dem Aspekt der "Metapher" kann jeder Teilnehmer jede Pluralität interpretieren, mit Ausnahme seiner eigenen). Es wird niemals von einem Zentralorgan ausgestellt, wie im Falle des herkömmlichen Geldes. Aus den Buchungen aller Informative entsteht eine "multilaterale Symmetrie", weil das Guthaben jedes persönlichen Kontos sich symmetrisch zu der algebraischen Summe der Pluralität der anderen Konten verhält. Das führt dazu, dass aus der direkten Gegenseitigkeit, wie bei Freundschaft und guter Nachbarschaft, durch das Zwischenschalten der Interinformation eine indirekte Gegenseitigkeit (Wechselseitigkeit) wird, weil sich zwischen den Teilnehmer und seine Pluralität eine "Kreuzung" schiebt. "Pluralität" ist hier zu verstehen wie eine nicht-organisierte Vielheit. Auf der "Kreuzung" befindet sich kein Teilnehmer (Nichtvorhandensein einer Vertretung), denn nur so kann jeder Teilnehmer jederzeit jeden anderen direkt erreichen. In der vierten Abbildung sieht man die emotionalen Bindungen der Teilnehmer: die Anordnung dieser emotionalen Bindungen bildet einen "Asterisco" ( â Stern); an den Zacken befinden sich die Teilnehmer, die kreisförmig angeordnet sind, und im Zentrum ist die "Kreuzung". So entsteht die "multilaterale Einbindung (multilaterale-Rileanza)". Diese Einbindung unterscheidet sich von der sozialen Solidarität oder einer organisatorischen Einbindung durch die Bindung des Teilnehmers an seine eigene Pluralität, niemals an eine soziale Institution oder eine Behörde. Die Bindung Teilnehmer-Pluralität ist individuell und von emotionaler Art, niemals kollektiv oder funktional. Durch die multilaterale Vorstellung kann man einem Teilnehmer etwas geben und von einem anderen etwas bekommen, ohne in die organisatorische Vorstellung von Arbeitsteilung zurück zu fallen (eine unmögliche Vorstellung im herkömmlichen Bereich von Freundschaft und guter Nachbarschaft).
 


1. Anordnung im Kreis 2. Transfer 3. System von Interinformation 4.Multilaterale Einbindung
 

Was wird transferiert: Im SRI werden Gefälligkeiten, Wissen und Gegenstände transferiert. Diese Bewegungen werden als "Transfers" bezeichnet, nicht als "Tausch". Wir reden von "Gefälligkeiten" und nicht von "Dienstleistungen", weil ein Transfer sich hauptsächlich durch eine emotional positive Einstellung kennzeichnet und nicht hauptsächlich wegen eines funktionalen Vertrags. Der Status des Transfers ist "Gabe" und nicht "Ware".

Verrechnungseinheit: Im SRI gibt es zwei Verrechnungseinheiten: den "Misthòs" und die "Lebenszeit". Der Misthòs wird benötigt, um den subjektiven Gefühlswert auszudrücken und betrifft den "Grad der Freiheit der Geste des Gebens, so wie es vom Empfänger verstanden wird". Die Lebensstunde (bzw. die entsprechenden Teilzeiten) braucht man, um objektiv den zeitmäßig messbaren Wert auszudrücken, sie betrifft die Zeit, die der Geber benötigt, bis der Transfer zu Ende gebracht ist. Durch die Umrechnung von einer Lebensstunde in zehn Misthòs ergibt sich, bei Addition der beiden Summen, die einzige Verrechnungseinheit des SRI: der Misthòs. In der Summe der beiden Tauscheinheiten drückt sich dann der "Anerkennungswert" aus. (1 Stunde = 10 Misthòs)

Mitteilungen: Nach außen wird mit dem "InfoSRI" kommuniziert. Dieser besteht aus einem "illustrierten Faltblatt", "Beispiele für Transfers", " Regeln des SRI", "Heftchen mit allen Informationen zum Aufbau eines SRI", "Geschichte des SRI", " Vorstellungen : die organisatorische und die multilaterale Vorstellung". Der jeweils aktualisierte InfoSRI kann bei der thematischen Gruppe "Asterisco" angefordert werden.

Veröffentlichungen: Unsere Erfahrung wurde in Examens- und Doktorarbeiten ausgewertet, in Zeitungen behandelt, es wurden Dokumentationen in Radio und Fernsehen gesendet ( unter anderen in "Speciale del TG1 vom 1.2 1997"), auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene.

1) Dokumentation des internationalen Treffens: "Die lokalen Systeme der Indirekten

Gegenseitigkeit"; 11. - 12. August 1998, Martano (Lecce).
- einige der Beiträge sind als Artikel publiziert in: "Dossier: autours des SEL", Silence,

Nr.246/247-1999, Frankreich - alle Beiträge sind im Internet unter der folgenden Adresse abrufbar:

http://www.regione.emilia-romagna.it/ass psociali/btempo/index.htm

- alle Beiträge und die gesamte Debatte können ( auf italienisch und französisch) bei der thematischen Gruppe "Asterisco" angefordert werden.

2) Pantaleo Rizzo <Réciprocitè Indirecte et Symétrie : l’émergence d’une nouvelle forme de solidarité>, in: Jean-Michel Servet (Hrsg.), Exclusion et Liens financiers, Paris, Ed. Economica, 1999.

3) Ute Anacker und Pantaleo Rizzo (Bearbeitung), " InfoSRI Nr.1, Jahr 2000", anzufordern bei der thematischen Gruppe "Asterisco".
 

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