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Ergebnisprotokoll des Workshops

Zukunftswerkstatt "Tauschökonomie – oder was sind Grundlagen menschengerechten Wirtschaftens?

Samstag, den 30.9.00 Bundesdeutsches Tauschringtreffen mit ca. 26 Personen

Den folgenden Text hatte ich dem Workshop voran gestellt – im Reader veröffentlicht.

Die Tauschidee hat in den letzten Jahren zu einem wahren Boom geführt, das Tauschen ist in, und jedeR kann mitmachen, Tauschen macht Spaß. - Sollte es auch – aber nach den ersten Jahren der Euphorie stellt sich in vielen Tauschsystemen Ernüchterung ein und mancher Tauschring dümpelt inzwischen so vor sich hin oder schläft gar wieder ein. Auch in "florierenden" Tauschsystemen wie in München tauschen mehr als die Hälfte der TeilnehmerInnen gar nicht bis selten, nehmen nicht an den Treffen teil, und die Aktiven interessieren sich selten für Hintergründe und gesellschaftliche Zusammenhänge. Und häufig genug ziehen sich auch Aktive wieder zurück, weil ihre Erwartungen nicht erfüllt werden, weil es an Verbindlichkeit und Qualität mangelt. Woran liegt das?

An dieser Fragestellung entzünden sich seit Jahren vehemente Diskussionen, ohne dass es wirklich zu Lösungsansätzen kommt. Und das liegt m.E. häufig daran, dass es am Grundkonsens fehlt, an einer gemeinsamen Vision.

Tauschringe wollen alternatives Wirtschaften testen, wollen menschengerechtes und gerechtes Wirtschaften, wollen alternative Ökonomie, lokale Ökonomie, nachhaltiges und zukunftsgerechtes Wirtschaften, regionalen Zusammenhang und Überschaubarkeit, ein anderes Arbeitsverständnis, Neubewertung von Arbeit. Wollen wir das, was wollen wir wirklich?

Wir wollen anders leben, anders wirtschaften .Was sind unsere Visionen und was die Voraussetzungen für das Andere? Und was ist davon in Tauschsystem zu realisieren? Darum geht es in dieser Zukunftswerkstatt, zu der ich Euch herzlich einlade.

 

Das Zustandekommen dieses Workshops hatte etliche Hürden zu überwinden.

Da für Mauricio Wild aus Ecuador kein eigener Workshop - aus welchen Gründen auch immer – vorgesehen, er aber extra deswegen angereist war, stellte ich ihm die für meinen Workshop vorgesehene Zeit am Samstag Vormittag gerne zur Verfügung. Am Samstag Nachmittag gab es jedoch keine Zeiteinheit von drei Stunden mehr, die ein Mindestmaß für

die Einführung in eine Zukunftswerkstatt wäre. Wir hatten dann in unserem Raum auch noch mit schlechter Akkustik

zu kämpfen und mußten vorzeitig abbrechen, weil über uns der Lärm einer Band losbrach, die die ohnehin schon schwere Verständigung ganz zum Erliegen brachte. So fehlte es an einigen wichtigen Voraussetzungen: an genügend Zeit, an angenehmer Atmosphäre und Ungestörtheit.

Dennoch haben wir intensiv gerarbeitet und Ergebnisse, Stichworte auf Plakaten dokumentiert.

Die "Zukunftswerkstatt" ist vor allem eine Methode, ein Instrument kreativer Gruppenarbeit. Damit können Gruppenprobleme gelöst, Themen durchdrungen und zukunftsweisende Anliegen bewältigt werden. Sie ermöglicht einen offenen Prozeß für die gemeinsame Arbeit von Menschen mit unterschiedlichsten Informationshintergründen, Inhalte und Ziele werden von den Teilnehmenden bestimmt. "In einer Gruppe kommt es leichter und schneller zu einem Durchbruch eigener Visionen, Konzepte und Pläne als im Gespräch mit Einzelnen".(Robert Jungk).

Dieses Instrument scheint mir besonders geeignet auch für Tauschringe bzw. deren Mitglieder, die

soziale Phantasie und Gestaltungswillen fördern und nach zukunftsfähigen Lebensstilen suchen wollen.

Eine Zukunftswerkstatt dauert gewöhnlich zwischen drei Stunden und fünf Tagen. Als Standard haben sich die Wochenendwerkstätten herausgebildet. Arbeitsmaterialien sind große Papierbögen, Flipchart, Stifte, Kreiden, Schere, Bastelmaterial, Klebepunkte usw., alles, was in den Gruppen zur kreativen Entfaltung gebraucht werden kann.

Die Arbeit der Zukunftswerkstatt ist ein zielgerichtetes Vorgehen und untergliedert sich in drei

Phasen:

  1. Anstoß- (Beschwerde-) und Kritikphase
  2. Phantasie- und Utopiephase
  3. Verwirklichungs- und Praxisphase.

Um die Methode wenigstens ein bißchen zu erproben, nahmen wir uns das Thema "Ökonomie" vor.

  1. Woran leiden wir im gegenwärtigen Wirtschaftssystem, was bedrängt, was beengt uns, was verhindert es? Welche Auswirkungen auf uns und unsere Gesellschaft erleben wir?
  2. Was wollen wir wirklich, welche Visionen und Utopien leiten uns und uns in den Tauschsystemen?
  3. Wie können wir unsere Wünsche, Visionen und Ideen umsetzen? Blitzlichter.

In der Kritikphase purzelten die Stichworte so schnell, dass Regine Deschle, die die Schreibarbeit auf den Plakaten übernommen hatte, kaum mit dem Schreiben nachkam. Interessant war es auch, jeweils nach

Den treffendsten Worten gemeinsam zu suchen.

Die Visionsphase lief zunächst schleppend an, und es gab viele abstrakte Schlagworte. Dr. Hans Endres, der älteste Teilnehmer auf dem Bundeskongreß, ein äußerst sprachbewußter Mensch, verhalf häufig dazu, Begrifflichkeiten zu klären, bewußt zu machen – und dann standen Wünsche und Visionen der Kritik in nichts mehr nach.

Wer was wann wie wo? Die fünf w’s sollten der dritten Phase zu Handlungshilfen führen – aber aufgrund von unüberwindbare akkustischen Störungen von oben zogen nur noch Blitzlichter von Möglichkeiten durch den Raum, keineR wollte den Lärm mehr ertragen.

Für die Anwesenden ist trotz allem die "Zukunftswerkstatt" ein Stückchen weit greifbar geworden.

Das Thema "Tauschökonomie" oder was sind Grundlagen menschengerechten Wirtschaftens wird uns alle auch noch in den nächsten Jahren, ob mit oder ohne Zukunftswerkstatt, beschäftigen.

München, den 20.10.2000

Elisabeth Hollerbach

 

 

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