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Ein Markt neben der Marktwirtschaft
Dr. Regine Hildebrandt
Ehemalige
Sozialministerin in Brandenburg; Mitglied des Bundesvorstandes der SPD
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Allerorts
feiert man die 10jährige Wiedervereinigung, die Hoffnungen auf die
Beseitigung der Arbeitslosigkeit haben sich jedoch nicht erfüllt.
Deshalb liegen der ehemaligen Sozialministerin in Brandenburg Regine Hildebrand die Tauschringe besonders am Herzen. Sie sieht darin eine Möglichkeit für Menschen, die keiner Tätigkeit nachgehen können, doch noch etwas zu leisten. Ihrer Meinung nach ist Ostdeutschland für TR geradezu prädestiniert, weil das Tauschen dort nicht neu entdeckt werden muß, sondern an eine alte Tradition anknüpfen kann. In der ehemaligen DDR gab es zu wenig Produkte und Dienstleistungen, und der Mangel war bei allen gleich groß. Organisierte Selbsthilfegruppen wären als Angriff auf den Staat aufgefaßt worden und so war das private Tauschen geradezu eine Notwendigkeit . Man sollte also meinen, daß die Idee der TR in der ehemaligen DDR freudig aufgenommen würde. Dem ist aber nicht so. Die Ursache sieht sie darin, daß heute einerseits alle Dienstleistungen und Produkte zu haben sind,( vorausgesetzt man hat genug Geld) und andererseits bei den Betroffenen das Gefühl herrscht, so schlecht ginge es ihnen auch wieder nicht. Sie wird oft auf der Straße von Leuten angesprochen, die immer wieder das gleiche Problem haben: Seit Jahren arbeitslos (was erwiesenermaßen krank macht), sind sie zur vollen Erwerbstätigkeit zu krank und zur Berentung zu jung. Frau Hildebrand sucht Wege, wie TR in unsere Gesellschaft eingebaut werden könnten. Eine Möglichkeit sieht sie bei den Männern und Frauen, die nach einer zeitlich begrenzten Weiterbildung hoch motiviert sind und aktiv in die TR Arbeit einsteigen könnten. Dem steht die oben genannte Auffassung entgegen, so schlecht ginge es ihnen noch nicht. Die TR werden also auf einer niedrigen sozialen Stufe angesiedelt. Das Beispiel von Ecuador, wo TR wie Pilze aus dem Boden schießen, bestätigt: Je schlechter es einem geht, um so mehr Chancen hat die TR-Arbeit. Sie würde auch der Vereinsamung der Langzeitarbeitslosen entgegenwirken und ihr Selbstbewußtsein stärken. Frau Hildebrand läßt kein Zweifel aufkommen, daß für sie die Erwerbstätigkeit oberste Priorität hat und TR diese nicht ersetzen können und sollen. Deshalb plädiert sie für eine klare Trennung. TR Arbeiten sind geringfügige Aktivitäten neben der Erwerbstätigkeit, neben der Sozialhilfe und dienen dem Allgemeinwohl. Somit können sie nicht als Schwarzarbeit deklariert werden. TR bringen uns auch die Problematik der Bewertung der Arbeit voll ins Bewußtsein. Früher war die Differenzierung der Löhne in Ostdeutschland gering. Ein qualifizierter Arbeiter hat 1,5 oder höchstens 2,5 mal so viel verdient wie eine Putzfrau. Heute ist es ein Vielfaches. Nach ihren Überlegungen müßte es genau umgekehrt sein. Ein Kanalarbeiter, der die schmutzige Arbeit macht, die kein Spaß machen kann und die sowieso niemand machen will, müßte eher besser bezahlt werden als ein Arzt, der vielleicht seinen Traumberuf erreicht hat und auch ohne Geld gern Patienten behandeln würde. Obwohl es in TR ganz unterschiedlich gehandhabt wird, findet sie die Verrechnung von Stunde gegen Stunde am schönsten und orientiere sich an der normalen Gerechtigkeit. Beim Thema Schwierigkeiten der TR in unserer Gesellschaft, riet sie eindringlich bei Vorstößen nicht über das Ziel hinaus zu schießen, nicht den Verdacht auf Steuerhinterziehung durch unachtsame Formulierungen zu wecken und die jetzt vorhandenen Spielräume voll zu nutzen. TR seien dazu da, daß man etwas leisten, sich selbst etwas leisten ,Gemeinschaft gestalten und die Bewertung der Arbeit neu überdenken könne. Sie hofft, daß TR nicht von irgendwelchen Zuschüssen abhängig werden, sondern in Unabhängigkeit flächendeckend in allen Regionen des Landes entstehen und schließlich auch zur Gesellschaftsveränderung etwas beitragen können. |
unsere Ziele... (Uta Hermel) Da ist der Osten prädestiniert... |
Zusammenfassung
von Katharina Stiffel StiffelW@aol.de
– TR-Wettersbach
Dieser Vortrag ist auch auf Audio CD (24
min) erhältlich